Kritik

Psycho Pass Sinners of the System

„Psycho-Pass: Sinners of the System“ // Deutschland-Start: 31. März 2020 (Anime on Demand) // 20. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Auch wenn der Programmblock noitaminA ursprünglich als alternative Animeschiene an den Start ging, in der andere Geschichten als im Hauptprogramm erzählt werden sollen, an Hits hat es im Laufe der 15 Jahre nicht gemangelt. Einer der größten war die Serie Psycho-Pass, eine düstere Zukunftsvision, in der die menschliche Fähigkeit zu kriminellen Tätigkeiten genauestens überwacht wird – und zur Not auch liquidiert. Neben den obligatorischen Umsetzungen als Manga und Light Novel folgten eine zweite Staffel und ein Film. Ende letzten Jahres kam Staffel Nummer drei auf den Markt. Und während in Japan schon fleißig an einer weiteren Filmversion gearbeitet wird, erscheint in Deutschland schon mal Psycho-Pass: Sinners of the System, eine Film-Trilogie, welche einzelne Figuren aus der Serie näher beleuchtet.

Dreimal Nebensache
Der erste Fall kommt der Originalserie noch am nächsten. Zumindest ist er der einzige, der tatsächlich auf das Konzept der Kriminalitätsüberwachung und deren Ausmerzung Bezug nimmt. Erzählt wird darin, wie eine Frau mit einer hohen Rate auftaucht, so hoch, dass sie gleich getötet werden soll. Nachdem sie sich aber ergibt und einen seltsamen Würfel aushändigt, folgen Nobuchika Ginoza und Mika Shimotsuki der Spur bis in ein experimentelles Rehabilitationszentrum, in dem einiges nicht so ist wie gedacht. Was genau dahinter steckt, das erfährt das Publikum aber erst nach und nach. Anfangs ist man hier auch durchaus neugierig, das Setting ist ebenfalls vielversprechend. Die Auflösung ist jedoch enttäuschend und umständlich, lässt auch das diskussionswürdige Potenzial ungenutzt, welche die Therapie mit sich bringt.

Fall zwei interessiert sich dann erst gar nicht mehr für das sogenannte Sybil-System und die Frage der Kriminalitätsbekämpfung. Wobei es Kriminalität hier durchaus gibt. Genauer dreht sich hier alles um einen terroristischen Anschlag, dessen Teppei Sugo beschuldigt wird und der von einem weiteren ehemaligen Soldat ausgeführt werden soll. Das Ergebnis erinnert etwas an die Werke von Mamoru Oshii, der ja auch bei der Serie schon als Inspiration diente. Das Science-Fiction-Genre wird hierbei stärker betont, ist auch eine recht klassische Angelegenheit. Die Geschichte der Serie und deren Konzept bringt das hier zwar nicht weiter, da es etwas zu generisch ist. Insgesamt ist der Mittelteil aber überaus solide und sogar der beste Part der Trilogie. Wer Ghost in the Shell und Konsorten mochte, sollte hier mal reinschauen.

Der dritte Fall entfernt sich komplett vom Thema von Psycho-Pass. Hier ist es der aus der ersten Staffel bekannte Shinya Kogami, der nach Quittierung des Dienstes als Söldner durch die Tibet-Himalaya-Region streift und dabei ein Mädchen trifft, das sich für den Mord an seinen Eltern rächen will. Kogami nimmt sich des Mädchens an, was für ihn ein Anlass ist, über die eigene Vergangenheit nachzudenken. Im Gegensatz zu den anderen technologisch ausgerichteten Fällen geht es hier also persönlicher und reflektierter zu. Das ist als Idee in Ordnung, verkommt aber zu pseudophilosophischen Allgemeinplätzen. Tiefgründig sind diese Szenen nicht, spannend auch nicht.

Passabel für Fans
Allgemein lohnt sich Sinners of the System nur für eingefleischte Fans der Serie, die unbedingt mehr über die Figuren erfahren möchten. Das Szenario bringt die Trilogie nicht weiter, auch die Denkanstöße, die beim Anime anfangs dabei waren, sind Geschichte. Wie schon bei Psycho-Pass – The Movie entfernt man sich hier ziemlich von dem, was den eigentlichen Reiz ausgemacht hatte. Die Actionszenen wiederum bieten zu wenig fürs Auge, das Traditionsstudio Production I.G hat gerade bei den Animationen geknausert. Besser sieht es bei den Effekten und der atmosphärischen Farbgebung aus. Das ist in der Summe alles noch passabel, mehr aber leider nicht.

Credits

OT: „Psycho-Pass: Sinners of the System“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: Naoyoshi Shiotani
Drehbuch: Ryō Yoshigami, Makoto Fukami
Musik: Yugo Kanno
Animation: Production I.G

Bilder

Trailer

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Psycho-Pass: Sinners of the System
„Psycho-Pass: Sinners of the System“ erzählt drei Nebengeschichten zur beliebten Animeserie. Das ursprüngliche Konzept der düsteren Zukunftsvision wird kaum ausgebaut, meistens sogar fallengelassen. Interessant ist die mäßig spannende Trilogie daher nur für ein Publikum, das mehr über die Figuren erfahren mag.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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