Kritik

Bruno

„Bruno“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 2020 (Kino)

Der obdachlose Daniel (Diarmaid Murtagh) lebt mit seinem Hund Bruno in London. Kein Mensch scheint Daniel so gut zu verstehen wie sein vierbeiniger Freund, die beiden sind ein unzertrennliches Gespann. Auch deswegen meidet Daniel Beziehungen zu anderen Menschen und beschränkt seine sozialen Kontakte auf das Notwendigste. Als sein nächtlicher Unterschlupf geräumt wird und sein treuer Gefährte Bruno nach einem Überfall reißaus nimmt, ändert sich Daniels Leben schlagartig. Nun definitiv auf sich allein gestellt und wortwörtlich auf der Straße, macht er sich auf die Suche nach seinem Hund. Als er am nächsten Abend zum Ort seines Überfalls zurückkehrt, findet er dort den siebenjährigen Izzy (Woody Norman). Izzy ist alleine und spricht ähnlich wenig wie Daniel. Daniel ist deshalb zunächst ungewollt, sich des Schicksals des Jungen anzunehmen. Doch die ihm bekannten Einrichtungen verwehren ihm ihre Hilfe und so bleibt Daniel nichts anderes übrig, als Izzy mit auf die Suche nach Bruno zu nehmen.

Daniels und Izzys Wortkargheit stellt den Film, genau wie die beiden Hauptcharaktere, vor eine besondere Herausforderung. Obwohl beide wenig sprechen, ist Kommunikation für die Suche nach dem verlorenen Hund entscheidend. Dass zwischen den beiden Protagonisten mit wenig Worten eine starke Verbindung entsteht, liegt vor allem an einer starken Schauspielleistung der beiden Hauptdarsteller Diarmaid Murtagh und Woody Norman. Murtagh, der in Bruno nach mehreren Nebenrollen seine erste Hauptrolle spielt, und der erst elfjährige Kinderdarsteller Norman harmonieren, ohne viel zu sprechen. Auch die Musik und die Geräuschkulisse spielen bei der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten im Film eine wichtige Rolle. Während Izzy und Daniel inmitten des Lärms der hektischen Großstadt wie Fremdkörper wirken, erzeugt die temporäre Stille in Bruno einen beruhigenden Kontrast für die beiden Protagonisten.

Der Blick auf die Straße
Auf der Suche nach dem Vierbeiner erhält der Zuschauer einen Einblick in das London eines obdachlosen Mannes. Nach Angaben der englischen Obdachlosen-Lobbygruppe Shelter teilt Protagonist Daniel dieses Schicksal mit 170.000 anderen, die in der britischen Hauptstadt wohnen, aber keine feste Unterkunft haben. Obwohl Bruno ein Film Über Wohnungslosigkeit ist, verzichtet der Film darauf, tiefer auf die Ursachen von Daniels Lebensumstände einzugehen. Die Immobilienkrise, Mittelkürzungen im sozialen Bereich, Missbrauch, mentale Gesundheit oder Substanzmissbrauch spielen in Bruno wenn überhaupt nur eine Nebenrolle. Damit unterscheidet sich der Film vom klassischen britischen Sozialdrama. Der Fokus liegt explizit auf Daniel und der Suche nach seinem vierbeinigen Freund.

Zum einen hat dies den erfrischenden Vorteil, dass der Hauptcharakter Daniel nicht auf seine Obdachlosigkeit reduziert wird. Gleichzeitig fehlt dem Film dennoch die entscheidende Portion Gesellschaftskritik, um einen tiefgründigen Einblick in das Leben Daniels und der anderen Charaktere zu erlangen. So sind Daniels Angreifer, die für das Verschwinden von Bruno verantwortlich sind, leider nicht mehr als ein schlecht gezeichnetes Stereotyp aus dem Handbuch besorgter Bürger. Und auch über Daniel und Izzy erfahren wir zunächst wenig. Dabei überzeugen Drehbuch und Schauspielleistungen gerade in den Momenten am meisten, in denen Daniel und Izzy sich öffnen und von ihren Gefühlen und ihrer Vergangenheit berichten.

Bruno ist der fünfte Film des irischen Regisseurs Karl Golden. Seine Premiere feierte der Film beim Galway Film Festival im letzten Juli.

Credits

OT: „Bruno“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Karl Golden
Drehbuch: Karl Golden
Musik: Anne Nikitin
Kamera: Jalaludin Trautmann
Besetzung: Diarmaid Murtagh, Woody Norman, Seun Shote

Bilder

Trailer

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Bruno
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Bruno
„Bruno“ ist ein berührendes Drama, welches das Leben eines obdachlosen Mannes auf den Straßen Londons ungeschönt portraitiert. Dabei steht die Suche nach seinem besten Freund, dem Hund Bruno, im Vordergrund. Während die Musik und die Schauspieler beeindrucken, bedient sich das Drehbuch zu oft an Klischees und verpasst es, Obdachlosigkeit über die persönliche Ebene hinaus zu thematisieren.
6von 10

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