Kritik

„Das darf man nur als Erwachsener“ // Deutschland-Start: 28. August 2020 (Mediabook)

Es ist Samanthas (Molly Ringwald) sechzehnter Geburtstag, doch so richtig freuen kann sie sich auf diesen langersehnten Tag nicht. Nicht nur, dass ihre Eltern aufgrund des Trubels der anstehenden Hochzeit von Samanthas älterer Schwester ihren Ehrentag völlig vergessen, ihr großer Schwarm an der High School Jake Ryan (Michael Schoeffling) scheint sie völlig zu ignorieren. Ihre beste Freundin Randy (Liane Curtis) versucht sie zwar zu trösten, doch es wird für Sam alles noch viel schlimmer, als sie wieder zu Hause ist und ihr Zimmer nun von ihren Großeltern, die für die Hochzeit angereist sind, in Beschlag genommen wurde und sie nun auf der Couch im Wohnzimmer schlafen muss. Darüber hinaus darf sie noch Long Duk Dong (Gedde Watanabe), den bei ihren Großeltern lebenden chinesischen Austauschschüler, mit zu einer Party an der Schule nehmen, was in ihren Augen, die Chance cool in Jakes Augen zu sein noch mehr zunichtemacht. Einzig der Neuntklässler Farmer Ted (Anthony Michael Hall) will mit ihr auf der Party tanzen, doch sie wimmelt ihn ab. Jedoch ist es gar nicht so, dass Jake Sam ignoriert, ganz im Gegenteil, denn nachdem er eine geheime Nachricht von ihr gefunden hat, in welcher sie ihre Liebe zu ihm gesteht, geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Sams Verschlossenheit und Ausweichmanöver versteht er als Ablehnung und schließlich versucht er ausgerechnet über Ted herauszufinden, was mit Sam los sei und was er tun müsse, damit sie ihn wahrnimmt.

The Big 16
Nachdem er sich lange Jahre als erfolgreicher Drehbuchschreiber von Filmen wie Die schrillen Vier auf Achse und Mr. Mom über Wasser gehalten hatte, beschloss John Hughes Anfang der 1980er, dass es nun an der Zeit war, Regie zu führen und beschäftigte sich in seinen ersten Filmen Das darf man nur als Erwachsener, Breakfast Club – Der Frühstücksclub und Pretty in Pink vor allem mit der Welt der Teenager. Die Art und Weise, wie er das Leben Heranwachsender zeigte, war einzigartig für die Zeit, nahm er deren Welt und vor allem deren Belange ernst, anstatt diese zu belächeln, wie es so oft in High-School-Filmen an der Tagesordnung war. Bereits in seinem ersten Werk als Regisseur Das darf man nur als Erwachsener, alternativ als Sixteen Candles bekannt, behandelt Hughes neben Themen wie erste Liebe und Erwachsenwerden nicht zuletzt die Ablehnung der spießigen, konservativen Elite, auch wenn nicht alles an dem Film gut gealtert ist.

Die Geschichte verfolgt, mit wenigen Ausnahmen. zwei Tage im Leben von Samantha, gespielt von Molly Ringwald, die noch bei vielen weiteren Projekten mit Hughes zusammenarbeiten sollte. Ihr sechzehnter Geburtstag, der „Big 16“, den sie so lange herbeigesehnt hat, ist nun da, doch beginnt mit einer ersten ernüchternden Begutachtung im Spiegel, nach der sie feststellen muss, dass sie rein körperlich betrachtet immer noch 15 ist, was sie mit einem frustrierten „Hoffnungslos“ quittiert. Auch wenn diese im Kontext der Handlung schon noch wichtig sind, haben die Helden und Heldinnen, die Hughes in seinen Filmen beschreibt, keinerlei Illusion darüber, dass die äußeren Werte die sind, die zählen und nach denen ein Mensch bewertet wird. Für Sam ist das körperliche und damit auch sexuelle Wachstum wichtig und elementar, wie auch für ihr Umfeld, eine Sichtweise, wie sie in die Zeit sowie die konservativen, statusorientierten Werte der Erwachsenenwelt hineinpassen.

Das Leben der einfachen Leute
Es ist das Leben der „einfachen Leute“, welches Hughes in seinen Geschichten beschreibt, ein Leben in der Vorstadt, der weißen Gartenzäune und der klassischen Geschlechterbilder. Die Mittelschicht ist noch sehr intakt in Filmen wie Das darf man nur als Erwachsener, mehr noch, sie hat Ambitionen aufzusteigen, was sie die Werte des Kapitalismus und der omnipräsenten Oberflächlichkeit willkommen heißen lässt. Doch braucht Hughes diese Erwachsenenwelt und ihre Konzepte nicht zu beschreiben, ist die High School mit ihren Cliquen und Gruppen das nahezu perfekte Abbild dieser. Dennoch ist es verständlich, dass man dazugehören will wie Sam oder auch Ted ohne als Außenseiter, Nerd oder Loser abgestempelt zu werden und somit den Zugang zu dieser Welt nie mehr zu erhalten. Anhand seiner jugendlichen Protagonisten verhandelt Hughes nicht nur einen Übergang in einer Welt, sondern eine Entscheidung zwischen Anpassung und Individualismus.

Gerade in diesen Themen findet sich die Aktualität eines Films wie Das darf man nur als Erwachsener, weniger allerdings in dessen Ansichten was Sex betreffen und die Darstellung von Minderheiten. Gerade der von Gedde Watanabe mit großen körperlichen Einsatz gespielte Long dürfte den ein oder anderen an jene unglückliche Darstellung von Asiaten in Werken wie Frühstück bei Tiffany erinnern. Im bald erscheinenden Mediabook von Capelight gibt es im Übrigen ein Extra-Feature, welches eben jene heutzutage eher missverständlichen und fehlgeleiteten Aspekte der Geschichte thematisiert.

Credits

OT: „Sixteen Candles“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: John Hughes
Drehbuch: John Hughes
Musik: Ira Newborn
Kamera: Bobby Byrne
Besetzung: Molly Ringwald, Anthony Michael Hall, Michael Schoeffling, Paul Dooley, Carlin Glynn, Gedde Watanabe, John Cusack, Liane Curtis

Bilder

Trailer

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Das darf man nur als Erwachsener
3.9 (78%) 10 Artikel bewerten

Das darf man nur als Erwachsener
„Das darf man nur als Erwachsener“ ist trotz einiger heutzutage eher unglücklicher Aspekte ein sehr vergnüglicher Teenie-Film John Hughes‘. Zusammen mit einer ganzen Reihe engagierter Darsteller beschreibt er den Übergang ins Erwachsenenleben und die Entscheidung zwischen Anpassung und Individualismus und zeigt gerade bei der Darstellung jugendlicher Themen sehr viel Sensibilität, was den Mangel dieser bei anderen Belangen umso ärgerlicher macht.
7von 10

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