Kritik

Unfit The Psychology of Donald Trump

„#Unfit: The Psychology of Donald Trump“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Natürlich, kein Thema bewegt 2020 die Menschheit mehr als die grassierende Corona-Pandemie, ob wirtschaftlich oder kulturell, High-Tech-Metropole oder entlegene Provinz – es gibt praktisch niemanden auf der Erde, der nicht in irgendeiner Form davon beeinflusst ist. Dabei gibt es dieses Jahr noch ein zweites Großereignis, welches das Potenzial hat, die Weltgeschichte maßgeblich zu beeinflussen: die Wahl zum US-Präsidenten. Die wurde natürlich schon immer mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, schließlich geht es hier darum, wer der mächtigste Mensch auf diesem Planeten sein wird. Und das geht uns, wenn auch in unterschiedlichem Maße, alle irgendwie an. Doch dieses Mal geht es um noch viel mehr, schließlich steht die Frage im Raum: Wird es Donald Trump ein zweites Mal ins Weiße Haus schaffen? Oder setzen sich die liberalen Kräfte durch, die sich inzwischen gesammelt hinter seinem Herausforderer Joe Biden positionieren?

In #Unfit: The Psychology of Donald Trump geht es dabei gar nicht so sehr um die kommende Wahl. Biden selbst kommt beispielsweise mit keinem Wort vor, wohl auch weil zum Zeitpunkt des Drehs noch gar nicht klar war, dass er der Kandidat der Demokraten würde. Stattdessen dreht sich hier alles um den derzeitigen Präsidenten, der polarisiert, wie es noch kein anderer in diesem Amt geschafft hat. Das bedeutet dann auch: Die einen werden ihn bis zum Tod verteidigen, sei es seiner oder der eigene, egal, was er tut oder sagt. Die Gegenseite will alles dafür tun, um ihn zu verhindern, einen Mann, der für alles steht, was liberale Menschen ablehnen: Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Gewalt, Selbstsucht, die Macht des Stärkeren.

Über den Geisteszustand des US-Präsidenten
Der Dokumentarfilm startet dabei mit mehreren ganz grundsätzliche Themen. Das Großthema wird bereits durch den Titel #Unfit: The Psychology of Donald Trump verraten: Regisseur Dan Partland versucht sich hier, mit Hilfe diverser Psychologen, ein Bild von der Psyche des Präsidenten zu machen. Die Grundlage hierfür liefern keine persönlichen Gespräche, sondern Beobachtungen seiner Auftritte. Aber ist das genug? Tatsächlich setzt sich der Film auch mit der Frage auseinander, ob eine Beurteilung aus der Ferne möglich und sinnvoll ist, verbunden mit einem Blick auf die Vorgeschichte solcher Beurteilungen. Im speziellen Fall von Trump fällt das ein bisschen einfacher, da kaum einer vergleichbar stark das Leben in der Öffentlichkeit sucht. Es ist ja sogar eines seiner speziellen Merkmale, dass er das Publikum braucht, um sich überhaupt bewegen zu können.

Wirklich große Erkenntnisse bringen die Urteile und Videoaufnahmen nicht mit sich, die #Unfit: The Psychology of Donald Trump ausgekramt hat. Dass Trump kaum einen Satz schafft, der nicht entweder eine Lüge, eine Beschuldigung anderer oder eine Selbstbeweihräucherung ist, das dürfte sich schon rumgesprochen haben. Unterhaltsamer sind da schon die dreisten Methoden, mit denen Trump beim Golfen betrügt, selbst wenn er gegen Ikone Tiger Woods antritt. Wie sich Menschen beim Golfen verhandeln, so lautet die Begründung für den Einbau der entsprechenden Passagen, verrät viel darüber, wie ein Mensch ist. Das mag dann etwas vereinfacht scheinen, hier passt es aber durchaus ins Gesamtbild.

Viele Themen in kurzer Zeit
Der Beitrag vom DOK.fest München 2020 befasst sich neben der Porträtierung mit den Fragen, wer einen notorischen Lügner im obersten Amt haben will, aus welchen Gründen, und welche Auswirkungen das auf die USA und den Rest der Welt hat. Das ist ein bisschen viel, um es in einen einzigen Film packen zu wollen, da hätte es besser eine ganze Serie gebraucht. Im einen Moment sind wir noch beim Verhalten von Schimpansen, im nächsten erfahren wir mehr über die Geschichte der nuklearen Bedrohung, nur um dann zu lernen, dass die Verfassung der Vereinigten Staaten nie in Betracht gezogen hat, dass verschiedene Organe wie der Senat und die Justiz den Präsidenten auf eine Weise schützen könnten, dass die Rechtstaatlichkeit ausgehoben wird.

Über den geistigen Zustand Trumps hat das natürlich nichts zu sagen. Diese Punkte sind nur drin, um die Gefahr seiner Herrschaft aufzuzeigen. Und dass es diese Gefahr gibt, daran lässt #Unfit: The Psychology of Donald Trump keinen Zweifel. Befürworter von Trump kommen hier erst gar nicht zu Wort, schon die Wortwahl des Titels verdeutlicht, dass man hier nicht um Neutralität bemüht war. Über den Sinn und zweck der Dokumentation kann man sich daher streiten, sie ist nicht mehr als eine Bestätigung für die Gegner, die eigentlich keine Bestätigung brauchen. Zumindest erinnert sie aber daran, was Ende des Jahres auf dem Spiel steht.

Credits

OT: „#Unfit: The Psychology of Donald Trump“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Dan Partland
Musik: Tree Adams

Bilder

Trailer

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#Unfit: The Psychology of Donald Trump
„#Unfit: The Psychology of Donald Trump“ ist eine nicht sonderlich um Neutralität bemühte Dokumentation, die sich den geistigen Zustand Trumps zum Thema macht – anhand diverser Ferndiagnosen. Das ist teilweise altbekannt, teilweise auch unterhaltsam, schneidet eine Reihe weiterer Themen an, die alle eine Vertiefung verdient hätten, um damit vor allem die Gegner des US-Präsidenten zu bestätigen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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