Kritik

Beutegier

„Beutegier“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2010 (DVD)

In einem Küstenstädtchen in Neuengland kommt es zu einer Reihe brutaler Morde, welche die Ermittler vor ein Rätsel stellen. Einzig der zu der Ermittlung hinzugezogene Ex-Sheriff George Chandler (Art Hindle) hat eine Idee, denn eine ähnliche Mordserie gab es schon einmal vor ein paar Jahren, ohne dass er und seine Mannschaft einen Täter finden konnten. Während er und die anderen Polizisten die Umgebung nach Spuren absuchen, haben die Täter, ein Clan von in den Wäldern lebenden Kannibalen, geführt von einer Frau (Polyanna McIntosh), schon ihre nächsten Opfer auserkoren: die Familie von Amy (Amy Hargreaves), die gerade ihrer besten Freundin Claire (Ahna Tessler) und ihrem Sohn Unterschlupf gewährleistet, weil diese auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann ist. In der Nacht überfällt der Clan dann die Familie, tötet Amys Mann und nehmen sie als Geisel. Doch Claire und ihrem Sohn gelingt die Flucht in den Wald, wo sich ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihnen und dem brutalen Clan ergibt. Auch Chandler und seine Männer haben die Spur der Kannibalen aufgenommen.

Zivilisation und Natur
Der Roman Beutegier (OT: Offspring) ist die Fortsetzung zu Beutezeit, in welchem US-Schriftsteller Jack Ketchum seine Leser bereits mit der Bande von Menschenfressern bekannt machte. Für seinen zweiten Spielfilm entschied sich der bis dato eher unbekannte Regisseur Andrew van den Houten für eben diese Fortsetzung als Basis für das von ihm mitgeschriebene Drehbuch. Entstanden ist dabei ein Film, der auf der einen Seite sich nahtlos in die Vielzahl US-amerikanischer Independentproduktionen aus dem Horrorgenre einreiht, aber in seiner Darstellung des Clans eigene Wege geht.

Auf den ersten Blick erinnert vieles an Beutegier dem bekannten Muster des home invasion-Thrillers, der in diesem Falle durch seine sehr expliziten Gewaltszenen den Vergleich mit Produktionen wie Pascal Laugiers Martyrs oder Alexandre Ajas High Tension sucht. Bereits Kevin Kovelant, seines Zeichens enger Mitarbeiter Jack Ketchums, schreibt in seinem Essay „So You Think You Know Jack?“ über das zweifelhafte Glück, dass van den Houtens Film in einer Zeit herauskam, als der neue europäische Horrorfilm mit eben jenen Werken international für Furore sorgte. Der Schrecken und damit die Gewalt sind in der Welt dieser Geschichten keinesfalls in den Außenbereich der Gesellschaft verbannte Aspekte, sondern in dieser fest verankert, sind stets an der Oberfläche, jederzeit bereit hervorzukommen. Während bei einem home invasion-Film die Bedrohung damit fast gänzlich von außen kommt, liegt deren Ursprung bei Beutegier wie auch in dessen Fortsetzung The Woman in der Kernfamilie.

Gerade dieser Aspekt schafft eine Verbindung der „zivilisierten“ Menschen zu den Kannibalen. Das Gefühl von Geborgenheit, das Bedürfnis für die Familie zu sorgen und der Schutz des Nachwuchses bilden Parallelen, weshalb es in Beutegier wie auch in den Folgefilmen immer die Mutterfiguren sind, die nicht nur besonders stark herausgearbeitet sind, sondern auch die spannendsten (und blutigsten) Machtkämpfe austragen. Vor diesem Hintergrund geht besonders von Polyanna McIntoshs Charakter eine gewisse Faszination aus, gerade wegen ihrer Triebhaftigkeit und des Mysteriums über ihrer Herkunft.

Die Hierarchie der Kannibalen
Neben dem Charakter der Frau ist es generell die Hierarchie der Kannibalenfamilie, die innerhalb der Geschichte am meisten überzeugt. Entgegen den „zivilisierten“ Familien, in denen noch immer das Patriarchat samt seinen gewalttätigen Auswüchsen regiert, steht in der Natur eine Frau an der Spitze der Familie, was gerade jene Vaterfiguren in den Filmen immer wieder als eine fundamentale Bedrohung betrachten. Fast noch mehr als den Kannibalismus.

Außerhalb dieser thematischen Aspekte liefert van den Houtens Film sehr viele praktische und blutige Effekte, die sich auch nach über zehn Jahren noch sehen lassen können, wohingegen das CGI an einer Stelle auf den heutigen Zuschauer eher unbeholfen wirkt. Diese Unbeholfenheit lässt sich leider auch in den Dialogen finden, die nicht nur an vielen Stellen klischeehaft sind, sondern auch teils redundant wirken.

Credits

OT: „Offspring“
Land: USA
Jahr: 2009
Regie: Andrew van den Houten
Drehbuch: Andrew van den Houten, Robert Tonino
Musik: Ryan Shore
Kamera: William H. Miller
Besetzung: Pollyanna McIntosh, Art Hindle, Amy Hargreaves, Ahna Tessler

Bilder

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Beutegier
4.15 (82.96%) 27 Artikel bewerten

Beutegier
„Beutegier“ von Andrew van den Houten ist ein sehr blutiger Horrorfilm über das Konzept der Familie sowie der Zivilisation. Auch wenn nicht alle Aspekte des Films überzeugen, so können doch gerade Pollyanna McIntoshs Leistung sowie die Effekte als durchaus gelungen betrachtet werden.
6von 10

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