Kritik

Der Zoo

„Der Zoo“ // Deutschland-Start: 27. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Für den 12-jährigen Tom (Art Parkinson) gibt es nichts Größeres, als seine Zeit in dem Zoo zu verbringen, in dem sein Vater arbeitet. Ob Löwen oder Affen – er liebt sie alle. Vor allem aber der junge Elefant Buster hat es ihm angetan. Als Toms Vater 1941 in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen wird, sieht es der Junge deshalb als seine Aufgabe an, während der Abwesenheit selbst auf das Tier aufzupassen. Doch das ist leichter gesagt denn getan, schließlich ist Belfast immer wieder Angriffen der Deutschen ausgesetzt. Als aus diesem Grund zahlreiche Tiere getötet werden sollen, fasst Tom den Beschluss, zusammen mit Jane (Emily Flain) und Pete (Ian O’Reilly) diese zu retten – wovon die Erwachsenen aber nichts mitbekommen dürfen …

Gemeinsam gegen die Erwachsenen
Kinder sind einfach die besseren Menschen. Zumindest in Familienfilmen ist es so, dass ganz gerne mal Jungen und Mädchen zu Protagonisten werden, die es den Erwachsenen so richtig zeigen können. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein des Zielpublikums, das sich auch mal überlegen fühlen darf. Es ist oft auch mit einer gewissen Genugtuung verbunden, wie immer wenn Underdogs oder anderweitig unterschätzte Figuren am Ende triumphieren. Wenn das auch noch mit einer moralischen Überlegenheit einhergeht, die Kinder also nicht nur wegen ihres Alters gewinnen, sondern weil sie sich mutig für die gerechte Sache einsetzen – kann man dann noch ernsthaft etwas dagegen einwenden?

Trotzdem ist das bei Der Zoo schon mit einem gewissen Beigeschmack verbunden. Der Film selbst beruht auf einer wahren Geschichte, als 1941 eine Frau namens Denise Austin sich um einen Baby-Elefanten kümmerte während der Luftangriffe der Deutschen. Sie taucht auch tatsächlich in dem Film auf. Aus der Heldin wurde aber eine reine Nebenfigur. Mehr noch: Regisseur und Drehbuchautor Colin McIvor machte aus ihr eine exzentrische alte Frau, die allein mit Tieren zu Hause lebt – eine Variante des Katzenfrau-Klischees also. Ein bisschen irritierend ist das schon. Der Zielgruppe dürfte das aber egal sein, denn die bekommt dafür junge Helden, das eine oder andere Abenteuer und dazu eben diverse Tiere.

Ein überraschender Ernst
Wobei Der Zoo überraschend viel in das menschliche Umfeld investiert. Wo andere Familienfilme mit Tieren sich gern mal völlig auf die Samtpfoten, Fellnasen und sonstige Vertreter der Fauna verlassen, um die Geschichte zu füllen, da ist McIvor schon etwas ambitionierter. Zum einen gibt es um Tom herum eine größere Portion Tragik, wenn er sich nicht sicher sein kann, ob sein Vater lebend aus dem Krieg zurückkommt. Jane ist die Tochter eines Alkoholikers. Pete wiederum hat einen jüngeren Bruder mit einer nicht näher spezifizierten Krankheit, der aber nicht zum billigen Mitleid missbraucht wird, sondern tatsächlich etwas zum Film beizutragen hat. Das hätte schnell überladen sein können. McIvor gelingt es jedoch ganz gut, all diese Punkte zusammenzuführen und zu einem stimmigen Ganzen zu machen.

Natürlich hat Der Zoo dabei auch seine idealisierenden Tendenzen, einen kleinen Hang zum Märchenhaften. Doch das wird mit den ernsten Elementen wieder ausgeglichen. Gegen Ende hin darf der Film sogar eine Wendung annehmen, die so düster und unerwartet ist, dass man sich fragt: Ist das da eben gerade wirklich geschehen? An anderen Stellen gibt es dafür ein bisschen Humor, beispielsweise durch Toby Jones, der einen Zoowärter spielt, der immer wieder von Tom ausgetrickst wird. Die darstellerischen Leistungen, sowohl der Jungen wie der Erfahrenen geht auch absolut in Ordnung. Sympathisch ist zudem der Einsatz für Schwächere, ein wiederkehrenden Thema das Films. Das summiert sich zu einem schönen, warmherzigen Familienfilm, der an der einen oder anderen Stelle zwar etwas erklärungsbedürftig ist, aber insgesamt gut unterhält und ein bisschen was für den weiteren Weg mitgibt.

Credits

OT: „Zoo“
Land: Irland, UK
Jahr: 2017
Regie: Colin McIvor
Drehbuch: Colin McIvor
Musik: Mark Thomas
Kamera: Damien Elliott
Besetzung: Art Parkinson, Emily Flain, Ian O’Reilly, Penelope Wilton, Toby Jones, Amy Huberman

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Der Zoo
In „Der Zoo“ tun sich drei Kinder zusammen, um während des Zweiten Weltkriegs die Tiere eines Zoos zu beschützen. Der Film hält dabei die Balance aus Idealisierung und Realismus, ist mal märchenhaft und humorvoll, an anderer Stelle überraschend düster. Insgesamt stimmt die Mischung, zumindest für Familien ist das sehenswert.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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