Kritik

Wolf Er wird dich holen

„Wolf – Er wird dich holen“ // Deutschland-Start: 16. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Rom steht vor einem Rätsel: Was ist nur mit den vier Boten geschehen, welche in das entfernte Kaledonien geschickt wurden? Sind sie der Pest erlegen, die dort wüten soll? Haben Einheimische sie erführt? Um eine Antwort auf diese Fragen zu erhalten, sollen zehn der besten Soldaten ihre Spur aufnehmen und herausfinden, was wirklich vorgefallen ist. Als die Elitetruppe durch die winterliche Landschaft wandert, kommt sie unterwegs in einen finsteren Wald, den auch die Boten passiert haben könnten. Erst bekommen sie es dort mit Kriegern der Pikten zu tun, die sie erfolgreich abwehren. Bald wird ihnen bewusst, dass dort aber noch etwas anderes haust als wilde Tiere. Etwas, das es auf ihr Leben abgesehen hat …

Sie sind mittlerweile selten geworden, die Auftritte der einst in Filmen und Literatur so weit verbreiteten Werwölfe. Menschen, die aufgrund eines Fluchs nachts zu blutrünstigen Bestien werden und über andere herfallen. Während Vampire zumindest zeitweise eine echte Renaissance feierten und Zombies sowieso ein unkaputtbarer Bestandteil des Horrorgenres sind, schaffen es die stark behaarten Kollegen nur sehr vereinzelt noch zu neuen Ehren. Der Versuch an sich bringt dann automatisch ein paar Sympathiepunkte mit sich, sei es bei dem Drama When Animals Dream, dem klassischen Horror Howl oder der bizarren LGBT-Liebesgeschichte Gute Manieren, die alle auf ihre Weise der bekannten Kreatur neues Leben einhauchten.

Ein mittelloser Horror
Solche Sympathiepunkte kann man jedoch auch sehr schnell wieder verlieren, wie das Beispiel Wolf – Er wird dich holen zeigt. Nach 85 Minuten ist davon nur noch wenig übrig. Wobei es nicht die gesamte Laufzeit braucht, man ahnt schon früh, dass das hier übel endet – und das nicht im Sinne des Erfinders Stuart Brennan. Der Brite führte hier nicht nur Regie und schrieb zusammen mit George McCluskey das Drehbuch. Die zwei übernahmen zudem Hauptrollen in dem Film. Ob das nun auf ein gesteigertes Sendungsbewusstsein zurückzuführen ist oder ihnen schlichtweg das Geld fehlte, um andere bezahlen zu können, das sei mal dahingestellt. Und natürlich ist ein Film nicht automatisch schlecht, wenn er ein bisschen nach dem Do-it-yourself-Prinzip gedreht wird.

Allerdings wird Wolf – Er wird dich holen diese Reduktion doch sehr zum Verhängnis. Das Szenario, wenn Soldaten gegen Werwölfe antreten, das verspricht einiges an Action. Die gibt es hier aber kaum. Schon die Auseinandersetzung mit den Pikten fällt sehr kurz aus. Sobald dann die Fabelwesen zum Angriff übergehen, dürften so manche daheim mit zugekniffenen Augen vor dem Bildschirm sitzen: Ja, wo sind sie denn? Immer wieder sagen die Kämpfer, dass die Wesen da sind, sie sich aber so schnell bewegen, dass man sie nicht sehen kann. Für Brennan bedeutet das dann wohl, dass man erst gar nichts zeigen muss und es reicht, die umzingelte Mini-Truppe irgendwo abzustellen und entsetzt um sich schauen zu lassen.

Wenn Nichts zur Langeweile wird
Nicht dass eine unsichtbare Bedrohung nicht Spaß machen könnte. Große Klassiker wie Bis das Blut gefriert beziehen sogar ihre Spannung maßgeblich daraus, dass man nie wirklich etwas sieht, man deshalb nicht weiß, was genau da sein Unwesen treibt – und ob da überhaupt etwas ist. Im Fall von Wolf – Er wird dich holen wird dieser Minimalismus aber schnell zu einer Geduldprobe, wenn es Brennan so gar nicht gelingt, eben dieses Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Stattdessen lässt er seine Figuren die ganze Zeit reden, wohl in dem Versuch, aus ihnen mehr zu machen als Werwolffutter. Das ist prinzipiell löblich, ohne die passenden Dialoge jedoch wenig zielführend, wenn man sich hier über alles Mögliche unterhält, ohne jemals etwas Relevantes zu finden.

Immerhin: Bei den Kostümen gab man sich mehr Mühe. Auch die Aufnahmen aus dem Wald bzw. der winterlichen Landschaft können sich sehen lassen. Bei der Elite-Truppen Frauen unterzubringen, darunter auch eine schwarze, ist ebenfalls mehr, als man von einem solchen Streifen erwarten konnte. Aber es ist am Ende nicht genug, um die tierische Langeweile aufzuhalten, die sich hier deutlich pointierter ausbreitet, als es die Titelfigur tut. Und nicht genug, um das Entsetzen wiedergutzumachen, als Wolf – Er wird dich holen doch mal expliziter wird und gegen Ende alles verspielt, was noch an Wohlwollen da war. Manche Werwölfe sollten dann wohl doch besser in ihrem Versteck bleiben, wo sie keiner sieht.

Credits

OT: „Wolf“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Stuart Brennan
Drehbuch: Stuart Brennan, George McCluskey
Musik: Alan Deacon
Kamera: Simon Stolland
Besetzung: Stuart Brennan, Mark Paul Wake, Victoria Morrison, Ross Anderson, George McCluskey

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Wolf – Er wird dich holen
Römische Soldaten müssen gegen Werwölfe kämpfen? Das hört sich kurios an, ist am Ende aber ziemlich langweilig. Wohl auch budgetbedingt gibt es in „Wolf – Er wird dich holen“ kaum Kämpfe, das bloße Reden über eine Bedrohung ist nicht genug, um eine entsprechende Atmosphäre zu kreieren. Stattdessen wird viel geredet, was dem Film aber ebenso wenig hilft wie die seltenen Szenen, in denen es doch expliziter wird.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Dirk

    Boa war der schlecht! Die tollen Aufnahmen im Winterwald wären schöner gewesen wenn der selbe Wald nicht Sekunden vorher noch grün gewesen wäre. Und in welchem Universum bekamen Frauen eine Stelle in einer Elitetruppe der Römer? Wäre wahrscheinlich besser gewesen, ist aber nunmal geschichtlich voll für den Eimer. Alles in allem sind aber die Damen das einzig positive (schauspielerisch) an einem Film der offensichtlich mit dem Jahresgehalt eines Maurergehilfen finanziert wurde.

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