The Glass Coffin - Du gehörst mir!

The Glass Coffin – Du gehörst mir!

Kritik

The Glass Coffin - Du gehörst mir!
„The Glass Coffin – Du gehörst mir!“ // Deutschland-Start: 17. Mai 2019 (DVD/Blu-ray)

Es ist der große Abend für Amanda (Paola Bontempi), denn sie wird für ihre zahlreichen Rollen als Schauspielerin einen prestigeträchtige Auszeichnung entgegennehmen. Ihr Lebensgefährte muss ihr zwar kurzfristig wegen eines verpassten Fliegers absagen, doch dies kann ihre Stimmung nur kurzzeitig trüben, haben ihr die Organisatoren der Preisverleihung eine luxuriöse Limousine zur Verfügung gestellt, deren Ausstattung keine Wünsche offen lässt. So vertreibt sich Amanda die Fahrt mit diversen Gläsern Champagner und indem sie ihre Rede noch einmal studiert, bis auf einmal auf den TV-Bildschirmen ein altes Interview mit ihr über ihre erste große Rolle ausgestrahlt wird. Zunächst an eine Schmeichelei seitens der Organisatoren glaubend, bedankt sie sich beim Fahrer, bittet aber darum, dass die Bildschirme wieder ausgeschaltet werden, was nach wiederholten Bitten auch passiert.  Jedoch wird die Aufzeichnung abgelöst durch eine verstellte Stimme, die Amanda sagt, sie wäre entführt worden und müsse, wenn sie keine größeren Schmerzen erdulden wolle, allen Befehlen Folge leisten.

Es ist deine Nacht
Nach einer ganzen Reihe von Kurzfilmen legte der Spanier Haritz Zubillaga 2016 mit The Glass Coffin seinen ersten Spielfilm als Regisseur vor, der im gleichen Jahr auf dem Sitges Film Festival seine Premiere feierte. Wie bereits in seinen vorherigen Arbeiten bleibt Zubillaga dem Horrorgenre weiterhin treu, verlässt sich dabei auf sein minimalistisches, aber bedrohliches Szenario sowie auf Darstellerin Paola Bontempi, welche zugleich als Produzentin agierte. Aus ihrer Kollaboration entstand mit The Glass Coffin ein Streifen, der sich mit der Scheinwelt und dem Geschäft mit der Unwahrheit innerhalb der Kunst auseinandersetzt, aber einige handwerkliche Probleme aufweist.

Im Zentrum der Handlung steht das Märtyium der von Bontempi gespielten Amanda, die sich auf kleinstem Raum einer längst vergessenen Episode ihrer Vergangenheit stellen muss. Die wahrscheinlich dem schmalen Budget geschuldete minimalistische Inszenierung, welche als Handlungsort sich mehrheitlich auf den Innenraum der Limousine beschränkt, verweist bereits früh auf eines der zentralen Themen dieses Films, nämlich die Ich-Bezogenheit der Figur, die stellvertretend für einen besonderen Künstlerschlag stehen könnte. Motiviert durch die Prämisse für ihre über die Jahre angehäuften Rollen eine Auszeichnung zu bekommen, hat Amanda es abermals mit einer Figur zu tun, die sie spielen muss, die sie abermals in Zentrum eines größeren Narratives setzt. „Es ist deine Nacht“, raunt ihr der Lebensgefährte über das Handy noch zu, was sie mit einem wissenden Lächeln quittiert, gefällt sie sich doch in der Übernahme dieser Rollen.

Doch es ist nicht alleine Bontempis Darstellung, welche auf dieses Thema verweist, sondern auch der Innenraum des Fahrzeugs, jener im Titel angedeutet gläserne Sarg, in dem sie sich befindet. Immer wieder sieht sich Amanda mit ihrer Reflektion konfrontiert, in den Scheiben wie auch den Bildschirmen, von wo aus sie ihr Konterfei sehen kann, doch auch eine Rückschau auf bereits gespielte Rollen. Dieser „Ich-Überfluss“ wird zu einem Spiegel der Welt, in der sich befindet und des Bewusstseinszustandes der Prominenz, der im Verlaufe der Handlung immer weiter aufgebrochen wird oder eben durch ein neues Narrativ ersetzt wird.

Das Geschäft mit der Lüge
Amandas Geschäft ist das mit der Lüge oder das Verwalten eines Mangels an Echtheit. Es braucht noch nicht einmal mehr einen echten Menschen, um eine solche Rolle zu spielen, denn vielmehr befiehlt die mechanische Stimme ihr ein neues Szenario, einen neuen Text und eine neue Figur, die es zu übernehmen und zu meistern gilt, auch wenn einem dies vielleicht nicht passt. In teils drastischen und zudem ekelerregenden Szenen konfrontiert der unsichtbare Foltermeister sein Opfer mit der omnipräsenten Lüge, welche Amanda mit der Zeit als Wahrheit akzeptiert hat und nun als solche in Interviews verkauft.

Thematisch hat The Glass Coffin einiges zu bieten, doch leider verhindern einige Punkte, dass der Film seine erzählerische Wucht entfaltet. Neben einiger übertriebener Szenen, die im Rahmen des Narratives sich als reine Schauwerte entpuppen, ist es zudem das Finale, welches ein wirkliches Ärgernis ist und so dunkel ist, dass von der Darstellung der Schauspieler nicht mehr bleibt.

Credits

OT: „El ataúd de cristal“
Land: Spanien
Jahr: 2016
Regie: Haritz Zubillaga
Drehbuch: Haritz Zubillaga, Aitor Eneriz
Musik: Aránzazu Calleja
Kamera: John D. Domínguez
Besetzung: Paola Bontempi, Galder Gaztelu-Urrutia, Garazi Pedreira

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sitges 2016

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„The Glass Coffin – Du gehörst mir!“ ist eine inszenatorisch minimalistischer, aber thematisch sehr dichter Mix aus Horror und Thriller. Trotz seiner tollen Hauptdarstellerin verlässt sich Haritz Zubillaga ein bisschen zu sehr auf unnötige Schauwerte. Zudem verhindern einige technische Aspekte, dass das Finale seines Films seine volle Wucht entfalten kann.
5
von 10