Kritik

Jäger des verlorenen Schatzes Raiders of the Lost Arc Indiana Jones

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ // Deutschland-Start: 14. September 1989 (Kino) // 24. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Wenn es darum geht, wertvolle alte Schätze zu finden, dann ist der Archäologe Indiana Jones (Harrison Ford) immer gern mit von der Partie. Doch als ihm Walter Donovan (Julian Glover), ein wichtiger Förderer von Museen, beauftragt, den Heiligen Gral zu finden, welcher der Sage nach Unsterblichkeit verleiht, gibt es noch einen zweiten Grund zuzustimmen: Indianas Vater Henry (Sean Connery), der sein Leben lang besessen von der Legende war, soll dem Artefakt bereits auf der Spur, dabei jedoch verschwunden sein. Und so begibt sich der Abenteurer gemeinsam mit dem Museumskurator Marcus Brody (Denholm Elliott) und der österreichischen Kunstexpertin Elsa Schneider (Alison Doody) auf die Suche nach dem Gral und dem alten Herren …

Eigentlich war die von George Lucas und Steven Spielberg entwickelte Reihe rund um den etwas unorthodoxen Archäologen Indiana Jones von Anfang an als Trilogie ausgelegt. Und doch tat man sich mit dem dritten Teil schwer. Daran hatte auch der Vorgänger Indiana Jones und der Tempel des Todes eine größere Mitschuld. Erfolgreich war das Abenteuer gewesen, ist bis heute aber umstritten. Die einen stören sich an den düsteren Elementen, die den Film zeitweise zu einem Horrorwerk machten. Aber auch das ständige Gekreische von Indys Begleitern traf nicht unbedingt auf große Gegenliebe, für viele war der Film ein eindeutiger Rückschritt zu Jäger des verlorenen Schatzes gewesen. Weshalb die große Frage für die Beteiligten war: und was nun?

Zurück zu den Anfängen
Ein Mittel, um verlorene Fans zurückzugewinnen, war sich wieder stärker am Erstling zu orientieren. Das bedeutete einerseits, Figuren aus Jäger des verlorenen Schatzes erneut ins Spiel zu bringen, die beim letzten Mal fehlten: Museumskurator Marcus Brody und der von John Rhys-Davies gespielte Sallah, ein Experte für Ausgrabungen. Aber auch in Bezug auf die düsteren Elemente wurde zurückgerudert. Zwar dürfen in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug erneut einige Leute sterben, zum Ende gibt es sogar ein recht unheimliches Ableben. Im Vergleich zum Vorgänger war dies jedoch recht wenig, auch der erste Teil war in der Hinsicht härterer Stoff. Denn so mancher Tod hier ist so überzeugen, dass man ihn nicht mehr ernst nimmt.

Tatsächlich war Indiana Jones und der letzte Kreuzzug der humorvollste der drei Auftritte des Mannes mit dem ikonischen Hut und der Peitsche. Zwar durfte auch bei den Vorgängern immer wieder gelacht werden. Hier nahm das aber solche Ausmaße an, dass man sich manchmal schon fast einer Parodie annäherte. Doch störend war das nicht, da praktisch alle Gags sitzen. Vor allem aber die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Indiana und seinem Vater sind Gold wert, wenn nahezu jede Szene dazu führt, dass die beiden sich wegen irgendetwas uneinig sind oder sich in die Haare bekommen. Zwei Sturköpfe, die sich in mancher Hinsicht sehr ähnlich sind, in anderer Hinsicht komplett konträr – das bedeutet automatisch Reibung, mit komischen Folgen.

Das Herz des Abenteuers
Doch Jones Sr. ist nicht allein der humorvollen Absicht wegen Teil des Films. Vielmehr ist Indiana Jones und der letzte Kreuzzug zwar einerseits erneut ein klassisches Abenteuer im Geiste der Vorgänger, gleichzeitig aber auch die Geschichte eines Vater-Sohn-Gespanns mit einem erstaunlich hohen Gefühlsfaktor. Allgemein geht es dieses Mal auffallend viel um die Figuren. Die wunderbare Einleitungssequenz, wenn Indiana mal wieder mit einem Schatz auf der Flucht ist, hat zwar auf den Inhalt der späteren Schatzsuche nur bedingt Einfluss, gibt aber einen Einblick darauf, wie unser liebgewonnener Held als Mensch ist, wo er herkommt und wie er zu dem werden konnte, der er ist.

Die Szene gehört auch deshalb zu den besten des Films, sofern man den ungenierten Fanservice akzeptiert, weil hier Inhalt und Handlung zusammengingen, alles irgendwo seinen Zweck hat. Das war später nicht immer der Fall: Spielberg baut unzählige Verfolgungsjagden, die zwar in sehr unterschiedlichen Kulissen stattfinden, auch mit abwechslungsreichen Transportmitteln, oft aber reiner Selbstzweck sind. Indiana Jones und der letzte Kreuzzug kommt einfach selten zur Ruhe. Doch auch wenn nicht alles davon notwendig gewesen wäre, die Suche dafür gern ein bisschen länger hätte sein dürfen: Nach dem enttäuschenden Vorgänger stimmte der dritte Teil wieder versöhnlich, bietet viele tolle Einfälle und starke Charaktere, hätte ein würdiger Abschluss der Reihe sein können – bis sich Lucas und Spielberg eines anderen besannen …

Credits

OT: „Indiana Jones and the Last Crusade“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Jeffrey Boam
Geschichte: George Lucas, Menno Meyjes
Musik: John Williams
Kamera: Douglas Slocombe
Besetzung: Harrison Ford, Denholm Elliott, Alison Doody, John Rhys-Davies, Julian Glover, Sean Connery

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1990 Beste Musik John Williams Nominierung
Bester Ton Nominierung
Bester Tonschnitt Sieg
BAFTA Awards 1990 Bester Nebendarsteller Sean Connery Nominierung
Bester Ton Nominierung
Beste Spezialeffekte Nominierung

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Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
3.67 (73.33%) 12 Artikel bewerten

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
Nachdem der Vorgänger in seiner Mischung aus Slapstick und Horror nicht so ganz überzeugte, ist „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ wieder ein deutlich gelungenerer Film mit viel Humor, tollen Einfällen und starken Charakteren. Die Verfolgungsjagden waren sicher etwas exzessiv, der Unterhaltungsfaktor des dritten Abenteuers rund um den unkonventionellen Archäologen stimmte jedoch.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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