Masamune Shirow

Masanori Ōta alias Masamune Shirow

Am siebten Tag erschuf Gott den Menschen, so lehrt es uns die Bibel. Aber was ist das eigentlich, ein Mensch? Was macht ihn aus? Wodurch definiert sich sein Menschsein? Darüber zerbrechen sich seit Jahrhunderten schon die Gelehrten ihre Köpfe. Auch Masamune Shirow, der im wahren Leben Masanori Ōta heißt, machte sich zu dem Thema so seine Gedanken. Dies tat er jedoch nicht in Form schwer verdaulicher Philosophieschinken, für die man ein eigenes Wörterbuch brauchte. Stattdessen wählte er einen etwas unerwarteten Rahmen: Manga. Denn die galten, zumindest im Westen, lange Zeit nicht unbedingt als Hort anspruchsvoller Gedanken.

„Ghost in the Shell“ nannte er sein 1989 erschienenes Werk und warf darin den Blick auf eine zukünftige Gesellschaft, in der Technik längst sämtliche Bereiche des Lebens erfasst hat. 2029 macht die längst nicht mehr bei Fahrzeugen oder Gebrauchsgegenständen Halt, auch der Mensch darf seinen Körper nach Belieben ändern und verbessern. Major Motoko Kusanagi ist einer dieser Menschen: Seit einem Unfall im Kindesalter lebt sie in einem künstlichen Körper, der ihr zwar übermenschliche Kräfte verleiht, sie aber auch immer wieder darüber nachdenken lässt, wer sie eigentlich ist. Kusanagis Überlegungen wechseln sich dabei mit ihren Einsätzen als Leiterin einer Sondereinheit ab, die sich dem Kampf gegen Cyberkriminalität verschrieben hat. Denn auch die ist inzwischen alltäglich geworden, durch die künstlichen Körper sind die Menschen viel anfälliger durch Manipulationen von außen – vor allem im Bereich Erinnerungen.

Bis „Ghost in the Shell“ auch den Westen erreichte, dauerte es eine ganze Weile, erschienen ist der Manga erst Jahre später. Dass die Geschichten um den Major heute trotzdem jeder Mangafan kennt – oder kennen sollte – liegt dann auch weniger an der literarischen Vorlage, sondern vielmehr an seinen Adaptionen. Am 18. November 1995, also vor genau 20 Jahren, erschien in Japan der gleichnamige Anime und schrieb mit seiner Mischung aus dystopischem Setting, Thrillerelementen und philosophischen Abschnitten Geschichte. Seither kamen eine Reihe weiterer Anime auf den Markt, mal als Film, dann wieder als Serie, die alle in derselben Welt spielen, größtenteils aber unabhängig voneinander sind. Als Neuling wird man von der Masse leicht erschlagen, weshalb wir anlässlich des Jubiläums den Blick zurückschweifen lassen auf 20 Jahre Ghost in the Shell.

Die Hauptfilme

Mit dem hier ging alles los: Das 1995 erschienene Ghost in the Shell beeinflusste mit seinen existenziellen Überlegungen zum Verhältnis zwischen Mensch und Maschine viele Science-Fiction-Filme und war maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass Anime im Westen als ernstzunehmendes Erzählmedium angenommen wurden. Erzählt wird darin, wie der Cyborg Major Motoko Kusanagi und deren Sondereinheit Jagd auf einen Hacker namens Puppet Master machen. Fast neun Jahre mussten Fans warten, bis sie die Quasifortsetzung Ghost in the Shell 2: Innocence sehen durften, in der eine von weiblichen Puppen begangene Mordserie im Mittelpunkt steht. Beide Filme stechen durch ihre Nachdenklichkeit hervor, aber auch durch ihre effektreiche, teils fulminante Optik. Nicht verwechseln darf man den zweiten Hauptfilm mit Ghost in the Shell 2.0, denn dabei handelt es sich lediglich um eine technisch erweiterte (und nach Meinung vieler verschlimmbesserte) Fassung des ersten Teils. 2017 folgte dann die visuell umwerfende Realfilm-Adaption, die viele Fans aber aufgrund der US-Besetzung und des vereinfachten Inhalts vor den Kopf stieß.

Stand Alone Complex

Für Fans wurde sieben Jahre nach dem ersten Film ein Traum wahr: Ghost in the Shell geht in Serie! Zeitlich sind die beiden Staffeln von Stand Alone Complex zwischen den beiden Kinofilmen angesiedelt, sind von diesen aber völlig unabhängig. Im Vergleich zu den Kinoproduktion waren die insgesamt 52 Folgen optisch einfacher, aber auch inhaltlich wurde etwas abgespeckt. So treten die philosophischen Elemente stärker in den Hintergrund, dafür wird es hier deutlich actionlastiger. Nach den beiden Staffeln folgte noch ein weiterer Film namens Solid State Society, der an die Serie anknüpft und eigens fürs Fernsehen produziert wurde.

Arise

Während die Filme und die Serie auf fast einhellige Begeisterung stießen, ist die dritte Reihe im Animekomplex von Ghost in the Shell eher umstritten. Vier Einzelwerke umfasst Ghost in the Shell: Arise zunächst – Borders genannt – und ist Prequel und Reboot in einem. Erzählt wird, wie Kusanagi und die anderen zusammenkamen, um ihre Spezialeinheit Sektor 9 zu bilden. Das Konzept war vielversprechend, Fans störten sich aber an den neuen Designs der Figuren. Anlass zur Kritik boten aber auch die wenig kreativen Geschichten, die kaum neue Ideen enthielten. Während die TV-Serie Arise: Alternative Architecture, welche die vier Borders zusammenfasst und um eine fünfte erweitert, wohl weiterhin dem Ausland vorenthalten bleibt, erscheinen die OVAs ab März 2017 hierzulande auf DVD und Blu-ray, ebenso der daran anschließende Kinofilm The New Movie.

Ghost in the Shell [Special]
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