Kritik

Ju on The Grudge 2

„Ju-on: The Grudge 2“ // Deutschland-Start: 31. März 2005 (DVD)

Unter Horrorfans ist Kyoko Harase (Noriko Sakai) als „Scream Queen“ bekannt, weil sie in vielen Genreproduktionen in ihrem Heimatland Japan mitspielte. Bevor Kyoko in die Babypause geht, versuch sie daher noch schnell so viele Projekte wie möglich abzudrehen, unter anderem eine TV-Produktion über ein angebliches Spukhaus in einem Vorort Tokios. Nach Ende der Dreharbeiten sind sie und ihr Verlobter auf dem Weg nach Hause, als sie, aufgeschreckt durch ein Kind auf der Fahrbahn, in einen Unfall verwickelt werden, in dessen Folge beide schwer verletzt werden und Kyoko ihr Kind verliert. Während sie versucht, irgendwie die Tragödie zu verarbeiten, sucht sie ein weiteres Unglück heim, denn ihre Mutter verstirbt, kurz nachdem Kyoko aus dem Krankenhaus entlassen wird. Als sie bei einer Folgeuntersuchung hört, dass sie erneut schwanger ist, kann sie ihr Glück kaum fassen, doch wird zugleich geplagt von einer dunklen Vorahnung über die Herkunft des Kindes. Besonders die schrecklichen Visionen von einem weißgesichtigen Kind und einem Geist bestätigen sie in ihrer Annahme, doch als sie von einer Kollegin hört, wie es den anderen Mitgliedern ihrer letzten Dreharbeiten in dem Spukhaus ergangen ist, meint Kyoko, Opfer eines Fluches geworden zu sein, der sie nicht nur heimsucht, sondern über ihren Körper in die Wirklichkeit gelangen will.

Grenzüberschreitungen
Nach dem großen kommerziellen Erfolg des ersten Films war es 2003, als der J-Horror-Trend seinen Höhepunkt erreicht hatte, nur eine Frage der Zeit, bis das unvermeidliche Sequel seinen Weg auf die Kinoleinwand fand. Anders als der Nachfolger zu Hideo Nakatas Ring – Das Original, ging Regisseur Takashi Shimizu eine etwas anderen, einen riskanten Weg und drehte mit Ju-on: The Grudge 2 eine Art Meta-Film, in dem Kayako und Toshio, die Geister aus dem ersten Teil, endgültig Zugang zu der wirklichen Welt haben wollen. Das Ergebnis ist ein Film, der viele ganz interessante Ansätze hat, aber mit zunehmender Dauer unlogisch und sogar albern wird.

Der wohl interessanteste Gedanke ist die Idee, den Geist zunehmend außerhalb von Gegebenheiten wie Ort und Zeit zu definieren. Zu diesem Zweck nimmt die Kamera immer wieder die Perspektive des Geistes an, verfolgt wie dieser über die Dächer Tokios hin zu seinem nächsten Opfer kommt. Sowohl ästhetisch als auch vom Sounddesign her erinnern diese Sequenzen an die wilden Kamerafahrten aus Sam Raimis erstem Tanz der Teufel, wenn sich der Dämon einem rasenden Sturm gleich auf die Hütte zubewegt und seine Opfer durch dessen Flure und Zimmer jagt.

In diesem Zusammenhang setzt Shimizu das Thema des Zerfalls des Gefühls von Sicherheit fort. Mehr noch als im ersten Teil unterminieren die beiden Geister Konzepte wie Sicherheit und Stabilität, haften sich wie ein Virus an ihren Wirt und suchen diesen sogar in den eigenen vier Wänden heim. Auch wenn dieser Gedanken nicht unbedingt neu ist und auch schon in anderen Werken des J-Horrors wie Ring – Das Original oder dem großartigen Dark Water vorkam, so ist zumindest die technische Umsetzung gelungen.

Blutige Schlagzeilen
Ein weiteres Urthema des Horrorgenres und gerade des J-Horrors ist das Konzept der Isolation. Während im ersten Teil die erzählerische Form, das Unterteilen des Narrativs in verschiedene Segmente in mehrfacher Weise die Isolation der Figuren hervorhob, welche durch den Fluch noch verstärkt wurde, konzentriert sich Shimizu in der Fortsetzung vor allem auf die Medien. Interessant ist gerade zu Beginn der TV-Beitrag, bei dem Kyoko mitspielt und in dem mit eben jenen Mitteln gespielt wird, mittel derer Medienvertreter Schlagzeilen produzieren, das Elend, die Not und die Angst in der Vordergrund rücken. Die Geschichte um Kayako und ihren Sohn ist natürlich das gefundene Fressen für eben jene Medien, die um Quoten buhlend sich auf die blutigen Details ihres Todes stürzen.

Schade, dass außerhalb dieser erwähnten Ideen Takashi Shimizus Fortsetzung nicht mehr viel zu bieten hat. Nicht nur das Fehlen von echten Schockmomenten macht sich bemerkbar, sondern auch der reißbrettartige Ansatz bei der Zeichnung der Charaktere, von denen keiner zu überzeugen weiß.

Credits

OT: „Juon 2“
Land: Japan
Jahr: 2003
Regie: Takashi Shimizu
Drehbuch: Takashi Shimizu
Musik: Shiro Sato
Kamera: Tokusho Kikumura
Besetzung: Noriko Sakai, Chiharu Niiyama, Kei Horie, Yiu Ichikawa, Emi Yamamoto

Trailer

Filmfeste

Sitges 2003
Fantasy Filmfest 2003

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Ju-on: The Grudge 2
3.96 (79.13%) 23 Artikel bewerten

Ju-on: The Grudge 2
„Ju-on: The Grudge 2“ ist ein Horrorfilm, der außer einigen interessanten Ansätzen wenig zu bieten hat. Während Sadako aus "Ring" noch ein paar Teile brauchte, bis auch ihrer Geschichte die Puste ausging, scheint die Geschichte um Kayako und Toshio schon im zweiten Teil in einer Sackgasse angekommen zu sein. Die Fortsetzung ihrer Geschichte überzeugt höchstens noch punktuell, ist aber weitestgehend verwirrend, unlogisch und immer am Randes des Unsinns angelegt.
4von 10

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