Kritik

Stephen King Das Notwendige Boese

„Stephen King: Das notwendige Böse“ // Deutschland-Start: 23. Oktober 2020 (Arte)

Mehr als 350 Millionen Male haben sich seine Bücher verkauft, es gibt mehrere Hundert Filme und Serien, die auf diesen basieren. Ganz klar: Stephen King ist einer der erfolgreichsten und allgegenwärtigsten Autoren der neueren Geschichte. Und das, obwohl der US-Amerikaner sich größtenteils auf düstere und fantastische Stoffe spezialisiert hat, die ihm den Namen „King of Horror“ eingebracht haben. Doch was ist das Geheimnis seines Erfolges? Und wer ist der Mann, der mittlerweile seit fünf Jahrzehnten von alptraumhaften Wesen erzählt, welche über uns hereinbrechen?

Zumindest ein paar Antworten hält Stephen King – Das notwendige Böse bereit, eine neue TV-Dokumentation von Julien Dupuy. Die ist natürlich nicht umfassend, dafür reicht der knappe Rahmen einfach nicht aus. Gerade einmal 53 Minuten ist der Film lang. Fans des Autoren werden hier dann auch nichts Neues erfahren. Wer sich einigermaßen mit ihm auskennt, mit seinen Büchern und Themen, wird das alles schon wissen. King selbst war auch nicht bei der Produktion beteiligt und ist lediglich durch diverse Archiv-Aufnahmen vertreten. Das Ergebnis ähnelt daher mehr einer filmischen Hausarbeit, die man für die Uni angefertigt hat, um damit zu demonstrieren, dass man Thema und Herangehensweise verstanden hat.

Ein Einblick in die Themen des King of Horrors
Neulinge bekommen hingegen durchaus einen adäquaten Einstieg. Gerade im filmischen Bereich werden eine Reihe der wichtigsten Titel zumindest angesprochen, von Carrie und Shining über Christine, Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers und Misery bis zu Es. Einige der gezeigten Szenen oder auch Figuren wird man selbst als Nicht-Horror-Fan wiedererkennen, da sie so ikonisch sind, dass sie zu einem Teil der Popkultur wurden. Wobei Dupuy dankenswerterweise nicht einfach eine Greatest Hits Compilation angelegt, sondern die einzelnen Abschnitte thematisch geordnet hat. So zeigt er biografische Elemente auf oder auch wiederkehrende Merkmale wie eine sich verselbständigende Technik und das Motiv des Bösen in amerikanischen Kleinstädten.

Hinzu kommen kurze Ausflüge zu seinem nicht-filmischen Schaffen. Gerade sein Einsatz für Bibliotheken und das Lesen zeichnen ihn aus, seine Verachtung für Donald Trump und seine politische Gesinnung kommt ebenfalls darin vor. Dafür gibt es anderweitig Leerstellen, etwa seine exzessiven Drogen- und Alkoholprobleme. Auch sein Zugang zum Schreiben und grundsätzliche biografische Angaben sind in Stephen King: Das notwendige Böse recht dünn. Dafür stimmt das Tempo: Die Dokumentation ist kurzweilig, zudem in sich schlüssig und kommt ohne die Glorifizierungen aus, welche solche Künstlerporträts oft plagen. Wer also einen kurzen Einblick in das Werk des Horror-Veteranen sehen möchte und gar nicht den Anspruch hat, tiefer unter die Oberfläche zu schauen, für den ist das hier gut geeignet.

Credits

OT: „Stephen King: Le mal nécessaire“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Julien Dupuy

Special

Mehr zu Stephen King und den Verfilmungen seiner Romane findet ihr in unserem Themenspecial.

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Stephen King: Das notwendige Böse
„Stephen King: Das notwendige Böse“ gibt einen Einblick in das Leben und Schaffen des King of Horrors. Die einzelnen Abschnitte sind in sich schlüssig, die Dokumentation auch kurzweilig. Sonderlich in die Tiefe geht sie jedoch nicht. Wer sich einigermaßen mit dem Erfolgsautor auskennt, wird hier nichts Neues oder Überraschendes erfahren.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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