Die Zeiten sind hart, immer mehr Leute gehen einem Zweitjob nach. So auch in Die Bestatterin: Die unbekannte Tote (TV-Termin: 28. Januar 2021 um 20.15 Uhr im Ersten), dem zweiten Film der 2019 gestarteten Krimireihe. Darin spielt Anna Fischer die Tochter eines Bestatters, die auf eigene Faust den Tod einer fremden Frau aufklären will und dabei regelmäßig mit der Polizei aneinandergerät. Wir haben uns mit der Schauspielerin über ihre Rolle, die Beliebtheit von Krimis und traurigen Betrug unterhalten.

Sie spielen in Die Bestatterin – Die unbekannte Tote nun schon zum zweiten Mal die Rolle der Lisa Taubenbaum. Was hat Sie an dieser Figur gereizt?

Zunächst einmal habe ich mich gefreut, dass es weitergeht und ich Lisa ein zweites Mal spielen darf. Ich finde Lisa als hartnäckige, starke Frau, die aber doch irgendwie zwischen den Welten hängt, sehr interessant. Sie war ja mal in Berlin, ist dann aber in ihre Heimat zurückgekehrt und fragt sich: Was will ich hier eigentlich? Wenn sie dann irgendetwas sieht, das sie wie ein Rätsel lösen kann, blüht sie auf. Das macht einfach Spaß zu spielen. Von daher ist es schön, dass wir einen neuen spannenden Fall gefunden haben und uns noch ein bisschen mehr ausprobieren konnten.

Was hat sich denn im Vergleich zum letzten Mal geändert?

Wir hatten ein komplett neues Team, mit Fabian Möhrke einen neuen Regisseur. Dann haben wir bei der Location noch ein bisschen was verändert, die Drehorte sollten weniger schön sein, weniger wie in einem Heimatfilm, sondern geerdeter. Insgesamt haben wir noch mehr auf kleine Details geachtet.

Und wie sieht es bei Lisa aus? Sie ist jetzt ja erfahrener darin, Mörder zu suchen.

Sie lässt sich jetzt nicht mehr so schnell die Butter vom Brot nehmen. Sie hat ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, weswegen ihr es auch egal ist, was die anderen Leute darüber denken. Sie hat kein Problem damit, dem Dorfpolizisten Anweisungen zu geben, was er jetzt tun soll. Sie ist fordernder geworden. Gleichzeitig ist sie verletzlicher geworden durch die Geschichte mit Zellinger, mit dem sie sich privat trifft. Sie macht sich insgesamt mehr Gedanken darüber, was sie mit ihrem Leben anfangen will und in welche Richtung das alles gehen soll. Sie ist ein bisschen wütender auf ihren Vater, geht da auch schon mal in die Offensive, wenn ihr etwas nicht passt.

Wieso ist das Verhältnis in der Familie eigentlich so schwierig? Da herrscht zum Teil ja schon ein recht rauer Ton …

Oh ja. Es gibt in der Familie einfach kein Weiterkommen. Die hocken den ganzen Tag aufeinander und kommen nicht vom Fleck, auch finanziell. Die fragen sich die ganze Zeit: Wo ist die nächste Leiche? Wie können wir noch ein bisschen mehr Geld rausholen? Jeder Penny wird umgedreht, weil es hinten und vorne nicht reicht. Lisa muss sich um alles kümmern, fährt den Vater von A nach B. Das wird ihr einfach alles zu viel. Und das entlädt sich in den Gesprächen. Wenn es zwischendurch bei denen knallt, dann gibt es zwar einen Auslöser. Die Geschichte mit der unbekannten Toten ist aber nur der Vorwand für den Streit. Die Ursache ist eine ganz andere: Sie sind grundsätzlich unzufrieden mit allem.

Unabhängig von der Familiengeschichte: Wie sehr können Sie sich mit Ihrer Figur identifizieren?

Ich bin nicht so hartnäckig wie Lisa. Ich hätte glaube ich nicht so viel Durchhaltevermögen wie sie, um einen Fall zu lösen. Ich glaube aber, dass wir beide ein ähnliches Bauchgefühl haben und auch ein Auge haben für die kleinen Sachen, die dann doch das große Ganze ausmachen.

Warum geht Lisa überhaupt auf Mördersuche? Damit überschreitet sie ja schon ein wenig ihre Kompetenzen.

Sie überschreitet sogar komplett ihre Kompetenzen. Sie krallt sich dermaßen daran fest herauszufinden, wer was wie wo getan hat, dass sie alles missachtet. Für sie geht es dabei nicht nur um die Arbeit. Es ist ihr persönlich wichtig, dass die Wahrheit herauskommt. Gleichzeitig hat sie das Gefühl, dass sie damit alleine ist und ihr niemand wirklich zur Seite steht, weswegen sie mehr macht, als sie es eigentlich sollte.

Sie haben neben Die Bestatterin auch eine Reihe weiterer Krimis gedreht. Was braucht es für einen guten Krimi?

