Kritik

Chaddr

„Chaddr – Unter uns der Fluss“ // Deutschland-Start: Sommer 2020 (Kino)

Durch die teilweise nicht mehr aufhaltbaren Veränderungen in unserer Welt, verändern sich nicht nur die Landschaft und die Lebensgrundlagen, sondern es kommt zu einem einschneidenden Wandel innerhalb einer Gesellschaft, der sich bis zu deren kleinster Einheit, der Familie, durchzieht. Mittlerweile kann nicht mehr die Rede sein von einer langsamen Entwicklung, sondern von einem Wechsel der Einstellungen, des Lebenswandels und der Art der Bildung zwischen der Elterngeneration und ihrer Kinder. Gerade Begriffe wie Bildung, Leistung und natürlich Erfolg erleben daher eine Aufwertung, deren Relevanz im besten Falle auch beide Seiten einsehen, sodass der Zugang zu Bildungseinrichtungen entscheidend ist in dem eingangs beschriebenen Prozess.

Einen solchen Prozess bildet den Kern der Dokumentation Chaddr – Unter uns der Fluss des in Südkorea geborenen Regisseurs Minsu Park, der auf dem diesjährigen DOK.fest in München seine Weltpremiere feiert. Bereits in Sewol – Die gelbe Zeit, seinem Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, thematisierte Park die Verbindung zwischen Eltern und ihren Kindern, welche zum Auslöser eine tiefgreifenden gesellschaftlichen Aufarbeitung der sozialen Hierarchie wird. In Chaddr begleitet Parks Kamera den Alltag einer Familie, deren jüngste Tochter Changyang auf ein Internat geht mit dem Ziel nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums Softwareentwicklerin zu werden. Der Weg zwischen dem Dorf ihrer Eltern und der Schule führt über eine einzige Straße, die im Winter oft zugeschneit und deswegen gesperrt ist, sodass sie und ihr Vater gezwungen sind, den Weg am Fluss Chaddr zu nehmen, was je nach Wetterlage mitunter sehr gefährlich sein kann.

Die Notwendigkeit des Erfolges
In kurzen Einstellungen fängt Parks Kamera die atemberaubende Landschaft des indischen Himalaya ein, die im Wind flatternden Gebetsfahnen, die wie Lebensadern Orte miteinander zu verbinden scheinen und an die buddhistischen Wurzeln dieses Landstrichs erinnern. Auch die Steinwüste, das Umland der Felder, die Changyangs Familie bewirtschaftet, wird eingefangen und man erahnt, welchen Wahrheitsgehalt die metaphorische Sicht der Berge als Mauern, wie es der Dorfschullehrer seiner Klasse im Film sagt, hat. Bisweilen scheinen die Bilder des Films die Abgeschlossenheit dieser Dörfer und Familien zu betonen, nicht zuletzt auch wegen der wenigen, beschwerlichen Wege, die zu ihnen führen, aber durch die Gegenüberstellung mit den Aufnahmen des Schulalltags der Jugendlichen bemerkt man, welcher leise Wandel sich vollzieht oder bereits vollzogen hat.

Die Aussagen von Parks Gesprächspartnern, welche auf die sich verändernden Wetterbedingungen hinweisen, zeigen, dass diese Veränderungen notwendig sind sowohl für die Familie als auch die Gemeinde. Im Gegenzug unterstreicht Changyang ihre Absicht, durch ihre Ausbildung etwas für diesen Wandel, für die Öffnung der metaphorischen Mauern beizutragen, schon alleine aus Liebe zu ihren Eltern. Der Weg dahin scheint aber genauso beschwerlich wie das Begehen des Pfades am Fluss zu sein ist er doch gesäumt von den militärischen Drills beim Sportunterrichts sowie einem nicht zu verachtenden Leistungsdruck, der sich in den manchmal etwas scheuen Zügen der jungen Frau widerspiegelt.

Credits

OT: „Chaddr – Unter uns der Fluss“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Minsu Park
Drehbuch: Gregor Koppenburg
Musik: Henrik Ajax
Kamera: Minsu Park

Bilder

Trailer



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Chaddr – Unter uns der Fluss
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Chaddr – Unter uns der Fluss
"Chaddr – Unter uns der Fluss" ist eine Dokumentation über eine schleichende, aber notwendige Veränderung in der Gesellschaft. Minsu Parks Film ist eine Geschichte über den Wert wie auch die Notwendigkeit von Bildung als Teil dieser Veränderung, die einhergeht mit dem Wandel unserer Welt beispielsweise durch das Klima.
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