Kritik

Johnny Handsome

„Johnny Handsome“ // Deutschland-Start: 22. Februar 1990 (Kino) // 8. Oktober 2020 (Mediabook)

Geboren mit einem entstellten Gesicht wird John Sedley (Mickey Rourke) von seinem Umfeld schon immer entweder gemieden oder verspottet, meist mit dem Spitznamen „Johnny Handsome“ (Der schöne Johnny). Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Gelegenheitsjobs oder mit Gaunereien, jedoch geht bei einem Raubüberfall einiges schief: Sein Partner wird ermordet und seine Komplizen machen sich mit der Beute aus dem Staub. Vor Gericht wird Johnny zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und kaum im Gefängnis angekommen, wird Sedley von einem Mitgefangenen auf Veranlassung seiner ehemaligen Komplizen bei dem Überfall angegriffen. Während Lieutenant Drones (Morgan Freeman) nicht daran glaubt, dass sich Johnny ändern kann, bietet der behandelnde Arzt Dr. Steven Resher (Forest Whitaker) dem verletzten Johnny eine einmalige Chance: Um ihm den Start in ein neues Leben zu ermöglichen, will er dessen Gesicht mittels plastischer Chirurgie verändern. Nach mehreren OPs sowie einer langen Therapie gelingt es Johnny wieder in die Welt außerhalb des Gefängnisses zu gelangen, dieses Mal unter der Obhut Reshers sowie mit einem Job auf einer Baustelle. Mittels der neuen Identität unter dem Namen „Johnny Mitchell“ beginnt für ihn ein neues Leben, so zumindest sieht es Resher, der seine Theorie, dass die Veränderung des Äußerlichen ein Schritt in die Resozialisierung Johnny ist, als bestätigt ansieht. Doch Johnny will vor allem Rache nehmen an denjenigen, die seinen Freund ermordet haben und ihn beinahe getötet hätten.

Die Angst davor, normal zu sein
Bereits Anfang der 80er Jahre wurde Regisseur Walter Hill die Adaption des Romans Die drei Gesichter von Johnny Handsome von John Godey angeboten, doch er lehnte ab. Nach eigenen Angaben störte ihn an der Geschichte, die Idee, dass der Protagonist sein Aussehen mittels plastischer Chirurgie verändere, was in den Augen Hills ein Stereotyp des US-Kinos der 40er Jahre war. Jahre später überzeugte ihn die Geschichte dann doch, kam aber leider nicht beim Publikum an. Das ist vor allem deswegen bedauerlich, da Mickey Rourke als Johnny nicht nur eine seiner besten darstellerischen Leistungen abgibt, sondern es sich bei Hills Film um eine durchaus attraktive Mischung von Außenseiterdrama und Kriminalfilm handelt.

Ähnlich seinem Auftritt in Michael Seresins Homeboy ein Jahr zuvor spielt Rourke einen Außenseiter und einen Ausgestoßenen. Anders aber als der Boxer Johnny Walker ist Johnny Sedley/Johnny Mitchell jemand, der schon alleine wegen seines Äußeren keine Chance hat, sich in die Gesellschaft zu integrieren, sodass er sich mit dem Leben eines Verbrechers abgefunden hat. In Ken Friedmans Drehbuch noch betont wird die Frage, inwiefern diese Position des Außenseiters von Johnnys Aussehen abhängt, was der von Morgan Freeman gespielte Polizist bezweifelt, während Forest Whitakers Figur des Dr. Resher von dieser Verbindung überzeugt ist. Für den Zuschauer ist es spannend und in gewisser Weise auch tragisch zu sehen, ob es Johnny nun gelingt sich zu resozialisieren oder ob die eine Seite eventuell doch stärker ist.

Spuren des film noir
Bereits die literarische Vorlage zu Hills Film bedient sich den Mitteln des film noir, was in Johnny Handsome noch ästhetisch betont wird. Die Zeichnung der Charaktere, besonders der Antagonisten folgt der Logik einer Welt, in der nur das Recht des Starken gilt und die gnadenlos ist, wenn es darum geht Gesetzesübertritte zu ahnden. Hat man auf der einen Seite die schummrigen Bars und Absteigen, findet sich auf der anderen Seite die Helligkeit eines anderen Lebens, einer Chance, die sich für Johnny ergibt und mit einer Veränderung des Äußeren einhergeht.

Innerhalb seiner vorherigen Arbeiten wie Driver oder The Warriors inszeniert Hill eine Welt der starken Kontraste, was nicht zuletzt durch die dunkle Schönheit von New Orleans, wo der Film gedreht wurde, unterstrichen wird. Auch Johnny geht auf einem Weg, der scheinbar vorherbestimmt ist, zumindest bescheinigt ihm dies der Arm des Gesetzes, doch ihm wird zumindest die Möglichkeit eingeräumt, mit der Gewalt und der Dunkelheit Schluss zu machen.

Credits

OT: „Johnny Handsome“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Ken Friedman
Vorlage: John Godey
Musik: Ry Cooder
Kamera: Matthew F. Leonetti
Besetzung: Mickey Rourke, Ellen Barkin, Elizabeth McGovern, Morgan Freeman, Lance Henriksen, Forest Whitaker, Scott Wilson

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Johnny Handsome – Der schöne Johnny
„Johnny Handsome – Der schöne Johnny“ ist eine überzeugend gespielte und inszenierte Mischung aus Kriminalfilm und Melodram. Neben der Ästhetik ist es vor allem Mickey Rourke in der Rolle als Johnny, der abermals in seiner Darstellung als Außenseiter überzeugt und den Zuschauer fesselt mit seinem Kampf damit sein Leben zu verändern oder den Weg ins scheinbar sichere Verderben beizubehalten.
8von 10

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