Kritik

Dementia 13

„Dementia 13“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 1980 (Kino) // 5. April 2004 (DVD)

Trotz ihrer Heirat lässt ihr Ehemann keine Gelegenheit aus, Louise (Luana Anders) daran zu erinnern, dass sie eigentlich gar nicht zur Familie gehöre und sie deswegen keinerlei Anrecht auf etwas habe. Während eines Bootsausfluges hat Louise endgültig genug von der Gehässigkeit ihres Mannes und wirft ihn, als dieser geschwächt durch einen Herzanfall sich nicht wehren kann, über Bord. Zudem schmiedet sie einen Plan, um dennoch einen festen Platz im Testament von Lady Haloran (Eithne Dunne) zu erhalten und lädt sich mittels Fälschung der Unterschrift ihres Mannes zum alljährlichen Familientreffen ein, das auf dem irischen Landsitz der Halorans stattfindet. Jedoch ist der Empfang alles andere als freundlich, denn weder Richard (William Campbell) noch sein Bruder Billy Haloran (Bart Patton) kümmern sich um die Neue in ihrer Mitte. Vielmehr wächst der Verdacht, dass es sich bei Louise um eine Erbschleicherin handle, deren Behauptungen, ihr Mann sei verhindert und könne nicht kommen, mehr als verdächtig sind. Darüber hinaus ist es die morbide Atmosphäre in der Familie, die Louise auffällt, haben sich deren Mitglieder nämlich versammelt um Kathleen, Richards und Billys verstorbener Schwester zu gedenken, die bei einem Unfall ums Leben kam. Als Louise dies zu ihrem Vorteil nutzen will und sich Lady Haloran entledigen will, macht sie eine grausige Entdeckung.

Ein filmisches Experimentierfeld

Wenn man über die Bewegung des New Hollywood spricht sowie die kreativen Köpfe vor sowie hinter der Kamera, welche diese prägten, kommt man an dem Namen Roger Corman kaum vorbei. Auch wenn dessen Produktionen sich meist im Exploitationbereich bewegten und wie im Falle von Dementia 13 bekannte und erfolgreiche Filme kopierten – in diesem Falle Alfred Hitchcocks Psycho – so ist der Einfluss Cormans unbestritten, ebnete dessen Produktionsfirma American International Pictures den Weg von Regisseuren und Schauspielern wie Wiliam Friedkin, Jack Nicholson und eben auch Francis Ford Coppola. Innerhalb des Gesamtwerkes Coppolas sollte man einen Film wie Dementia 13 als eine Art filmisches Experimentierfeld sehen, auf dem sich Coppola austoben konnte innerhalb der Vorgaben Cormans, doch man sollte auch nicht den Fehler begehen, diesen Film als eine billige Kopie von Hitchcocks Werk abzutun.

Dennoch wird jeder Zuschauer, der Psycho mindestens ein Mal gesehen hat, sofort die Parallelen bemerken. Dennoch ist Psycho vielleicht doch eher eine Art Blaupause für Dementia 13 und damit Coppolas Drehbuch, der sich in der Geschichte wie auch der Form des Films auf die Tradition der Hammer Studios sowie deren Produktionen verweist, aber auch auf die der Herrenhaus-Krimis einer Agatha Christie. Dies vermengt Coppola mit jenen Elementen des Thrillers wie auch des Horrors zu einem großen Ganzen, was nicht immer aufgeht und bisweilen mehr will, als es das schmale Budget erlaubt, aber durchaus ambitioniert ist und Dementia 13 als weitaus mehr erscheinen lässt als eine reine Fingerübung.

Nicht nur erzählerisch auch formal ist Dementia 13 ein sehr experimentierfreudiges Werk. Das Spiel mit Nahaufnahmen, Kamerafahrten und verschiedenen Blickwinkeln sowie einer kurzen Zeitlupensequenz sind nur einige der zahlreichen Aspekte der Palette, die Coppola und Kameramann Charles Hannawalt hier auffahren. Ähnlich wie auf narrativer Ebene wirkt dies manchmal etwas überladen und schießt übers Ziel hinaus, doch es gelingen auch immer wieder sehr schöne und interessante Sequenzen, beispielsweise die Unterwasseraufnahmen oder das Zusammenspiel von Vorder- und Hintergrund.

Original und Kopie

Leider macht die bekannte Vorlage viele der Überraschungen und Twists innerhalb der Handlung berechenbar, doch auch hier zeigt sich zumindest die Mühe, von dieser abzuweichen und ihre Neues abzugewinnen. Besonders interessant ist die Etablierung des Machtgefüges innerhalb der Familie, die nach hierarchischen und rigiden Strukturen funktioniert, die ihre Geheimnisse schützt und vor Außenseitern bis aufs Blut verteidigt. Bereits hier zeigt sich die Stärke Coppolas, wenn es um eine Ensemblearbeit geht, zeigt er jede Figur der Familie als einen eigenständigen Charakter, der auf seine oder ihre Weise Wege findet, mit den Geheimnissen der Familie klar zu kommen und daher als potenzieller Mörder infrage kommt.

Darüber hinaus sei noch die Filmmusik Ronald Steins erwähnt, die nicht nur die Atmosphäre des Unheimlichen und des Geheimnisvollen einfängt, sondern ihren Beitrag zur Charakterisierung der einzelnen Figuren leistet.

Credits

OT: „Dementia 13“
Land: USA
Jahr: 1963
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola
Musik: Ronald Stein
Kamera: Charles Hannawalt
Besetzung: William Campbell, Luana Anders, Bart Patton, Mary Mitchell

Trailer

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Dementia 13
„Dementia 13“ ist ein Frühwerk Francis Ford Coppolas, dessen Vorlage zwar auf der Hand liegt, aber keinesfalls eine billige Kopie ist. Der Zuschauer wird Zeuge wie ein Regisseur seine Stimme, seine Form und seine Themen findet, wobei vieles sehr gut gelingt, interessant und spannend ist, auch wenn die bereits erwähnte Vorlage unerreicht bleibt.
6von 10

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