Kritik

Unser Zuhause The House of Us

„Unser Zuhause“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es vergeht mittlerweile fast kein Tag mehr, ohne dass sich die Eltern der zwölfjährigen Ha-na (Na-yeon Kim) und ihres älteren Bruders Chan (Ji-ho Ahn) streiten. Schon wegen Kleinigkeiten kann es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten kommen, sodass sich Chan schon abgefunden hat mit dem Gedanken, seine Eltern werden sich bald schon scheiden lassen. Ha-na jedoch hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben und versucht die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erregen. Sie hilft im Haushalt mit, damit ihr Mutter nicht so viel Stress hat und bereitet das Abendessen für alle vor, doch die Familie isst noch nicht einmal mehr zusammen und gegen Abend, wenn ihr Vater dann nach Hause kommt, gibt es sogleich wieder einen Streit. Weil sie als Familie einmal einen Ausflug ans Meer gemacht haben, an den sich Ha-na noch immer gut erinnert, versucht sie ihr Eltern zu überreden, wieder einen solchen zu unternehmen, doch weder sie noch Chan wollen den Ausflug. Als Ha-na eines Tages für das Abendessen einkauft, kreuzt sich ihr Weg mit dem der Schwestern Yoo-mi (Shi-a Kim) und Yoo-rin (Ye-rim Joo), die ebenfalls einkaufen sind. Die drei Mädchen kommen ins Gespräch und Ha-na erfährt, dass die Eltern der beiden kaum zu Hause sind und wegen ihrer Arbeit oft umziehen. Auch jetzt steht bald schon wieder ein Umzug an und sowohl Yoo-mi wie auch ihr Schwester wollen ihre Eltern überzeugen, nicht mehr umzuziehen. Da ihre Bemühungen für Harmonie in ihrer Familie zu sorgen auf taube Ohren stoßen, beschließt Ha-na den beiden Mädchen zu helfen und vielleicht zumindest ihre Familie zu retten.

Die Ersatzfamilie
Spätestens seit dem großen internationalen Erfolg von Hirokazu Koreedas Shoplifters – Familienbande ist das traditionsreiche Genre des Familiendramas im asiatischen Film wieder erwacht. Unser Zuhause, das Spielfilmdebüt der Südkoreanerin Ga-eun Yoon, welches nun auf dem diesjährigen Internationalen Filmfestival Schlingel zu sehen ist, ist diesem Genre zuzuordnen, mit dem kleinen Unterschied, dass die Geschichte vor allem aus die Perspektive der Kinder erzählt wird. Im Kern geht es in Unser Zuhause um die Hilflosigkeit, wenn man gezwungen ist dabei zuzusehen, wie die eigene Familie in sich zerfällt, aber auch um die Möglichkeiten diesen Zustand zu überwinden.

Wie auch in den Filmen Koreedas spielt die Ersatzfamilie auch in Ga-euns Geschichte eine maßgebliche Rolle. Während die Eltern entweder einfach gar nicht erst präsent sind oder eben, wie in Ha-ans Fall, mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, flüchten sich die Mädchen in eine Ersatzfamilie, die sie in ihrer Gemeinschaft finden. Yoo-mi, die mit der Verantwortung praktisch alleine auf ihre kleine Schwester aufzupassen, überfordert ist, sieht in der älteren Ha-na so etwas wie eine große Schwester, eine Rolle, die sie bereitwillig übernimmt. Nicht nur kocht sie für die beiden oder spielt mit ihnen, sie sieht sich auch als eine Beschützerin, beispielsweise, als potenzielle Interessenten in die Wohnung der Eltern der Schwestern geführt werden und Ha-na alles tut, um einen schlechten Eindruck des Apartments zu hinterlassen.

Die Familie ist immerzu bedroht von mehreren Faktoren, teilweise auch solchen, die sich nur andeuten. Aus der Sicht Ha-nas wirken diese Einflüsse nicht nur verwirrend, sondern sogar verstörend, vor allem, als sich ihr der desolate Zustand der Ehe ihrer Eltern in vollem Umfang offenbart. Die Kameraarbeit Ji-hyeon Kims betont den Eindruck eines Zuhauses, dessen Harmonie empfindlich gestört wurde, in welchem die Menschen zunehmend isolieren oder eben flüchten.

Wir müssen unser Zuhause schützen
Dennoch muss dieses Zuhause bewahrt werden, zumindest aus der Sicht der Kinder. Mit ausgeklügelten Streichen, Lügen oder dem Entwenden von Gegenständen, wie dem Handy von Ha-nas Vater, helfen sich die Mitglieder der Ersatzfamilie gegenseitig. Die jungen Darsteller, vor allem aber Na-yeon Kim, geben berührende Leistungen ab von Kindern, die sich bemühen, den Bruch in ihren Familien zu verhindern, aber ihre Handlungsunfähigkeit einsehen müssen. Besonders herzerweichend ist Ha-nas Versuch durch teils übertriebene Häuslichkeit ihren Eltern zu helfen, was ihr bisweilen noch Schelte der Mutter einbringt.

Credits

OT: „Ulijib“
IT: „The House of Us“
Land: Südkorea
Jahr: 2019
Regie: Ga-eun Yoon
Drehbuch: Ga-eun Yoon
Kamera: Ji-hyeon Kim
Besetzung: Na-yeon Kim, Shi-a Kim, Ye-rim Joo, Ji-ho Ahn

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Schlingel 2020

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Unser Zuhause
„Unser Zuhause“ ist ein berührendes Familiendrama, erzählt aus der Sicht von Kindern. Ga-eun Yoon gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die, ohne dabei übertrieben rührig zu wirken, von der Hilflosigkeit berichtet, ob des Zerfalls der eigenen Familie, doch auch davon, wie man eine neue Familie finden kann.
8von 10

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