Kritik

Brot

„Brot“ // Deutschland-Start: 25. Juni 2020 (Kino) // 27. November 2020 (DVD)

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, heißt es bekanntlich im „Vaterunser“, dem am weitesten verbreiteten Gebet des Christentums. Und auch wenn der Text inzwischen schon ein paar Jahrhunderte alt ist, an der Bedeutung des Lebensmittels hat sich zumindest in unseren Breitengraden wenig geändert. Brot ist eines dieser Lebensmittel, die so selbstverständlich zu unserem Alltag gehören, dass wir es schon kaum mehr wahrnehmen, es einfach nichts Besonderes ist. Dabei gibt es bei dem vermeintlich gewöhnlichen Begleiter zahlreiche Varianten. Das kann nicht nur jeder bestätigen, der in anderen Kulturen unterwegs ist und etwas entsetzt feststellen musste, was dort als Brot verkauft wird. Auch Harald Friedl will uns daran erinnern, dass Brot nicht gleich Brot ist.

Aus Liebe zum Brot
Zu diesem Zweck lässt in seinem recht nüchtern betitelten Dokumentarfilm eine Reihe von Leuten zu Wort kommen, die in diesem Bereich arbeiten. Am liebsten sind ihm, das muss er nicht extra sagen, die Menschen, die noch in dem traditionellen Backwerk zu Hause sind. Von denen gibt es hier einige. Sie alle betonen, wie viel besser ein echtes Brot ist, das nach alten Methoden und mit viel Verständnis für die Zutaten und Prozesse entstanden ist. Wie viel Geschmack ein solches Produkt entwickeln kann, wenn man nur weiß, was man tut. Aber auch die andere Strömung darf die eigenen Vorteile hervorheben: Ein Brot, das mithilfe der neuesten Technik und Zusatzstoffe entsteht, ist schneller, praktischer und billiger – wichtige Argumente im Kampf um die Kunden.

Im Grunde zeigt Brot einen Zweikampf auf, der sich durch die komplette Lebensmittelindustrie zieht. Während die einen auf günstige Großproduktionen setzen, da vertrauen andere auf Bio und regionale Produkte. Dass es für beides Platz gibt, das ist mittlerweile offensichtlich, wenn Billigfutter und Hochpreisware verschiedene Käuferschichten ansprechen. Dass sich nicht jeder die gesündere Variante leisten kann, es nicht nur eine Schere zwischen gesundheitsbewusst und nachlässig gibt, sondern auch zwischen arm und reich, das kommt nicht wirklich zur Sprache, um den Appetit nicht zu verderben. Denn wenn das tägliche Brot zu einem Luxusgut wird, verstärkt das Probleme mehr, als dass es sie behebt.

Zwischen Tradition und Zukunft
Diese gesellschaftlichen Aspekte spielen in Brot jedoch keine Rolle, auch auf die historische Komponente wird kaum eingegangen. Zwischendurch wird zwar vereinzelt darauf verwiesen, wie lange es Brote schon gibt. Die Vergangenheit interessiert Friedl jedoch weniger. Es ist eher die Zukunft, die er im Blick hat. Und das bedeutet nicht nur eine Richtungsentscheidung zwischen der industriellen und der traditionellen Zubereitung. Für ein paar kuriose Zwischenstopps ist auch noch Platz, wenn etwa darüber nachgedacht wird, wie ein auf dem Mars essbares Brot aussehen könnte oder in einer speziellen Bank die verschiedensten Arten von Sauerteig konserviert werden.

Gerade diese leichten Sci-Fi-Anleihen sind faszinierend und wirken ein bisschen als Gegengewicht zu der Liebeserklärung an das traditionelle Handwerk. Am Ende sind es aber die Menschen, die am stärksten in Erinnerung bleiben, wenn sie hier ins Schwärmen geraten, ein bisschen aus dem Alltag plaudern oder Einblicke geben in die derzeitigen Entwicklungen. Das kann man sich dann auch anschauen, ohne selbst der große Brotliebhaber zu sein. Mehr hat man aber natürlich schon mehr von Brot, wenn man ein bisschen diese Vorliebe teilt und sich an den vielen Aufnahmen von Teig oder knusprigen Krusten erfreuen kann. Man sollte sie nur vielleicht nicht mit leerem Magen ansehen.

Credits

OT: „Brot“
Land: Österreich, Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Harald Friedl
Drehbuch: Harald Friedl
Musik: Gerald Schuller
Kamera: Helmut Wimmer

Bilder

Trailer

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Brot
„Brot“ wirft einen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten Brot herzustellen, von traditionell bis zu industriell. Trotz kleiner Ausflüge in die Zukunft gilt die Sympathie hier aber eindeutig den Menschen, die noch mit Herz und Handwerk ihrer Arbeit nachgehen und Lust auf mehr machen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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