Kritik

Aswang

„Aswang“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Als im Juni 2016 Rodrigo Duterte das Amt des Präsidenten der Philippinen antrat, tat er dies mit einem Versprechen an die Bevölkerung, die Drogenkriminalität in seinem Land zu bekämpfen. Nicht nur bei den Filipinos, auch bei den Repräsentanten anderer Länder wie China, Japan und den USA stieß die Politik des Präsidenten auf Zustimmung und legte den Grundstein für einen Krieg, der bis heute andauert und das Leben unzähliger Menschen gekostet hat. Der Verdacht, dass ein Mensch Drogen nimmt, reicht schon aus, damit es zu einem Schusswechsel kommt, was das Vorgehen des Präsidenten in harsche Kritik seitens Organisation wie Human Rights Watch einbrachte. Ein besonderer Aspekt dieser Kritik behandelt die Anschuldigung, es gäbe innerhalb der Polizei sogenannte Todesschwadrone, die aufgrund von banalen Verdachtsmomenten oder keinen, Menschen töten würde, damit sie ihre Quote erfüllen.

Wenig überraschend ist, dass die Straßen der Hauptstadt Manila, besonders die der armen Bezirke am Abend, zu einer sehr gefährlichen Zone geworden sind. In ihrer Dokumentation Aswang, die auf dem Filmfest Hamburg 2020 zu sehen ist, geht die unabhängige Filmemacherin Alyx Ayn Arumpac eben in genau diese Bezirke und zeigt das Leben der Bewohner dort und jener, die der Arbeit wegen, täglich in diese Gegenden kommen müssen. Sie spricht mit Familien, deren Kinder dem Drogenkrieg zum Opfer fielen, mit Polizisten und Sanitätern, die meist nur noch den Tod eines Menschen feststellen können, wenn man sie zur Hilfe ruft.

Die Angst ist unausweichlich
Zentral für die Dokumentation ist das Bild des Aswang, einer mythischen Kreatur, die nicht unähnlich einem Vampir jede Nacht seinen Opfern auflauert, sich an deren Angst erfreut und schließlich ihr Blut aussaugt. Zwar kann man die Präsenz einer solchen Kreatur spüren, doch wirklich sehen kann man sie nie, bis diese dann zuschlägt und es zu spät für einen ist. Genau jene Angst, Trauer und Wut sieht man in den Menschen, die Arumpac interviewt, denen sie begegnet und mit denen sie durch die Straßen, die Müllhalden und die Cafés zieht. Es ist die Angst, dass es jeden zu jederzeit treffen kann und auch ein Kind nicht davor geschützt ist, Opfer einer Kugel oder gleich mehrerer zu werden, wenn die Todeschwadrone zuschlagen und eine Schneise der Gewalt hinter sich lassen.

Arumpac zeigt eine Stadt der Nacht und eine Stadt der Angst. Ihre Bilder lassen keinen Zweifel an der schrecklichen Gewalt, mit der hier vorgegangen wird und welche Folgen diese für eben jene Menschen hat, die aufgrund ihrer Armut nie mit einem Entkommen aus dieser ewigen Nacht rechnen dürfen. Die vielen Blicke, die sich auf das Opfer richten, übersehen den großen Zusammenhang, in dem man diesen Taten verstehen muss, was nicht zuletzt erklärt, warum das Vorgehen des Präsidenten bis heute innerhalb der Bevölkerung auf große Zustimmung stößt. So scheint es wirklich eine dämonische Macht zu sein, die fast täglich nach neuem Blut verlangt und ihre Opfer misshandelt in den Straßen der Stadt hinterlässt. Aswang behandelt schlussendlich auch einen Kreislauf, der 2016 begann, der das Level der Gewalt in der Hauptstadt und vielen anderen Gebieten auf ein noch nie dagewesenes angehoben hat und der das Elend für jene, die schon vorher gar nichts oder nur wenig hatten, erhöht hat.

Credits

OT: „Aswang“
Land: Philippinen, Deutschland, Norwegen, Frankreich, Dänemark, Katar
Jahr: 2019
Regie: Alyx Ayn Arumpac
Drehbuch: Alyx Ayn Arumpac
Musik: Teresa Barrozo
Kamera: Tanya Haurylchyk, Alyx Ayn Arumpac

Bilder

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Aswang
„Aswang“ ist eine eindringliche Dokumentation über den immer noch andauernden Drogenkrieg auf den Philippinen. Alyx Ayn Arumpac taucht ein in eine Stadt der Nacht und der Angst, fängt jene Atmosphäre der Gewalt und der Furcht ein, welche die Menschen wie betäubt zurücklässt.
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