Kritik

8mm

„8mm“ // Deutschland-Start: 1. April 1999 (Kino)

In den Kreisen der Wohlhabenden ist Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) wegen seiner Gründlichkeit und seiner Diskretion bekannt, weshalb er meistens wochenlang von Zuhause weg ist, sehr zum Missfallen seiner Frau Amy (Catherine Keener). Auch wenn Tom wieder mehr Zeit daheim verbringen möchte, kann er zu dem neuen Auftrag der reichen Witwe eines Geschäftsmannes nicht nein sagen, denn dieser verspricht einer der finanziell lukrativsten für ihn zu sein. Aber auch einer der wohl ungewöhnlichsten: Im Safe ihres Mannes ist seine Frau auf einen Super-8-Film gestoßen, in welchem ein junges Mädchen auf brutale Weise misshandelt und scheinbar umgebracht wird. Schockiert von dieser dunklen Seite ihres Mannes, soll Welles nun die Echtheit des Films überprüfen und nach dem Mädchen suchen, herausfinden, ob die wirklich tot ist. Nach einer intensiven Suche in der Vermisstenkartei der Polizei meint Welles fündig geworden zu sein, verfolgt die Spur bis zu der Mutter des vermissten Mädchens (Amy Morton) und schließlich nach Los Angeles, wo er im Untergrund der Sex-Filme und BDSM-Streifen nach weiteren Indizien sucht. Hierbei steht ihm Max California (Joaquin Phoenix) zur Seite, der sich in der Szene auskennt, aber Welles davor warnt, weiter in dieses vorzudringen. Die Warnung scheint berechtigt, denn mit jedem Schritt, den Welles in Richtung der Aufklärung des Falles macht, begibt er sich weiter in einer dunkle und gefährliche Welt, deren Bilder und Gewalt auch ihn schon nicht mehr loslassen.

Bilder, die im Kopf bleiben
Drei Jahre nach dem kunterbunten Desaster Batman & Robin kehrte Regisseur Joel Schumacher mit 8mm wieder ins Thrillergenre zurück. Ursprünglich sollte David Fincher, der mit Drehbuchautor Andrew Kevin Walker schon in Sieben zusammengearbeitet hatte, die Regie übernehmen, musste aber letztlich absagen, was zu einer eher problematischen Kollaboration Walkers mit Schumacher und dem Studio führte, welches wegen der düsteren Thematik auf einer Umarbeitung des Skripts bestand, was Walker ablehnte, Schumacher aber dann durchführte, sodass sich Walker mehrfach öffentlich von dem Film distanzierte. Das von Walker so kritisierte Endergebnis hat durchaus Spuren von jener Abgründigkeit zu bieten, leidet aber an dem für Schumacher leider unterentwickelten Sinn fürs Subtile auf erzählerischer wie auch ästhetischer Ebene.

Allerdings kann man dem Film auf schauspielerischer Ebene keinerlei Vorwürfe machen, ganz im Gegenteil. Im selben Jahr, in dem er auch als von Todesvisionen und Schlaflosigkeit geplagter Rettungssanitäter in Martin Scorseses Bringing Out the Dead – Nächte der Erinnerung auftreten sollte, spielt Nicolas Cage abermals einen Charakter, dessen Visionen, ausgelöst durch den Snuff-Film, ihn nicht mehr loslassen und ihn immer weiter in einen dunklen Strudel bringen. Anders als in Scorseses Film gibt es in der Welt von Schumachers Film keinerlei Lichtgestalten oder Hoffnung auf Erlösung, denn wenn man einmal diese Bilder gesehen hat, lassen sie einen nicht mehr los und verändern einen, wie es der von Joaquin Phoenix gespielte Max California an einer Stelle zu Welles sagt. Cage vollzieht diese Verwandlung seiner Figur vor allem auf emotionaler Ebene, verschließt sich Welles immer mehr und wirkt schlussendlich sogar „immun“ gegenüber dem schier nicht enden wollenden Strom von Brutalität, Sex und Mord, den er sich im Namen seiner Recherche ansieht.

Das Monster in der Welt
Ähnlich seinem Ausflug in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft in Falling Down – Ein ganz normaler Tag, ist auch in Schumachers 8mm der Übergang des Hellen zum Dunklen stets fließend. Speziell seine Vision der Traumfabrik ist, in Zusammenspiel mit der Musik Mychael Dannas, auch immer ein Gang in die Hinterzimmer, in denen Menschen missbraucht, ausgebeutet und verkauft werden. Die Faszination mit Gewalt und Perversion wird als weit gefasstes Netz dargestellt, als ein Geschäft, bei dem die Idee des Dunklen gerade die augenscheinlich Normalen sowie die Reichen anzieht.

Es ist bedauerlich, dass dieser unbequeme Ton über die Dauer des Films mit abgeschmackten Metaphern und von einer Vorstellung von Moral durchzogen ist, die schon bei Falling Down gerade im letzten Drittel besonders negativ auffiel.

Credits

OT: „8mm“
Land: USA
Jahr: 1999
Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Musik: Mychael Danna
Kamera: Robert Elswit
Besetzung: Nicolas Cage, Joaquin Phoenix, James Gandolfini, Peter Stormare, Chris Bauer, Catherine Keener, Amy Morton, Norman Reedus

Trailer

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8mm – Acht Millimeter
4.44 (88.89%) 9 Artikel bewerten

8mm – Acht Millimeter
"8mm – Acht Millimeter" ist ein filmischer Gang in die Abgründe der Traumfabrik, in jene Idee von Ruhm und dem schnellen Geld. Dank seines guten Hauptdarstellers und einige inszenatorischer Einfälle weiß der Film Joel Schumachers trotz seiner wenig subtilen Herangehensweise und seines wenig überzeugenden Endes zumindest in Teilen zu überzeugen.
6von 10

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