Kritik

Becoming

„Becoming – Das Böse in ihm“ // Deutschland-Start: 10. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Lisa (Penelope Mitchell) und Alex (Toby Kebbell) sind frisch verlobt, wissen aber schon genau, dass sie für immer zusammen bleiben wollen. Doch während eines gemeinsamen Roadtrips, auf dem sie ihren Eltern einen Besuch abstatten wollen, wird die Beziehung der beiden auf eine schwere Probe gestellt. Nachdem sie Halt bei einem etwas unheimlichen Kumpel von Alex und dessen Familie gemacht haben, beginnt Alex selbst, sich irgendwie eigenartig zu verhalten. So als ob er nicht mehr ganz er selbst wäre. Was als kleine Irritation für Lisa beginnt, nimmt bald furchterregende Züge an, als ihr Freund auf einmal zu einer ungekannten Brutalität neigt …

Böse, meist sehr alte Mächte, die Besitz von Menschen ergreifen, denen läuft man in Filmen immer mal wieder über den Weg. Der Klassiker Der Exorzist hat 1973 vorgemacht, wie man aus einem solchen Szenario jede Menge Spannung herausholt. Bis heute erfreuen sich solche Geschichten großer Beliebtheit, sie gehören zu den beliebtesten Subgenres im Horrorbereich. Kein Wunder: Das Budget ist bei solchen Filmen oft überschaubar, die Betroffenen müssen nur möglichst finster, alternativ möglichst wahnsinnig in die Kamera schauen. Außerdem spielen solche Filme immer mit unserer Angst, die Kontrolle über uns selbst zu verlieren und fremdbestimmt zu sein. So ergeht es auch Alex, wenn er in seinen lichten Momenten bemerkt, dass sich da etwas in ihm verändert. Sie gehören zu den besten Momenten in Becoming – Das Böse in ihm, wenn Toby Kebbell (Sieben Minuten nach Mitternacht, Warcraft: The Beginning) voller Abscheu und Angst vor sich selbst agiert.

Der Fremde in meinem Bett
Auch ein paar andere Details, die darauf verweisen, dass sich da etwas in ihm verändert, sind ganz nett geworden. In einer Szene schwankt Alex, welche Hand er verwenden soll. Andere Änderungen sind eher kurios, wenn er beispielsweise plötzlich nicht mehr schnarcht oder einen anderen Körpergeruch hat, was Lisa verständlicherweise irritiert. Das erinnert ein bisschen an die ganzen Filme, in denen Coming of Age und Horror miteinander verbunden werden – beispielsweise When Animals Dream oder Blue My Mind –, eine innere Verwandlung mit einer äußeren einhergeht, der Übergang vom Kind zum Erwachsenen von wilden, animalischen Begierden begleitet wird.

Nur ist Alex eben schon ein Erwachsener, auch wenn er sein Leben nicht sonderlich in Griff zu haben scheint. Außerdem hat Regisseur und Drehbuchautor Omar Naim kein Interesse daran, seine Geschichte mit einer Aussage zu verknüpfen. Oder wenigstens einem Porträt: Wer der Protagonist losgelöst von seiner Besessenheit sein soll, wird nicht verraten. Lisa bekommt nicht einmal das: Obwohl der Film mehr aus ihrer Perspektive erzählt wird, wird sie nie zu einem Charakter, ist letztendlich nur durch die Beziehung zu einem sich verändernden Freund definiert. Becoming – Das Böse in ihm hat schlichtweg kein Interesse an ihr.

Worte ohne Sinn
Der Film hat aber auch kein Interesse daran, Arbeit in Dialoge zu investieren. Nun müssen die in einem Horrorstreifen nicht überragend sein, man geht ohnehin mit niedrigeren Erwartungen an einen solchen Film. Derart willkürlich wie hier müssen sie dann aber auch nicht sein. Ganz besonders schlimm ist die obligatorische Begegnung mit dem Fremden, der – im Gegensatz zur Heldin – ganz genau weiß, was da vor sich geht. Die einzelnen Sätze ergeben sich nie aus dem, was der andere gerade gesagt hat. Verhalten und Einstellung wandeln sich auf eine sehr irritierende Weise im Sekundentakt, man hat hier nicht das Gefühl, dass sich da zwei Menschen gegenüberstehen, sondern Zufallsgeneratoren. Von dem entsetzlichen Quatsch der eigentlichen Ermittlungen ganz zu schweigen, die nie Sinn ergeben.

Tatsächlich ärgerlich ist aber, dass Naim durchaus Ideen hat, die teilweise sogar interessant sind. Zwischendrin kommt es beispielsweise zu mysteriösen Vorkommnissen, die sich nicht allein durch ein umherwanderndes böses Wesen erklären lassen. Immer wieder wird Becoming – Das Böse in ihm so zu einem Mysterythriller, wirft diverse Fragen auf, macht neugierig. Anstatt diese Fragen zu beantworten oder diese Elemente wenigstens konsequent zu verfolgen, werden sie aber ebenso willkürlich irgendwo eingebaut und im Anschluss wieder ignoriert. Auf diese Weise springt die Geschichte ständig hin und her, ist mal unbefriedigend, mal ungewöhnlich, letztendlich leider ziemlich langweilig und nichtssagend. Daran kann dann auch der Schluss nichts ändern, bei dem es dann mal stärker zur Sache geht, Spannung dennoch keine aufkommt.

Credits

OT: „Becoming“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Omar Naim
Drehbuch: Omar Naim
Musik: Jacob Bunton
Kamera: Matthew Irving
Besetzung: Toby Kebbell, Penelope Mitchell, Jason Patric, Jeff Daniel Phillips, Beth Broderick, Stephen Rider

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Becoming – Das Böse in ihm
3.5 (70%) 18 Artikel bewerten

Becoming – Das Böse in ihm
„Becoming – Das Böse in ihm“ nimmt uns mit auf einen Roadtrip eines Paares, der mit eigenartigen Veränderungen des Protagonisten einhergeht. Vereinzelt hat der Film gute Einfälle, die für eine Mystery-Stimmung sorgen. Doch die werden kaum ausgeführt, der Horrorstreifen springt ständig hin und her, holt nichts aus seinem Thema heraus, ist über weite Strecken zudem sehr langweilig.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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