Kritik

Jäger des verlorenen Schatzes Raiders of the Lost Arc Indiana Jones

„Indiana Jones und der Tempel des Todes“ // Deutschland-Start: 3. August 1984 (Kino) // 24. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Das hatte sich Indiana Jones (Harrison Ford) irgendwie anders vorgestellt. Eigentlich wollte der Professor und Archäologe nur den versprochenen Diamanten in Empfang nehmen, als er den Shanghaier Nachtclub „Obi-Wan“ aufsucht, die Gegenleistung für seine Dienste. Stattdessen fliehen er, sein junger chinesischer Gehilfe Short Round (Jonathan Ke Quan) und die Sängerin Willie Scott (Kate Capshaw) mit dem Flugzeug – nur um dann mitten im indischen Dschungel abzustürzen. Doch das ist nur der Auftakt eines großes Abenteuers, denn die Bewohner eines kleinen Dorfes beauftragen ihn, im Tempel eines Todeskultes vorbeizuschauen, der nicht nur einen heiligen Stein aus dem Dorf gestohlen haben soll, sondern auch jede Menge Kinder entführt …

Nach dem gewaltigen Erfolg von Jäger des verlorenen Schatzes war es klar, dass es noch weitere Auftritte des unkonventionellen Archäologen mit der ikonischen Peitsche und dem Schlapphut geben würde. Tatsächlich begannen schon ein Jahr drauf die ersten Arbeiten an der Fortsetzung, vor allem an der Geschichte wurde ewig herumgeschrieben. Am Ende einigte man sich jedoch und nahezu alle wichtigen Beteiligten des ersten Teils fanden wieder zusammen: George Lucas, der Figur und Szenario erfunden hatte, Regisseur Steven Spielberg, Komponist John Williams und natürlich Harrison Ford, der nach seiner Rolle als Han Solo in Star Wars nun auch Teil eines zweiten Superhits wurde. Eine fehlte jedoch: Lawrence Kasdan, der das Drehbuch geschrieben hatte. Denn der fand das neue Abenteuer zu düster und bösartig.

Der brutale Ausreißer
Das ist dann auch der einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte an Indiana Jones und der Tempel des Todes: Der Film ist streckenweise überraschend brutal und so gar nicht als Familienabenteuer tauglich. Ganz neu sind diese düsteren Elemente natürlich nicht. Schon in Jäger des verlorenen Schatzes wurde kräftig gestorben, zum Ende hin war das Debüt des Archäologen sogar einem Horrorfilm näher als einem klassischen Abenteuer. Doch bei der Fortsetzung setzte man dem noch einiges drauf, die Szenen rund um den Todeskult sind Stoff für Albträume – vor allem in Kombination mit dem wahnsinnig intensiven Spiel von Amrish Puri, der den Oberpriester verkörpert.

Gleichzeitig wurde aber auch am Humor gedreht. Der war ebenfalls fester Bestandteil des Erfolgsrezepts des Erstlings. Während dort die Mischung jedoch stimmte und zu einem durchwegs unterhaltsamen Gesamtpaket führte, bricht Indiana Jones und der Tempel des Todes immer wieder auseinander. Sadistische und alberne Szenen, das passt dann doch nicht so gut zusammen. Der Running Gag um die ungewöhnlichsten Nahrungsmittel, die Willie immer angeboten werden und sie zur Verzweiflung bringen, ist beispielsweise alles andere als komisch, teils sogar ausgesprochen geschmacklos. Auch an anderen Stellen verfehlen die Witze ihr Ziel, nerven eher, als dass sie der Auflockerung dienen.

Haupteigenschaft: Schreit ganz gerne
Das gilt insbesondere für die Figur von Willie. Als hätten Spielberg und Lucas letztendlich doch einen Horrorfilm drehen wollen, übernahmen sie daraus das Konzept der Scream Queen. Frauen also, deren hervorstechendste Eigenschaft die ist, dass sie in Angesicht jeglicher Gefahr zu schreien beginnen. Das mag in kleineren Dosen angemessen sein, um den Terror auszudrücken. In Indiana Jones und der Tempel des Todes geschieht das aber auf eine derart penetrante Weise, dass man schon geneigt ist, die Gegenseite anzufeuern, nur damit endlich Ruhe ist. Aber auch das Verhältnis zwischen ihr und Indy funktioniert nicht, wenn aus der anfänglichen Antipathie plötzlich Leidenschaft werden soll, ohne dass etwas dafür getan wird. Da begnügte man sich damit, zwei attraktive Menschen zusammenzustecken, der Rest ergibt sich von selbst.

Für sich genommen ist der Film immer noch gut und sehenswert. Die Kulissen machen eine Menge her, es gibt Exotik und Nervenkitzel, dazu alte Legenden und Geheimnisse. Diverse Action-Szenen, sei es die muntere Rauferei am Anfang oder die legendäre Minen-Achterbahn zum Ende hin, machen jede Menge Spaß. Und Fords Charme lässt sowieso vieles vergessen, was um ihn herum geschieht. Im Vergleich zum Vorgänger oder auch dem Nachfolger Indiana Jones und der letzte Kreuzzug ist das hier jedoch nur zweite Wahl, da die Balance oftmals nicht stimmt, die Figurenzeichnung wenig hergibt und das Abenteuer oft eher anstrengend als anregend ist.

Credits

OT: „Indiana Jones and the Temple of Doom“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Willard Huyck, Gloria Katz
Musik: John Williams
Kamera: Douglas Slocombe
Besetzung: Harrison Ford, Kate Capshaw, Jonathan Ke Quan, Amrish Puri

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1985 Beste Musik John Williams Nominierung
Beste Spezialeffekte Sieg
BAFTA Awards 1985 Beste Musik John Williams Nominierung
Beste Spezialeffekte Sieg
Beste Kamera Douglas Slocombe Nominierung
Bester Ton Nominierung
Bester Schnitt Nominierung

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Indiana Jones und der Tempel des Todes
4.2 (84%) 10 Artikel bewerten

Indiana Jones und der Tempel des Todes
Der zweite Auftritt des unkonventionellen Archäologen mit dem Schlapphut und der Peitsche übernahm zwar grundsätzlich die Elemente des Vorgängers, kommt an diesen aber nicht heran. „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ wird dabei zum einen die missglückte Mischung aus sadistischem Horror und hysterischem Humor zum Verhängnis, aber auch die Figuren tragen dazu bei, dass der Film zwar Spaß macht, oft aber anstrengend statt packend ist.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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