Kritik

The Ronda Rousey Story: Through My Father’s Eyes

„Through My Father’s Eyes“ // Deutschland-Start: 1. April 2020 (Netflix)

Nach der Sichtung von The Ronda Rousey Story: Through My Father’s Eyes drängen sich zwei Fragen auf: 1. Was soll der Titel? 2. Für wen ist dieser Film gemacht worden?

Die Dokumentation über die ehemalige MMA-Kämpferin Ronda Rousey streift zwar hier und da ihren Vater und zeigt klar auf, welche Auswirkungen sein Suizid auf sie und ihre Kampfkarriere hatte. Die Story wird aber hauptsächlich durch die Augen von Regisseur Gary Stretch erzählt, der sich zudem stillos während den Interviews selbst präsentiert. Gefilmt sind diese unspektakulär und amateurhaft. Immer wieder sind reaction shots von Stretch reingeschnitten, in denen er nicht einmal unbedingt groß reagiert. Abgesehen von den wenigen Szenen, in denen er mit dem jeweiligen Interviewpartner gemeinsam vor der Kamera sitzt, wirkt es beinahe jedes Mal so, als wären die beteiligten Personen gar nicht im selben Raum und das Gespräch erst hinterher im Schnitt entstanden.

Wer sind diese Leute?
Das ist zwar alles andere ideal, der Fairness halber sei jedoch gesagt, dass eine Dokumentation sicher nicht zwingend auf cineastische Weise überzeugen muss – auf den Inhalt kommt es an. Sonderlich viel besser sieht es da aber leider auch nicht aus. Das Pacing ist misslungen, was durch die Laufzeit von 104 Minuten noch deutlicher ins Gewicht fällt. Wen der Film ansprechen will, weiß er offenbar selbst nicht. Bestimmt nicht Leute ohne Vorkenntnisse, denn wer mit MMA absolut nichts am Hut hat, wird sich bei den meisten zu Wort kommenden Persönlichkeiten fragen, wer das überhaupt sein soll, ganz zu schweigen davon, dass einem Unwissenden nicht deutlich genug vermittelt wird, wieso und womit Ronda eine eigene Doku verdient.

Was aber ist mit Zuschauern, die bereits ein solides Grundwissen mitbringen? Ronda Rousey hat äußerst wichtige Pionierarbeit für das Frauen-MMA geleistet, das kann ihr niemand nehmen und das kann keiner kleinreden. Through My Father’s Eyes stützt sich auf dieses Narrativ und blendet dabei geschickt Rondas Fehlleistungen aus. Kritik scheint nicht erwünscht, was so weit geht, dass Rondas Headkick-Niederlage gegen Holly Holm (für viele MMA-Fans immerhin einer der befriedigendsten Momente in der UFC-Geschichte) nur in drei Standbildern und ein paar Newsartikelüberschriften gezeigt wird, während ihre Siege als richtige Filmausschnitte vorgelegt und glorifiziert werden. Die Niederlage gegen Amanda Nunes (deren erste Titelverteidigung dieser Kampf war und die im Dezember 2018 der erste und bisher einzige weibliche UFC-Champion in zwei Gewichtsklassen wurde) wird darüber hinaus nicht einmal erwähnt. Auch dass Rousey dem Sport trotzig den Rücken kehrte, wird galant verschwiegen. Sie mag den Weg geebnet haben, war aber nicht gewillt, ihn bis zum Ende zu gehen. Solange nicht gelogen wird, ist das alles ja noch legitim, aber Through My Father’s Eyes hat einen unentschuldbaren Haken: Die Dokumentation ist überwiegend verdammt langweilig. UFC-Präsident Dana White, Ringrichter-Legende Big John McCarthy, MMA-Legende Randy Couture – diese drei teilen neben anderen ihre Meinung über Ronda mit und jeder wirkt dabei, als wäre eine Dokumentation über ihn wesentlich interessanter als das, was gerade über den Bildschirm flimmert.

Credits

OT: „Through My Father’s Eyes“
Land: Kanada, USA
Jahr: 2019
Regie: Gary Stretch
Musik: Damon Elliott
Kamera: Ray Izad-Mehr

Trailer

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The Ronda Rousey Story: Through My Father's Eyes
"The Ronda Rousey Story: Through My Father's Eyes" ist Trockenfutter für MMA-Historiker. Wer sich dafür nicht interessiert oder kein Ronda-Fan ist, wird mit der Dokumentation wenig Freude haben. Auf überwiegend dröge Weise wird ihr Weg von den Anfängen bis zur ersten Niederlage nachgezeichnet, wobei der Film darauf achtet, keine Kritik zu üben, und dafür gerne mal Tatsachen unter den Tisch fallen lässt.
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