Kritik

Rio Lobo

„Rio Lobo“ // Deutschland-Start: 2. April 1971 (Kino) // 1. April 2004 (DVD)

Während des Amerikanischen Bürgerkrieges befehligt Colonel Cord McNally (John Wayne) eine Einheit, deren Aufgabe die Überwachung eines Goldtransports ist. Als die wertvolle Fracht von Einheiten der Union gestohlen wird, macht sich McNally auf die Suche nach den Dieben und denen, die ihnen die Informationen über die Route des Transports gegeben haben. Zwar gelingt es ihm sowohl Captain Pierre Cordona (Jorge Rivero) wie auch dessen „rechte Hand“ Sergeant Tuscarora Phillips (Christopher Mitchum) festzunehmen, doch von deren Informanten, welchen er die Schuld am Tod eines seiner besten Offiziere gibt, fehlt jede Spur. Nach Ende des Krieges beschließt McNally, auf eigene Faust nach dem Verräter zu suchen. Mit der Hilfe Cordonas sowie Shasta Delaneys (Jennifer O’Neill) erhält McNally eine wichtige Information, nämlich, dass sich die Verantwortlichen in dem Städtchen Rio Lobo aufhalten, einer Stadt, die von einem korrupten Sheriff sowie einem mächtigen Landbesitzer namens Ketcham (Victor French) kontrolliert wird. Da sich Ketcham als einer der Verräter herausstellt, setzt McNally alles daran, ihn zur Strecke zu bringen, doch damit bringt er das Gesetz gegen sich auf.

Der schlimmste Verrat
Rio Lobo ist die letzte Zusammenarbeit des großen Westernregisseurs Howard Hawks und seines Lieblingsdarstellers John Wayne, und damit ein Abgesang auf eine Ära des Genres. Leider sollte Rio Lobo ein recht durchwachsener Streifen werden, der vom Publikum größtenteils gemieden und von der Kritik verrissen wurde. Zwar variierte Hawks in seinem letzten Film vieler der Grundthemen seines Werkes, allen voran die Figur des Sheriffs als Hüter von Recht und Ordnung in einem vom Verbrechen bedrohten Land, doch so richtig aufgehen sollte diese Rechnung nicht, was nicht zuletzt an dem unentschlossenen Skript sowie der Inszenierung liegt.

Zwar spielt Wayne, anders als in Rio Bravo oder anderen Kollaborationen Hawks, nicht den Sheriff, doch von der Pose her könnte man McNally mit gutem Recht den schmückenden Stern an die Brust heften. Er steht nicht nur für eine gewisse Ordnung, sondern zudem für einen Ehrenkodex, ein krasser Widerspruch zu den Wirren des Krieges, in welcher der Film spielt. In seinem ersten Treffen mit ebene jenen Soldaten, die er wegen des Goldraubs festgenommen hatte, beschreibt er jenen Kodex, der ihr Vergehen als „Akt des Krieges“ entschuldigen kann, nicht aber den Verrat jener Männer, die ihnen die Informationen über die Route des Transports gaben und damit den Tod eines jungen Mannes verschuldet haben.

Dies ist nur eine von vielen wirren Gedanken, welche das Drehbuch aus der Feder Leigh Bracketts und Burton Wohls vereint. Zudem gerät auch das Vorhaben McNallys immer mehr in den Hintergrund, vor allem, wenn sich das Geschehen nach Rio Lobo verlagert und der Film wesentlich mehr an Fahrt aufnimmt, befindet sich Hawks hier im Kampf von Gut gegen Böse schon mehr in seinem Element. So richtig überzeugen will seine Heldenkonstellation aber immer noch nicht, was vielleicht auch an dem allzu routinierten Spiel seines Hauptdarstellers liegt.

Verdrehte Ordnung
Generell verhebt sich Rio Lobo das ein oder andere Mal in der Darstellung der verdrehten Ordnung nach dem Bürgerkrieg. Zeigen die zu der Zeit populären europäischen Western von Sergio Corbucci oder Sergio Leone sowie diese seines Landsmanns Sam Peckinpah noch ein aus den Fugen geratenes Land, in dem das Recht des Stärkeren dominiert und ein pessimistisches Weltbild dominiert, wirkt Rio Lobo dagegen fast schon wie ein Heimatfilm mit der ein oder anderen Actionszene. Einzig und allein Mike Henry, als der von Ketcham kontrollierte Sheriff, hinterlässt so etwas wie einen bleibenden Eindruck als Sadist und Machtmensch, in einem Film, der sich durch seine fast zweistündige Laufzeit quält und durch zu viele Nebenschauplätze, wie der obligatorischen Liebesgeschichte, aufgeblasen wirkt.

Credits

OT: „Rio Lobo“
Land: USA
Jahr: 1970
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Leigh Brackett, Burton Wohl
Musik: Jerry H. Goldsmith
Kamera: William H. Clothier
Besetzung: John Wayne, Jorge Rivero, Jennifer O‘Neill, Jack Elam, Victor French, Susana Dosamantes, Mike Henry

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3.9/5 - (17 votes)
Rio Lobo
„Rio Lobo“ ist ein altmodischer Western, leider im negativen Sinne. Mag man an wenigen Stellen noch die Brillianz Howards Hawks erkennen, beweist er auch, dass diese Art der Inszenierung nicht mehr zeitgemäß ist, was noch verschlimmert wird durch ein Drehbuch, welches einfach nicht weiß, wohn die sprichwörtliche Reise gehen soll.
5von 10

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