Kritik

Fantasy Island

„Fantasy Island“ // Deutschland-Start: 20. Februar 2020 (Kino) // 1. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Auf Fantasy Island werden all deine Wünsche wahr! Klar, das behauptet so ziemlich jedes Urlaubsdomizil von sich, weshalb die neu angekommenen Gäste Gwen (Maggie Q), Melanie (Lucy Hale), Patrick (Austin Stowell), Brax (Jimmy O. Yang) und JD (Ryan Hansen) die Aussage nicht sonderlich ernst nehmen. Ein wunderbarer Strand, das kristallklare Meer, Sonnenschein, das reicht ihnen schon, um bester Laune zu sein. Die kippt jedoch bald, als sie am nächsten Tag merken, dass irgendwie alles anders ist. Mr. Roarke (Michael Peña), der die Insel und die Ferienanlage leitet, eröffnet ihnen daraufhin, dass hier tatsächlich Wünsche und geheime Fantasien erfüllt würden. Das klingt zunächst nach einem Traum, verwandelt sich bald jedoch in einen schrecklichen Albtraum, aus dem es kein Entkommen gibt …

Dieses Jahr wird es im Kino, wie eigentlich fast immer, eine Reihe von Filmen geben, die sich auf irgendwelche alten Franchises beziehen und hoffen, dass in diesen noch genug Zugkraft schlummert. Dune zum Beispiel, die zweite Verfilmung von Frank Herberts Sci-Fi-Klassiker. Oder auch Ghostbusters: Legacy, das die Leute vergessen lassen soll, dass es vor ein paar Jahren schon ein gescheitertes Reboot gab. Auch Fantasy Island basiert auf einer an und für sich recht alten Geschichte. Genauer ließ man sich hier von einer Serie inspirieren, die von 1977 bis 1984 lief und 1998 schon einmal in Serienform wiederbelebt werden sollte.

Eine Fantasie mit trauriger Vorgeschichte
Verantwortlich für den neuerlichen Reboot-Anlauf ist der auf günstige Horrorproduktionen spezialisierte Jason Blum sowie Jeff Wadlow, der Regie führte und am Drehbuch mitschrieb. Diese Kombination gab es vor zwei Jahren schon einmal, beim Teeniehorror Wahrheit oder Pflicht. Kommerziell macht die erneute Zusammenarbeit sicherlich Sinn, der erste Film der beiden spielte bei Kosten von geschätzt 3,5 Millionen Dollar etwa das Dreißigfache wieder rein, was eine schöne Rendite bedeutete. Wer zu diesem Kassenerfolg beigetragen hat, weiß deshalb schon zwei Sachen über den Inselausflug: Fantasy Island ist 1. ein Horrorfilm, 2. qualitativ überschaubar.

Über den Genrewechsel kann man geteilter Ansicht sein. War die Serie eher eine Mischung aus Drama und Abenteuer, in der Leute lernen mussten, mit ihrer Vergangenheit zu leben und nicht vor Problemen davonlaufen zu können, so soll diesmal richtig Spannung erzeugt werden. Und damit die von Anfang an herrscht, dürfen wir gleich zum Auftakt eine junge Frau sehen, offensichtlich auf der Flucht vor einer unbekannten Gefahr, bevor die eigentliche Geschichte beginnt und wir die Insel kennenlernen. Auch bei der Haupthandlung wird es später brenzlig zugehen. Es dauert jedoch eine ganze Weile, bis wir an dem Punkt ankommen, was auch damit zusammenhängt, dass die Gäste jeweils eigene Handlungsstränge bekommen. Tatsächlich lässt sich Fantasy Island so viel Zeit damit, dass man irgendwann nicht mehr sicher ist: Ist das hier denn noch Horror?

Keine Spannung, kein Spaß
Aber auch später, wenn es denn mal stärker zur Sache geht und die vermeintlichen Träume mit einer gesteigerten Lebensgefahr einhergehen, so richtig viel Nervenkitzel will dabei einfach nicht aufkommen. Das liegt teilweise sicherlich an den unsympathischen Figuren, deren Schicksal einem einfach nicht nahe geht. Es liegt aber auch daran, dass die Szenarien nie echt genug werden, zudem oft eher unfreiwillig komisch sind. Tatsächlich wären die Macher besser beraten gewesen, sich hier an Jumanji: Willkommen im Dschungel zu orientieren, welche die absurden Szenarien mit einem ihnen angemessen Sinn für Humor begleitet haben. Dann hätte Fantasy Island vielleicht sogar Spaß gemacht, anstatt einen leise in den Schlaf zu langweilen.

Das soll nicht bedeuten, dass der Film völlig ohne Qualitäten wäre. Die Insel selbst ist beispielsweise sehr hübsch. Und auch der Strang um die Geschäftsfrau Gwen, die einer potenziellen alten Liebe hinterhertrauert, hat seine Momente, wenn sich Wadlow stärker an dem orientiert, worum es in der Serie ging. Aber das reicht nicht aus, Fantasy Island tatsächlich sehenswert zu machen. Passieren tut in dem Film einiges, zum Schluss gibt es eine Reihe von unerwarteten Wendungen. Nur weil etwas unerwartet ist, ist es aber nicht zwangsläufig gut. Stattdessen beraubt sich das Remake seines Mystery-Aspekts, welcher einen Teil des Reizes ausmachte, wird dabei jedoch völlig unsinnig, selbst innerhalb des Fantasy-Rahmens. Das Szenario an sich hat dabei durchaus Potenzial, Stoff für Fortsetzungen – wie am Ende angedeutet – gäbe es angesichts des ohnehin episodenhaften Aufbaus genug. Dann aber bitte mit einem anderen Kreativteam, welches aus dem Stoff auch wirklich was machen kann.

Credits

OT: „Fantasy Island“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Jeff Wadlow
Drehbuch: Jeff Wadlow, Chris Roach, Jillian Jacobs
Musik: Bear McCreary
Kamera: Toby Oliver
Besetzung: Michael Peña, Maggie Q, Lucy Hale, Austin Stowell, Portia Doubleday, Jimmy O. Yang, Ryan Hansen

Bilder

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Fantasy Island
„Fantasy Island“ nimmt die alte Serie, macht aus den eher dramatischen, lehrreichen Geschichten jedoch eine Horror-Neuinterpretation. Ob dieser Wandel grundsätzlich angebracht ist, darüber kann man sich streiten. Das konkrete Ergebnis ist auf jeden Fall eine Enttäuschung: Das Reboot ist weder spannend noch emotional, vergeudet sein Potenzial durch den Versuch überraschend zu sein, anstatt sich um die eigentliche Umsetzung zu kümmern.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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