Kritik

The Outpost Überleben ist alles

„The Outpost – Überleben ist alles“ // Deutschland-Start: 17. September 2020 (Kino)

Der Auftrag, den Clint Romesha (Scott Eastwood), Justin Gallegos (Jacob Scipio), Michael Scusa (Scott Alda Coffey) und Josh Kirk (Jack Kesy) zu erfüllen haben ist eindeutig. Sie sollen den Außenposten Camp Keating im Norden Afghanistans verstärken, der dort 2006 errichtet wurde, um die Gegend zu befrieden. Doch davon ist nichts zu spüren, als die US-Soldaten dort eintreffen. Immer wieder kommt es zu kleineren Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung, auch wenn Captain Ben Keating (Orlando Bloom) um ein gutes Verhältnis bemüht ist. Doch die große Bedrohung lauert außerhalb des Tals, wo sich die Taliban aufhalten und nur darauf warten, den verhassten Feind anzugreifen. Je länger sie warten, umso angespannter ist dabei die Situation in den Camp, worunter gerade die Jungen wie Michael Carter (Caleb Landry Jones) leiden …

Schwierige Themen gibt es anno 2020 mehr als genug. Ob nun der Corona-Virus, der die gesamte Welt lahmlegt, die explosiven Rassismus-Proteste, allgegenwärtige antidemokratische Tendenzen oder auch die nahende Klimakatastrophe – man muss nicht erst lange suchen, um von Krisen über Krisen erschlagen zu werden. Braucht es in einem solchen Umfeld da tatsächlich noch einen Film über den fehlgeleiteten, bereits oft besprochenen Afghanistan-Krieg? Genauer über ein Ereignis, das bereits mehr als zehn Jahre zurückliegt? Doch auch wenn man sich inhaltlich darüber streiten kann, ob das gerade ein günstiger Zeitpunkt ist, um The Outpost – Überleben ist alles in den deutschen Kinos zu zeigen, eines muss man dem Film lassen: Er ist einer der wenigen Filme seit der Wiedereröffnung, der geradezu danach schreit, auf der großen Leinwand gesehen zu werden.

Langsamer Einstieg mit explosivem Finale
Dabei lässt sich Regisseur und Co-Autor Rod Lurie schon recht viel Zeit, bis er wirklich loslegt. Zwei Stunden dauert The Outpost – Überleben ist alles. Zwei Stunden, die sich grob in zwei Hälften teilen lassen. Bei der ersten Hälfte geht es um die Menschen vor Ort, vor allem die Soldaten. Der Film zeigt ihren Alltag, zeigt den Umgang miteinander, aber auch was es heißt, ein Leben zu führen, das praktisch jede Sekunde vorbei sein kann. Eine gewisse Grundspannung gibt es also schon hier, zumal Lurie immer wieder kleine Erinnerungen an die Gefahr einbaut. Manchmal geschieht das mit Ankündigung, andere Szenen kommen stärker aus dem Nichts.

Ein wirkliches Gefühl für die Figuren entwickelt man dabei kaum, dafür sind es zu viele. Gerade der Einstieg, wenn andauernd neue hinzukommen, deren Identität nur mit dem kurz eingeblendeten Namen ausgewiesen wird, ist schon recht überlaufen. Später kehrt zwar mehr Ruhe ein, was es The Outpost – Überleben ist alles erlaubt, ein bisschen die Anonymität zu durchbrechen. Tatsächlich in Erinnerung bleiben aber eher wenige. Scott Eastwood (Fast & Furious 8), der als eine Art Vorzeigeheld in den Vordergrund geschoben wird, ist zeitlich gesehen sehr präsent. Interessant ist seine Rolle aber nicht. Stärkeren Eindruck hinterlässt da schon Caleb Landry Jones (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri), dessen Figur gegen den Männlichkeitswahn und gegen die eigene Angst ankämpft.

Zwischen Heldentum und Horror
The Outpost – Überleben ist alles ist dabei ein wenig unschlüssig, ob es die Männer als Helden porträtieren soll oder nicht. So gibt es wiederkehrend Beispiele für deren Überheblichkeit, die in einer langen Tradition der fremden Mächte steht, die sich Afghanistan zu eigen machen wollte. Der Umgang untereinander ist ebenso fragwürdig. Aber es bleibt doch alles etwas in der Schwebe, um das Publikum nicht zu sehr von den Menschen in Uniform zu entfremden. Schließlich braucht man dieses noch für die zweite Hälfte, in der es dann wirklich zur Sache geht, die zuvor immer wieder beschworene Gefahr auf einmal alles bestimmt und das Camp zum Schauplatz eines erbitterten Kampfes wird.

Dieser Teil ist sicher auch der, welcher dem Publikum stärker in Erinnerung bleiben wird. Lurie packt nun alles aus, was das filmische Arsenal so hergibt, beschwört Explosionen herauf, lässt Feuer und Kugeln vom Himmel regnen, vor denen es nirgends wirklich Schutz zu geben scheint. Die Männer stemmen sich natürlich mit aller Macht dagegen. Lurie gelingt es aber, in diesen Sequenzen die Hilflosigkeit zu verdeutlichen und den surrealen Horror des Krieges vor Augen zu führen. Begleitet von einem ohrenbetäubenden Donner taumeln die Figuren durch die Gegend, das Publikum gleich mit, auf der Suche nach einem Ausweg aus der Hölle. Das haben andere Filme zuvor natürlich auch getan, The Outpost – Überleben ist alles geht weder inhaltlich noch inszenatorisch neue Wege. Dennoch ist das Finale eine der intensivsten Kinoerfahrungen der letzten Zeit, lässt einen zumindest für eine Weile vergessen, dass es da draußen noch eine Welt gibt.

Credits

OT: „The Outpost“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Rod Lurie
Drehbuch: Eric Johnson, Paul Tamasy
Vorlage: Jake Tapper
Musik: Larry Groupé
Kamera: Lorenzo Senatore
Besetzung: Scott Eastwood, Caleb Landry Jones, Orlando Bloom, Jack Kesy, Cory Hardrict, Milo Gibson, Scott Alda Coffey, Jacob Scipio

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The Outpost – Überleben ist alles
„The Outpost – Überleben ist alles“ nimmt uns mit zu einem Außenposten in Afghanistan, in dem US-Soldaten täglich ums Überleben kämpfen. Der Film lässt sich dabei viel Zeit, zeigt ausführlich den Alltag der Menschen, ohne sich diesen zu sehr zu nähern. Dafür ist das Finale umso explosiver, führt eindrucksvoll den Horror des Krieges noch einmal vor Augen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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