Kritik

RomSeit er als kleiner Junge von seinen Eltern ausgesetzt wurde, sind die Straßen und Dächer Saigons das Zuhause Ròms (Tran Anh Khoa). Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Bote der Einwohner eines verarmten Apartmentkomplexes, die bei ihm ihre Lotteriescheine abgeben, welche Ròm dann wegbringt. Besonders viel Geld verdient er aber, wenn er für seine Kunden noch einen Tipp abgibt, was die Gewinnzahlen wohl sein könnten. Nachdem ihm dies einmal gelungen war und er ein hohes Trinkgeld kassiert hat, versucht er mit diversen, teils abstrusen Methoden die nächsten Gewinnzahlen zu erraten. Das Geld, welches er verdient, gibt er keineswegs aber nur aus, sondern legt sich einen Teil zurück, um endlich zurück zu seinen Eltern zu gelangen. Jedoch ist das Leben in seinem Viertel nicht mehr so einfach, denn nicht nur, dass Ròm von einer Pechsträhne verfolgt zu sein scheint, zu allem Übel hat er in dem flinken Phuc (Anh Tu) einen Konkurrenten bekommen, der ein glückliches Händchen beim Raten der Gewinnzahlen beweist und darüber hinaus noch weitaus schneller ist als er. Als wäre dies nicht schon schlimm genug setzen die Handlanger eines Baulöwen die Bewohner der Apartments unter Druck, denn ihrer Wohnungen sollen abgerissen werden und sie umgesiedelt. Ihre ganzen Hoffnungen ruhen auf dem einen Los, welches sie aus der Misere befreien könnte und damit auf Ròm und Phuc.

Die Suche nach den richtigen Zahlen
Ausgehend von seinem Kurzfilm 16:30 erzählt der vietnamesische Regisseur Tran Thanh Huy eine Geschichte über seine Heimat, die nun auf dem Internationalen Filmfestival Schlingel gezeigt wird und im letzten Jahr auf dem Busan International Film Festival den New Currents Award ausgezeichnet wurde. In Busan sollte der Film noch Gegenstand einer Kontroverse sein, wollten die vietnamesischen Zensoren, dass dieser aus dem Wettbewerb zurückgezogen werden soll, da von ihnen in der gezeigten Fassung keine Freigabe erhalten hatte. Gezeigt wurde er dennoch und gewann den bereits erwähnten Preis, was der Kontroverse ein Ende setzte, in der es vor allem darum ging, welches Bild Ròm von Vietnam zeigt.

Im Zentrum der Handlung steht das Glück und der Zufall, welche die Hauptelemente des Lebens des Protagonisten definieren. Auf dem Dach des Apartmentkomplexes haust Ròm in einem kleinen Verschlag, die Wände wie auch die unmittelbare Umgebung ganz auf die Messbarkeit des Glücks ausgelegt, mit Zahlenkombination beschrieben, diversen Kennzeichen, die von der Decke hängen und anderen Details. Ironischerweise ist ihm, bedenkt man sein Schicksal, bislang das Glück nicht gerade hold gewesen, dennoch versteift er sich darauf, es vorhersagen zu können mittels diverser Tricks, welche meist damit enden, dass er von seinen Kunden verprügelt oder davongejagt wird.

Konsequent ist Glück nur in Verbindung mit Zahlen oder Geld etwas wert. Natürlich gibt es auch die Gemeinschaft, doch der Zusammenhalt dieser ist eben auch von diesen Zahlen abhängig. Immer wieder entbrennt der Streit um diese Zahlen, nicht nur, wenn Ròm seinen Kunden einen falschen Tipp abgegeben hat, sondern beispielsweise auch, wenn sich Bewohner über die Abfindungen mit den Handlangern des Investors streiten, der ihre Wohnungen falsch vermessen hat. Selbst der flinke Phuc kann dem Unglück und damit den Zahlen nicht entkommen, hängt sein Überleben doch vom Begleichen diverser Schulden ab.

Ein System für sich
Dieses absolute Verlassen auf die Zahlen eines Lotterieloses haben den Glauben in ein System, welches für seine Mitglieder sorgt, abgelöst. Auch ästhetisch zeigt Tran Tanh Huy den Komplex als eine Art abgeschlossene Einheit, die Stadt als ein Labyrinth dunkler Gassen und überfüllter Straßen, durch welche die Charaktere ihre diversen Botengängen führen. Vielmehr erscheinen die Autoritäten noch als Teil des Problems, greifen sie zwar mittels Polizeirazzien gegen Ròm und andere Boten durch, lassen aber die Handlanger des Baulöwen gewähren, die nicht davor zurückschrecken, ihre Forderungen mit absoluter Härte durchzusetzen.

Credits

OT: „Ròm“
Land: Vietnam
Jahr: 2019
Regie: Tran Thanh Huy
Drehbuch: Tran Thanh Huy
Musik: An Ton That
Kamera: Ngyuen Khac Prat, Ngyuen Vinh Phuc
Besetzung: Tran Anh Khoa, Anh Tu, Cat Phuong, Hai Trieu, Jayvee Mai The Hiep, Wowy

Bilder

Trailer

Filmfeste

Busan International Film Festival 2019
Fantasia Film Festival 2020
Schlingel 2020

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Ròm
„Ròm“ ist ein Drama über die Rolle des Glücks im Leben. Die Geschichte erzählt von Menschen, die wahrlich ihres eigenen Glückes Schmied geworden sind, können sie sich doch auf das System, welches eigentlich für ihre Sicherheit sorgen soll, nicht mehr verlassen. Tran Tanh Huy gelingt ein dynamischer, aber oft auch sehr deprimierender Film.
7von 10

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