Kritik

Sonic The Hedgehog

„Sonic the Hedgehog“ // Deutschland-Start: 13. Februar 2020 (Kino)

Sonic, der außergewöhnlich schnelle Igel, muss von seinem Heimatplaneten fliehen, da man ihm dort wegen seiner besonderen Fähigkeit auf den Fersen ist. Auf der Flucht landet er auf der Erde, wo ihm nach einiger Zeit jedoch das gleiche Schicksal droht. Durch einen unbeabsichtigten weltweiten Stromausfall erregt er Aufmerksamkeit und die Regierung in Washington beauftragt Dr. Robotnik (Jim Carrey), den blauen Verursacher zu finden. Dass dieser aber genauso an Sonic interessiert ist und die Kräfte am Ende für sich selbst nutzen will, ahnen diese dabei nicht. Wieder auf der Flucht bekommt der blaue Sprinter lediglich von Dorfsheriff Tom (James Marsden) Unterstützung.

Nachdem Anfang letzten Jahres der erste Trailer von Sonic für mächtig Furore sorgte, wurde der ursprünglich für November 2019 vorgesehene Live-Action Film auf Frühjahr 2020 verschoben. Erst einmal kein gutes Zeichen für einen Film. Grund dafür war damals das Design des SEGA-Videospielhelden, das vielen mächtig sauer aufstieß. Die Verantwortlichen nahmen aber sowohl die sehr deutliche Kritik, als auch die Wünsche ernst und überarbeiteten daraufhin die Hauptfigur der beliebten Jump’n’Run Reihe für den Film. Womit sie den Vorstellungen der Fans deutlich gerechter wurden. So ist Sonic in dem nun erscheinenden Film nämlich dem Videospieldesign um einiges ähnlicher, wirkt zudem kindgerechter und spielt gekonnt den Niedlichkeitsfaktor aus.

Schnell, nicht tiefgründig
James Marsden (Mädelsabend, X-Men) und Jim Carrey (Bruce Allmächtig, Der Ja-Sager) in den Hauptrollen tun indes alles, um ihren Figuren und der Geschichte Leben einzuhauchen und Charme zu verleihen. Das gelingt ihnen sogar so gut, dass man an mancher Stelle fast dazu geneigt ist, auf Sonic verzichten zu wollen. Denn Carreys Dr. Robotnik und Marsdens „Donut Lord“ Wachowski sind im Vergleich weitaus interessantere Figuren, als es Sonic den ganzen Film über ist. Und das obwohl der Fokus nun wahrlich nicht auf einer tiefgründigen Charakterentwicklung liegt. Dafür schwächelt das Script des Films an zu vielen Stellen und bleibt schlichtweg zu oberflächlich.

Mitgefühl versucht man hier nämlich mit den einfachsten Mitteln zu erzeugen, wenn Sonic als einsamer, aber man möchte fast meinen neurotischer Zeitgenosse vorgestellt wird. Die Eingangssequenz ist einfach zu rasch erzählt, sodass man gar nicht erst die Möglichkeit bekommt, sich  in das Geschehen irgendwie emotional einfinden zu können. Die Verzweiflung des blauen Igels beispielsweise, die sich eben später aus der Einsamkeit heraus ergibt, wird für das Publikum lediglich in einer, wenn auch beeindruckenden, Szene auf dem Baseballplatz deutlich. Hier haben sich die Macher eine visuelle Spielerei erlaubt, die tatsächlich viel mehr rüber bringt, als es die hektischen Monologe transportieren zu vermögen.

Flott und langweilig zusammengeklaut
Dass die Adaption eines Videospiels, das von Hause aus schon wenig Inhalt bietet, nicht gerade einfach ist, zeigt sich hier ziemlich deutlich an der Story. Diese ist insgesamt so generisch wie vorhersehbar und zugleich unwahrscheinlich ermüdend. Aufgrund der spärlichen Vorlage hätte man eigentlich immens viel Spielraum gehabt, nutzt aber die Chance kaum, sich vom seichten, leicht verständlichen Unterhaltungskino abzuheben. Leider bringen da auch gut gemachte Actionszenen wenig, wenn man sie in ähnlicher Weise einfach von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit kopiert. Quicksilver sollte an dieser Stelle noch für viele Hinweis genug sein, um sich an die entsprechende Szene zurückerinnern zu können. Obwohl man versucht sowohl mit der Action als auch mit den Dialogen und Humor zu punkten, gelingt Sonic das leider am Ende viel zu wenig. Und das wohlgemerkt trotz eines Jim Carreys, der zur altbekannter und unverkennbarer Höchstform aufläuft.

Mit Sonic wollte man wieder einmal ein möglichst breites Publikum ansprechen und verzettelt sich damit ähnlich wie Die fantastische Reise des Dr. Dolittle in einem Kompromissfilm, der weder richtig Kinderfilm ist, noch dem erwachsenen Publikum gerecht wird. Einerseits bedient man sich des klassischen Niedlichkeitsfaktors des Igels und der wenig komplexen Story, andererseits verzichtet man auch nicht auf gewaltige Actionszenen als auch Begrifflichkeiten sowie Witze, die die jüngeren Zuschauer aber kaum ansprechen dürften. Dementsprechend ernüchternd ist am Ende das Gesamtergebnis von Sonic, der es mit dem. was er erzählen möchte und zeigt, noch nicht mal zu richtigem Fanservice schafft und sich somit weit in die Belanglosigkeit manövriert.

Credits

OT: „Sonic the Hedgehog“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Jeff Fowler
Drehbuch: Patrick Casey, Josh Miller
Musik: Junkie XL
Kamera: Stephen F. Windon
Besetzung: Jim Carrey, James Marsden, Neal McDonough, Tika Sumpter, Tom Butler

Bilder

Trailer



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Sonic the Hedgehog
4.29 (85.71%) 7 Artikel bewerten

Sonic the Hedgehog
"Sonic the Hedgehog! schwächelt an vielen Stellen, wobei die dünne relativ belanglose Story und die damit einhergehende Gefühlslosigkeit der Figuren am deutlichsten hervortreten. Die Entscheidung, den Film einem möglichst großem Publikum zugänglich machen zu wollen, führt zu einer unausgegorenen Balance zwischen Kinder- und Erwachsenenfilm, die am Ende mehr für Langeweile sorgt als für wirkliche Unterhaltung.
4von 10

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