Kritik

King of New York

„King of New York – König zwischen Tag und Nacht“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2013 (DVD/Blu-ray)

Nachdem er eine lange Gefängnisstrafe verbüßt hat, kehrt Frank White (Christopher Walken) zurück nach New York City und damit zurück zu seinem Imperium, das er sich über Jahre hinweg aufgebaut hat. Noch während seine Männer, darunter sein engster Vertrauter Jimmy (Laurence Fishburne), die Rückkehr ihres Bosses feiern, schmiedet Frank Pläne für die Zukunft, denn sein Revier ist von Verbrechern und Teilen der Mafia übernommen worden, die er schnellstmöglich vertreiben will. Doch Frank ist dies noch lange nicht genug, denn bei einem Treffen mit Offiziellen der Stadt erklärt er seine Verärgerung über die Schließung eines Krankenhauses in einem besonders armen Teil der Stadt und verkündet, er würde die nötigen Gelder zum Erhalt der Einrichtung aufbringen. Jedoch glaubt niemand in der New Yorker Polizei an die Reformierung des Frank White, die dieser zu jeder sich bietenden Gelegenheit beteuert. Besonders Detective Bishop (Victor Argo), der schon seit langem gegen White ermittelt, ist frustriert, weil das Imperium Whites diesen mit keinem der verschiedenen Verbrechen direkt in Verbindung bringt. Seine Männer, darunter die Polizisten Dennis Gilley (David Caruso) und Thomas Flanagan (Wesley Snipes), beschließen aus demselben Frust heraus, Frank mit seinen eigenen Mitteln zu schlangen und Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Damit lösen sie einen Strudel der Gewalt aus, den am Ende noch nicht einmal Frank mehr kontrollieren kann.

Von Wohltätern und Geschäftsleuten
Als jemand, der lange Zeit in New York City lebte und dessen filmisches Schaffen auch ein Porträt dieser Stadt wie auch ihrer verschiedenen Einflüsse ist, zeigt Regisseur Abel Ferrara dementsprechend immer wieder die dunklen Seiten seiner Heimatstadt, so auch in King of New York. Gerade in den 80er erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, was Männer wie den Mafiosi John Gotti sowie viele andere auf den Plan rief, die durch ein weit verzweigtes Netzwerk die Unterwelt New Yorks kontrollierten, was als Inspiration für die von Christopher Walken gespielte Figur des Frank White herhielt. Doch ist King of New York weit mehr als ein Gangsterfilm, sondern ein düsteres Porträt von Männern, die ihre Verbrechen als Akte des Gemeinwohls und des Gutmenschentums ansehen, einer Einstellung, wie sie bei vielen Geschäftsleuten zu finden ist.

Die Figur des Verbrechers, mit gewissen Parallelen zu dem von Al Pacino gespielten Michael Corleone in den Der Pate-Filmen, ist eine Mischung aus Unternehmen und Politiker. Während die Corleone in Francis Ford Coppolas Filmen noch Familienmenschen sind, ist hiervon bei Frank White keine Spur zu sehen. Selbst engste Vertraute geben zu, ihn nicht im Gefängnis besucht zu haben und liefern hierfür eine schwache Ausrede, während andere sich aasgeiergleich auf das scheinbar brach liegende Imperiums Whites stürzen und es unter ihre Kontrolle bringen. Die Mechanismen der Wirtschaft bestimmen das Geschäft in der Stadt, also auch die Unterwelt, in welcher Frank White die Überheblichkeit besitzt, sich als Politiker, als „Robin Hood“ zu sehen. Die Tatsache, dass die Gelder für das Krankenhaus auf dem Elend anderer entstammen, quittiert Frank mit einem süffisanten Lächeln. Der Zweck heiligt die Mittel.

Der einsame Blick auf die Stadt
In der Hauptrolle brilliert Christopher Walken als ein Mann, gefangen im Bild von sich selbst. Walken, der in seiner Karriere schon einige solcher Rollen, oft nur Nebenfiguren, spielte, stellt Frank als einen ambivalenten Gangster dar, dessen Emotionen von absoluter Kälte und Verachtung hin zu einer großen Herzlichkeit gehen. Tanzt er in einer Szene noch ausgelassen mit einer Frau, entlädt er das Magazin einer Waffe auf einen Kontrahenten in der nächsten, begleitet von einem Ausdruck des Ekels in seinem Gesicht. Interessanterweise wirkt Frank, trotz der vielen Menschen um ihn herum, immer einsam, gerade weil er sich emotional so distanziert hat von seiner Umwelt und diese von ihm.

Einzig und alleine die Stadt, eingefangen in an den film noir erinnernden Einstellungen, ist die Geliebte dieses Frank White, die er wiederholt von der Terrasse seiner luxuriösen Suite im Plaza Hotel ansieht. Begleitet von den dunkel-melancholischen Klängen der Musik Joe Delias, einem langjährigen Mitstreiter Ferraras, erschließt sich das Reich Whites als ein Labyrinth des Verbrechens und der Sünde, ein Biest, welches am Ende jeden, egal auf welcher Seite man steht, verschlingen wird.

Credits

OT: „King of New York“
Land: USA, Italien
Jahr: 1990
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
Musik: Joe Delia
Kamera: Bojan Bazelli
Besetzung: Christopher Walken, Laurence Fishburne, David Caruso, Janet Julian, Wesley Snipes, Giancarlo Esposito, Steve Buscemi, Victor Argo

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Film Independent Spirit Awards 1991 Beste Kamera Bojan Bazelli Nominierung

Filmfeste

International Film Festival Rotterdam 1993
Locarno Film Festival 2011

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King of New York – König zwischen Tag und Nacht
„King of New York – König zwischen Tag und Nacht“ von Abel Ferrara erzählt ist ein visuell überzeugender, packender Gangsterfilm. Die Musik Joe Delias, die Aufnahmen sowie die Darstellung Christopher Walken innerhalb dieses ohnehin schon großen Ensembles machen „King of New York“ zu einem beachtlichen Werk innerhalb Ferraras Schaffen als Regisseur, den sich jeder Fan von „Goodfellas“ und „Der Pate“ mindestens einmal ansehen sollte.
8von 10

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