Kritik

Schatten der Mörder Shadowplay

„Schatten der Mörder – Shadowplay“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2020 (ZDF)

Im Jahre 1946 wird der New Yorker Cop Max McLaughlin (Taylor Kitsch) nach Berlin geschickt mit dem Auftrag, die dortige Polizei aufzubauen und nach dem Standard der USA auszubilden. Gewillt die Aufgabe so gut es geht zu erfüllen, kommt er in die vom Krieg zerstörte Hauptstadt und muss schnell feststellen, dass seine Mission schwieriger sein wird, als er zunächst angenommen hat. Unterstützt von der Polizistin  Elsie Garten (Nina Hoss) erhält er einen Einblick in eine Stadt, in der das Recht des Stärkeren regiert, die Militärpolizei vor allem zuständig ist und jede Ermittlung in erster Linie vor eine Mauer des Schweigens stößt. Zudem wird seine Mission überwacht von Angehörigen des US-Militärs wie Major Tom Franklin (Michael C. Hall), der ihm gegenüber schon bald keinen Zweifel mehr an der Natur seiner Mission lässt, die vor allem innerhalb der prekären politischen Lage in Zusammenhang mit der russischen Armee nicht zuletzt auch politischer Natur ist. Dabei hat McLaughlin schon bald sehr viel zu tun, ermittelt er im Rahmen einer Mordserie, die auch Opfer innerhalb des Militärs fordert und ihn auf die Spur des Engelmachers bringt. Hinter diesem verbirgt sich Dr. Werner Gladow (Sebastian Koch), dessen Netzwerk die ganze Stadt umfasst und in dessen Diensten Mädchen wie die junge Karin (Mala Emde) stehen, denen er nach einem traumatischen Erlebnis und in den Wirren der Nachkriegszeit hilft, Gerechtigkeit zu erfahren. Darüber hinaus ist es nicht nur seine Mission, die McLaughlin nach Berlin führt, sondern auch die Suche nach seinem Bruder Moritz (Logan Marshall-Green), der als verschollen gilt.

Die Narben des Krieges
Schatten der Mörder – Shadowplay ist eine internationale Ko-Produktion, an der sich neben dem ZDF zudem Sender wie Canal+ und das kanadische Studio Bron Studios beteiligen Die kreativen Köpfe hinter der Geschichte sind Måns Mårlind und Björn Stein, die bereits bei Serien wie Midnight Sun oder Die Brücke – Transit in den Tod zusammenarbeiteten und sich die Regie der insgesamt acht Episoden umfassenden Serie teilen. Die Geschichte versetzt den Zuschauer in die deutsche Hauptstadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die nicht nur geprägt ist von dem allgegenwärtigen Kampf ums Überleben, sondern zudem von einer Suche nach Gerechtigkeit sowie den politischen Machtspielen der Repräsentanten der Siegermächte.

Anhand einer Vielzahl von Figuren zeigen sich die Narben dieser Zeit, nicht nur des Krieges an sich, sondern auch des Überlebenskampfes in den Straßen Berlins. Viele dieser Erfahrungen und Hintergründe offenbaren sich dem Zuschauer erst mit der Zeit, wobei die Erlebnisse von Figuren wie der von Mala Emde gespielten Karin oder der von Nina Hoss gespielten Elsie stellvertretend für jene Zeit der Entbehrung ist und des Fehlens einer Ordnung, die für Gerechtigkeit steht. Gerade diese beiden Frauenfiguren bilden gewisse Extreme ab, eine Flucht in die Ordnung und Hierarchie der Polizei oder eine solche in die Arme von moralisch recht zweifelhaften Gestalten wie Gladow.

Interessant ist hierbei, wie die Geschichte die Rolle der Außenseiter, der Angehörigen des Militärs definiert. Teils noch selbst verwundet von der Erfahrung des Krieges, emotional und/oder körperlich, stehen sie für eine neue Ordnung, die sich aber nur bedingt durchsetzen kann und darüber hinaus noch eine andere Agenda verfolgt. Die Suche nach dem Bruder, interessant verbunden mit dem „Max und Moritz“-Motiv, steht für die Möglichkeit einer Verarbeitung der eigenen Geschichte, einer Suche nach Antworten, die den Blick freimacht auf einen tiefen Abgrund, dessen Ende man nicht sehen kann.

Eine neue Phase des Krieges
Das Szenario, das detailverliebte Szenenbild wie auch die Figuren lassen eine Serie wie Shadowplay in die Nähe von solchen Werken wie Carol Reeds Der dritte Mann oder Fritz Langs Ministerium der Angst kommen. Figuren wie Karin oder Max verfolgen eine persönliche Agenda, suchen nach Antworten und in gewissem Sinne auch nach einer (neuen) Identität, sind aber bald schon verstrickt in einem komplexen Gewirr aus Intrigen und Gewalt sowie der politischen Machtmaschinerie. Abgebrüht und moralisch aalglatt spielen Darstellern wie Michael C. Hall oder Ivan G’Vera Figuren, die sinnbildlich für jene andere oder neue Phase des Konflikts stehen, der sich nicht mehr länger nur in Andeutungen verliert, sondern schon recht bald Realität wird.

Credits

OT: „Shadowplay“
Land: Kanada, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Måns Mårlind, Björn Stein
Drehbuch: Måns Mårlind, Björn Stein
Musik: Nathaniel Méchaly
Kamera: Erik Sohlström
Besetzung: Taylor Kitsch, Nina Hoss, Mala Emde, Sebastian Koch, Michael C. Hall, Tuppence Middleton, Logan Marshall-Green, Lena Dörrie

Bilder

Trailer

Interview

Mala Emde Interview

Wie waren die Dreharbeiten bei Shadowplay? Und warum erfreuen sich Serien mit historischen Settings solcher Beliebtheit? Diese und weitere Fragen haben wir Schauspielerin Mala Emde in unserem Interview zur Serie gestellt.

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Schatten der Mörder – Shadowplay
"Schatten der Mörder – Shadowplay" ist eine Serie, welche die Wirren, das Suchen nach Gerechtigkeit sowie die politischen Machtspiele in der Nachkriegszeit zu einer komplexen Geschichte verknüpft. Dank eines tollen Ensembles, einer detailverliebten Inszenierung sowie eines guten Drehbuchs, geschrieben von Måns Mårlind, gelingt hier spannende Fernsehunterhaltung, deren Themen und Figuren nicht bloß im zeitgeschichtlichen Kontext zu verstehen sind, sondern immer wieder auf die heutige Vernetzung von Politik und Privatem verweisen.
8von 10

2 Responses

  1. Martha Xanth

    Ich habe nach einer Rezension gesucht um festzustellen was man an dieser Serie gut finden kann. Deutsche Geschichte wird zu einer reinen klischeehaften Kulisse in der sich surreale Geschehnisse abspielen. Selbst wenn man die Figuren und Handlungen völlig unabhängig von allem Kontext sieht ist alles total Überkandidelt, unglaubwürdig und damit für mich uninteressant. Schade.

    Antworten

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