Bei einem guten Krimi hast du keine Ahnung, wer der Mörder ist. Du weißt auch bei der Hälfte nicht, wer es ist. Das wird erst zum Ende klar. Ansonsten bist du beim Krimi völlig frei, was du damit machst. Das ist ja auch das Schöne daran. Du kannst Abenteuer machen, du kannst Drama machen, du kannst auch eine Komödie machen. Deswegen ist der Krimi so erfolgreich. Du hast völlig freie Wahl. Die einzige Bedingung ist: Am Ende wird der Mörder gefunden.

Wann war Ihnen bei Der unbekannte Tote klar, wer der Mörder ist, als Sie das Drehbuch gelesen haben?

Relativ zum Schluss, muss ich gestehen.

Die Bestatterin: Die unbekannte Tote

Von wegen idyllische Ruhe: In dem kleinen Dorf in „Die Bestatterin: Die unbekannte Tote“ gibt es Leichen, wohin man auch schaut (© SWR/Daniel Schmid)

In den letzten Jahren hat es neben Die Bestatterin eine Reihe von Krimis gegeben, die in ländlichen Gebieten spielen. Warum sind solche Landkrimis so beliebt?

Das liegt an der Ruhe, würde ich sagen. Wir sind in der Großstadt so schnelllebig und leben so eng gedrängt aufeinander. Deswegen glaube ich, dass sich viele nach etwas mehr Ruhe sehnen. Beim Landkrimi wird diese Ruhe aber mit etwas Spannendem verbunden. Deswegen sind wir da schnell dabei.

Könnten Sie sich denn vorstellen, selbst aufs Land zu ziehen?

Ich glaube schon. Jetzt zwar noch nicht, weil ich noch die abwechslungsreiche Stadt brauche. Später aber, warum nicht?

Sprechen wir noch über den aktuellen Fall, ohne zu viel verraten zu wollen. Es wird relativ früh klar, dass die Tote eine Betrügerin ist, die andere Menschen ausnimmt. Sie ist damit sogar erfolgreich, obwohl ihre Maschen alles andere als originell sind. Warum funktionieren solche Betrügereien heute noch?

Sie betrog ja vor allem alte Menschen, die in Heimen sitzen, die einsam sind und sich danach sehnen, dass sie jemand besuchen kommt. Sie sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Liebe. Und das macht sie anfällig für Leute, die dieses Bedürfnis ausnutzen wollen. Das ist natürlich absolut widerwärtig. Du musst nach sowas eigentlich ein total schlechtes Gewissen haben. Aber leider gibt es wohl genug, die eben kein schlechtes Gewissen haben.

Das zweite bittere Thema des Films sind die Spekulationen rund um ein Grundstück. In den letzten Jahren wurde viel über Gentrifizierung gesprochen, wenn die Reichen allen anderen den Raum wegkaufen. Bei Die unbekannte Tote dehnt sich das nun auch auf ländliche Gebiete aus. Lässt sich diese Entwicklung noch irgendwie aufhalten?

Ja, es lässt sich aufhalten, indem wir jedem das Recht geben zu sprechen und zu sagen, was er will und welche Argumente er dafür hat. Am Ende ist es ein demokratischer Prozess. Das bedeutet aber auch, die Leute vor Ort einzubeziehen und nicht über sie hinweg zu bestimmen. Denn das sind ja oft auch wirklich schwierige Entscheidungen, wenn zum Beispiel Arbeitsplätze und Natur gegeneinander abgewogen werden müssen. Da braucht es eine demokratische Abstimmung. Und am Ende entscheidet die Mehrheit.

Nachdem der zweite Fall jetzt durch ist: Wie geht es jetzt weiter mit der Reihe? Gibt es Pläne für einen dritten Film?

Eine gute Frage. Das frage ich mich auch. (lacht) Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn es noch weitere Filme gibt. Aber das hängt letztendlich von den Zuschauerzahlen ab.

Und was steht sonst bei Ihnen an? Welche Projekte sind geplant?

Es geht mit Harter Brocken weiter. Dann drehen wir eine neue Staffel von Die Heiland – Wir sind Anwalt.

Zur Person
Anna Fischer wurde am 18. Juli 1986 in Ost-Berlin geboren. Zunächst schlug sie eine musikalische Richtung ein, komponierte eigene Stücke und trat auch selbst auf. Dabei wurde sie eines Tages auch für den Film entdeckt. Draufhin spielte sie in zahlreichen Serien und Kurzfilmen mit. Größere Aufmerksamkeit erregte sie durch das Inzest-Drama liebeskind, wofür sie 2006 den Max Ophüls Preis als beste Nachwuchsdarstellerin erhielt. Seither ist sie häufig im Fernsehen zu sehen, spielte dort in zahlreichen Filmen mit und gehört zum festen Ensemble in Harter Brocken und Die Heiland – Wir sind Anwalt.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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