Kritik

Morgana

„Morgana“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nach wie vor wird der Einfluss von Geschlechterbildern auf unser Leben und wie wir es gestalten unterschätzt. Auch wenn Bewegungen wie #MeToo oder die Frauenbewegung der 1960er Jahre ihren Teil dazu beigetragen hat, dass diese Bilder von Frauen und Männern in unserem globalen Bewusstsein verankert worden sind, kann man doch mitnichten sagen, dass wir uns von ihnen emanzipiert hätten. Ganz im Gegenteil, denn man mag sogar behaupten, dass die Kapitalisierung des Internets und damit der sozialen Medien – um nur einen Aspekt zu nennen – zu einem Comeback des Konformismus geführt hat. Geschlechterbilder sind nicht nur Produkte sozialer und politischer Strukturen, sondern vor allem wirtschaftlicher Hierarchien, denen zur Aufrechterhaltung des Kommerzes daran gelegen ist, die patriarchale Ordnung aufrechtzuerhalten. Die emotionalen Folgen dieser Repression, die bis in die Privatsphäre geht und ganze Familien definiert, sind zahlreich.

Augenscheinlich behandelt die Geschichte von Morgana Muses, einer mittlerweile international gefeierten Regisseurin von und Darstellerin in Pornofilmen einen Ausbruch. In ihrer Dokumentation Morgana zeigen die australischen Filmemacherinnen Josie Hess und Isabel Peppard, wie Morgana sich nach dem Ende ihrer Ehe neu erfand, ausbrach aus der Lieblosigkeit ihres bisherigen Lebens und ihre Sehnsucht nach Berührung, wie sie es nennt, zunächst in der Beziehung zu einer männlichen Prostituierten und dann in der Pornoindustrie fand. Ihre Filme wie It’s My Birthday and I’ll Fly If I Want To oder Having My Cake feierten auf Festivals wie dem Berlin Porn Festival ihre Premiere und gewannen Preise. Mit dem Erfolg steigt aber auch der Druck nicht zu scheitern und Morgana erfährt, wie hart es wirklich ist, die Hülle eines vergangenen Lebens und damit der Erwartungen an dieses abzustreifen.

Facade living und die Sehnsucht nach einer Berührung
Es ist der Dramaturgie eines Filmes wie Morgana geschuldet, dass man als Zuschauer zu Morgana hält, wenn sie sich von der konformen Hausfrau in „Morgana Muses“ verwandelt, eine totale Verweigerung nicht nur konformistischer Ideale, sondern auch der einer konservativen, exklusiven und vor allem maskulin geprägten Gesellschaft. Die Berührung verwandelt Morgana in eine neue Frau, die in der Bestätigung ihres Talents als Filmemacherin und Akteurin, sich neu erfindet und jene andere Frau abstreift. In emotionalen Worten beschreibt Morgana das Scheitern des Traumes und der Erwartungen, welche die patriarchale Gesellschaft ihr auferlegte, was letztlich in einer tiefen Depression endete, dem Eingeständnis eines Versagens und einer totalen Negation des Selbst.

In ihrem Rückblick spricht Morgana immer wieder von „facade living“, einem Leben, das schließlich nur eine Fassade war, die nach außen hin eine Harmonie vorgab, doch nach innen von Niedertracht, Repression und sexueller Frustration geprägt war. Mit der Neu-Erfindung zu Morgana Muses geht einher die Hoffnung, nun den „richtigen Weg“ für einen selbst gefunden zu haben und nicht wieder zu scheitern, was noch schlimmer wäre als jenes erste Versagen, dass am Anfang von Morgana Muses stand.

In einem Zusammenschnitt Morganas bisheriger Karriere erzählen Peppard und Hess auch von einer Wieder-Entdeckung des Körpers und einer Liebe zu ihm. Die Werke einer Morgana Muses zelebrieren die Lust, den Körper und Berührung der Menschen, lösen sich von dem Stereotyp des Mainstream-Pornos, der letztlich auch eine Bestätigung konservativer Geschlechterbilder ist.

Credits

OT: „Morgana“
Land: Australien
Jahr: 2019
Regie: Josie Hess, Isabel Peppard
Kamera: Josie Hess, Isabel Peppard
Musik: Jordan Gilmour

Bilder

Trailer

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Morgana
„Morgana“ ist eine interessante Dokumentation über die Neu-Erfindung einer Frau. Die Geschichte der Morgana Muses ist eine über die Macht von Geschlechterbildern und des Konformismus sowie den Versuch eines Ausbruchs aus diesen Strukturen.
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