Kritik

Wie angelt man sich einen Millionär how to marry a millionaire

„Wie angelt man sich einen Millionär?“ // Deutschland-Start: 2. April 1954 (Kino)

Das Leben in New York City ist teuer, besonders wenn man nicht nur hohe Ambitionen hat, sondern auch ein schönes, sorgenfreies Leben genießen will. Jedoch haben Tütü Dempsey (Betty Grable), Pola Debevoise (Marilyn Monroe) und Tschicki Page (Lauren Bacall) kaum genug Geld in ihren Taschen, um den nächsten Einkauf zu bezahlen und können von einem solchen Leben nur träumen. Zusammen machen sie sich daher die Steuerflucht eines Geschäftsmannes zum Vorteil, mieten sein luxuriöses Penthouse im Herzen New Yorks und gehen auf Männerjagd unter den oberen Zehntausend, wobei sie die Möbel der Wohnung Stück für Stück verkaufen, um an Geld zu kommen. Nach Monaten vergeblicher Versuche scheinen die jungen Frauen endlich Glück zu haben. Während Tschicki den Heiratsantrag eines reichen Witwers annimmt, haben ihre beiden Freundinnen sehr vielversprechende Verabredungen mit anderen wohlhabenden Geschäftsleuten, von denen sie sich schon bald eine Heirat versprechen. Doch obwohl das Geld und die Aussicht auf ein luxuriöses Leben verlockend sind, müssen sie einsehen, dass eine Verbindung ohne Liebe auf die Dauer nicht wünschenswert ist.

Eine Welt des Scheins
Im gleichen Jahr, in welchem Marilyn Monroe mit der Komödie Blondinen bevorzugt Erfolge feiern sollte, spielte sie in dieser von Jean Negulesco inszenierten Komödie mit, in der sie abermals ihr Talent für das Genre zeigen durfte. Wie angelt man sich einen Millionär? vereint sie mit Schauspielerinnen wie Lauren Bacall und Betty Grable und gehörte zu einer der vielversprechendsten Produktionen des Jahres 1953, welche gleichzeitig das neue Format Cinemascope in die Kinos bringen sollte. Nach außen hin eine typische Studioproduktion der damaligen Zeit ist der Film heute eine sehr interessante und unterhaltsame Geschichte über die Verlockungen des Reichtums sowie über Rollenbilder im Kapitalismus.

Generell haben Studioproduktion, wie auch Negulescos Film eine ist, immer etwas Hermetisches an sich, ist doch die Abgeschirmtheit des filmischen Raumes aufgrund der Kulissen für jeden sichtbar. Im Kontext der Thematik des Films, der sich in der Welt der New Yorker Upper Class aufhält, gewinnt dieses formale Element noch an Bedeutung, betont es doch auch immerzu den abgeschirmten Charakter der Welt, in welche die weiblichen Figuren im Welt gerne Einlass haben würden. Für eine Frau geht dies, der Logik des Films folgend, über die sexuellen Reize und die Bewahrung eines Scheins von Kultiviertheit sowie der Annäherung an jene Klasse der Superreichen über das gemietete Apartment, welches mit einem gewissen Wohlstand assoziiert wird.

Fast möchte man meinen, dass die Heiratspolitik der Fürstenhäuser aus der Zeit des Absolutismus Einzug erhalten hat, mit dem Unterschied, dass diese nun internalisiert wurde und ganz im Sinne des Kapitalismus funktioniert. Im Verständnis, dass die Frau ein Lockvogel ist, wie es an einer Stelle heißt, eine Art Aushängeschild für den Mann, werden die Männer, die meisten von ihnen ebenso der Welt des schnellen Geldes und des schönen Scheins verfallen, in die Falle geführt. Schade nur, wenn die es dann mit Werten wie Ehrlichkeit und Moral nicht so genau nehmen.

Die romantische Verhandlung
Eine Schlüsselszene des Films ist eine Zusammenstellung der Verabredungen zum Abendessen der drei Frauen, die über Smalltalk ihr Gegenüber über dessen finanzielle Liquidität aushorchen. Es ist sofort klar, dass es hier um eine Verhandlung getarnt als zwangloses Dinner geht, bei der beide Seiten ihre Karten so ausspielen, wie es für sie am geschicktesten ist, wobei die Männer, selbstsicher in ihrem Reichtum, meist klar im Vorteil sind und bereits früh, mit einer Ausnahme, ihre moralische Fallhöhe zeigen.

Das Bild des bald schon leeren Apartments wird zu einem Sinnbild nicht nur der Hohlheit dieses schönen Scheins, sondern auch der Leere dieser Vorstellung des Lebens, in dem Gefühle keine Rolle spielen, wenn man sie nicht kaufen kann. Zwar sind Diamanten der beste Freund der Frau, aber auf die Dauer auch nur eine kalte Ware, mit der man sich die Illusion von Anerkennung und Glück kauft.

Credits

OT: „How to Marry a Millionaire“
Land: USA
Jahr: 1953
Regie: Jean Negulesco
Drehbuch: Nunnally Johnson
Musik: Cyril J. Mockridge
Kamera: Joseph MacDonald
Besetzung: Lauren Bacall, Betty Grable, Marilyn Monroe, William Powell, Cameron Mitchell, David Wayne

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1954 Beste Kostüme Charles LeMaire, Travilla Nominierung
BAFTA Awards 1955 Bester Film Nominierung

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Wie angelt man sich einen Millionär?
3.9 (78%) 10 Artikel bewerten

Wie angelt man sich einen Millionär?
"Wie angelt man sich einen Millionär?" ist ein Film über den Schein der Welt der Reichen, welche den Ernst ihrer Thematik in eine vergnügliche, gut gespielte Komödie verpackt. Neben der Musik und der Darsteller ist Jean Negulescos Film alleine schon wegen seiner Sicht auf die pompöse, aber letztlich leere Welt des Kapitalismus sehr zu empfehlen und weiß bestens zu unterhalten.
8von 10

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