Kritik

8 Mile

„8 Mile“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2003 (Kino) // 28. Mai 2003 (DVD)

Schon seit Jahren verfolgt Jimmy Smith (Eminem) unter dem Künstlernamen „B-Rabbit“ eine Karriere als Rapper, doch bislang ohne jeglichen Erfolg. Während er bei den von seinem Kumpel Future (Mekhi Phifer) organisierten Rap-Battles verliert, weil er am Mikrofon verstummt, versucht er sich und seine Familie über Wasser zu halten mit einem Job in einer Firma, die Autoteile herstellt. Da er kürzlich seine Wohnung aufgeben musste, lebt er zudem wieder im Wohnwagen seiner Mutter (Kim Basinger), die sich von ihrer Beziehung zu Greg (Michael Shannon) einen Geldsegen erhofft. Zudem bedrängt ihn sein Freund Wink (Eugene Byrd), mit ihm einen Deal über Studioaufnahmen abzuschließen, wobei Jimmy wie bei den Battles seine Selbstzweifel und seine Wut im Wege stehen. Jedoch verändert ihn die Begegnung mit der attraktiven Alex (Brittany Murphy), die über ihre Kontakte zu Wink versucht, an einen Modelvertrag zu gelangen. Nicht nur fühlt sich Jimmy zu ihr hingezogen, sondern auch motiviert, seinen Traum ernster zu nehmen und endlich selbst Verantwortung zu übernehmen für sein Leben. Beim nächsten Rap-Battle, wo der amtierende Champion Papa Doc (Anthony Mackie) seinen Titel verteidigt, will Jimmy allen und vor allem sich selbst endlich beweisen, dass er das Zeug zu einem großen Rapper hat.

Der lange Kampf nach oben
Auch wenn Eminem im Laufe seiner nunmehr über zwanzigjährigen Karriere viele kreative und kommerzielle Höhepunkte erlebt hat, wird wohl kaum einer mit seinem internationalen Erfolg Anfang der 2000er Jahre mithalten können. Neben seiner Rolle in Curtis Hansons 8 Mile sollte sein Album The Marshall Mathers LP den Rapper zu einem globalen Phänomen machen und Songs wie Stan oder Lose Yourself, dessen Entstehung man in 8 Mile verfolgen kann, wurden zu prägenden Hits dieser Zeit. Bei diesem Erfolg sollte das heutzutage fast obligatorische Biopic nicht lange auf sich warten lassen, denn, obwohl der Rapper dies immer wieder dementierte, sind die Parallelen zwischen Eminems Anfängen zu der Figur Jimmy Rabbit, die er in 8 Mile spielt, sehr offensichtlich. So ist 8 Mile auf der einen Seite ein typisches Biopic, eine Geschichte des Kampfes um Anerkennung, aber auch, was den Film auch heute noch sehr unterhaltsam macht, eine Einführung in eine Subkultur des Hip-Hops, die außerhalb von Hansons Film nur wenige andere so authentisch dargestellt haben.

Mittlerweile gibt es auch innerhalb des Rap- und Hip Hop-Genres die ein oder andere Geschichte des Aufstiegs. Im Fahrwasser eines Films wie 8 Mile befinden sich so Werke wie Get Rich or Die Tryin’ oder Notorious, welche sich mit Größen aus dieser Musiksparte befassen. Auf narrativer Ebene wird die Geschichte eines Menschen erzählt, der trotz einer Vielzahl sozialer und familiärer Probleme den Auf- und damit auch in gewisser Weise den Ausstieg aus einem Teufelskreis schafft, was nicht nur über die Musik geht, sondern auch über die Texte, die nicht immer, aber meistens jenen problematischen Hintergrund thematisieren. Alleine das bereits erwähnte Lose Yourself behandelt jenen Moment der Wahrheit, an dem sich zeigen soll, ob man das Zeug dazu hat, auf- und auszusteigen mit einer Vielzahl an Details. Insofern kann man einen Film wie 8 Mile auch als einen Versuch sehen, die eigene Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern in gewisser Weise auch zu stilisieren.

So ist 8 Mile auch mit seinem realistischen Rahmen nicht weit entfernt von jenen Aufstiegserzählungen eines Horatio Alger, jenes US-amerikanischen Autors, der die sehr amerikanische Legende des Tellerwäschers, der zum Millionär wird mehrfach in seinen Werken nacherzählt hat. Der Glaube an einen selbst, der eiserne Wille sowie die Betonung solcher Tugenden wie Verantwortung und Kampfgeist sind die Kriterien, welche den Erfolg nach sich ziehen. Als erzählerisches Fundament mag dies noch genügen, blendet aber bisweilen die sozialen Realitäten der Geschichte aus oder verdammt sie als reines Beiwerk, als Inspirationsquelle und mehr nicht.

Der Kampf auf der Bühne
Wenn man diese Konzepte für einen Moment ausblendet, bietet sich 8 Mile noch viel eher als die Einführung in eine Sub-Kultur oder Szene noch viel eher an. Es gibt einen Grund, warum gerade die Rap-Battles, die tatsächlichen wie auch die spontanen, sehr zum Unterhaltungswert dieses Films beitragen und wohl zu den besten Szenen zählen. Hierbei brilliert Eminem in einer Rolle, die ihm am besten steht, nämlich der des Entertainers sowie des Wortkünstlers, den Kreativität und Publikumsnähe auszeichnen. Hansons Film zeigt diese Rapper, die wie Gladiatoren auf der Bühne rein über Worte sich einen modernen Dichterwettstreit leisten, der spontan die eigene Person, den Moment wie auch die sozialen Realitäten verarbeitet und vom Publikum entweder mit Beifall oder Buhrufen kommentiert wird. Man wird sich als Zuschauer, auch wenn man mit der Person Eminem hadert, mehr als einmal dabei ertappen, dass man sich noch mehr dieser Szenen wünscht.

Credits

OT: „8 Mile“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Curtis Hanson
Drehbuch: Scott Silver
Musik: Eminem
Kamera: Rodrigo Prieto
Besetzung: Eminem, Mekhi Phifer, Brittany Murphy, Kim Basinger, Eugene Byrd, Michael Shannon, Anthony Mackie

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2003 Bestes Lied Sieg
Golden Globe Awards 2003 Bestes Lied Nominierung

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8 Mile
4.3 (86%) 10 Artikel bewerten

8 Mile
"8 Mile" ist eine Mischung aus Sozialdrama und Musiker-Biopic. Anhand der Geschichte um den Rapper B-Rabbit erzählt Curtis Hanson vom Mythos des Aufstiegs durch die Kraft der Musik und das Talent des Einzelnen, auch wenn dies die sozialen Hintergründe mehr als Beiwerk wahrnimmt.
7von 10

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