Kritik

Sugarland Express

„Sugarland Express“ // Deutschland-Start: 24. Januar 1975 (Kino) // 21. Oktober 2004 (DVD)

Vier Monate noch, dann hat Clovis Michael Poplin (William Atherton) seine Strafe abgesessen und ist wieder ein freier Mann! Zumindest war das so geplant. Aber dann erhält er im Knast Besuch von seiner Frau Lou Jean (Goldie Hawn), die ihn unbedingt dazu überreden will vorzeitig auszubrechen. Schließlich wolle man ihr den Sohn wegnehmen und Clovis als Vater müsse das verhindern. Der lässt sich nach einigem Winden tatsächlich auf das Wagnis ein und spaziert an ihrer Seite hinaus. Doch es dauert nicht lange, bis die beiden in ziemliche Schwierigkeiten geraten und ihnen die Polizei auf den Fersen ist – vor allem nachdem sie den Polizisten Maxwell Slide (Michael Sacks) als Geisel nehmen …

Vergessenes Frühwerk
Auch wenn der Erfolg in den letzten Jahren doch spürbar nachgelassen hat, kein Regisseur dürfte ähnlich stark mit dem Begriff Blockbuster verbunden sein wie Steven Spielberg. Viele seiner Filme sind zu Klassikern geworden, von den 70ern bis in die 90er führte an ihm kein Weg vorbei. Der eine oder andere weniger bekannte Titel findet sich aber natürlich schon in seinem Gesamtwerk. So kam ein Jahr vor Spielbergs Monsterhit Der weiße Hai der Film Sugarland Express heraus, der zwar nicht wenig erfolgreich war, zudem in Cannes mit dem besten Drehbuch ausgezeichnet wurde, der heute aber kaum jemandem mehr wirklich etwas sagen dürfte.

Dabei ist das hier alles andere als eine No-Name-Veranstaltung. Beispielsweise war Sugarland Express der erste Film, bei dem Spielberg mit John Williams zusammenarbeitete, der später sein Haus- und Hofkomponist werden sollte. Doch dessen Klänge gehen etwas unter bei dem lauten Getöse, das vor allem in der zweiten Hälfte veranstaltet wird, wenn das Paar von Dutzenden Polizisten oder anderen selbsternannten Gesetzeshütern verfolgt wird. Stärker in Erinnerung bleibt da schon Goldie Hawn, die sich als entmündigte Mutter immer wieder in den Mittelpunkt spielt. Dass ihr Abenteuer völliger Schwachsinn ist, das ist zwar jedem klar, sei es vor den Fernsehern oder auch innerhalb der Geschichte. Aber Lou Jean hält trotzdem daran fest.

Die Sehnsucht nach Ruhm
Das ist einerseits befremdlich, so wie es immer irgendwie befremdlich ist, wenn sich jemand derart unnötig ins Unglück stürzt. Es ist auch ein bisschen anstrengend. Mit ihrer schrill-lautstarken Art ist sie nicht unbedingt das, was man einen Sympathieträger nennen würde. Sie ist sogar so nervtötend, dass man kaum dranbleiben kann an der Geschichte. Da sind andere Aspekte von Sugarland Express interessanter. Wenn die beiden Flüchtigen beispielsweise zu Berühmtheiten werden, denen nicht nur die Polizisten, sondern auch die Fans hinterherlaufen, dann hat der Film auf einmal eine satirische Note, welche die Celebrity-Sucht der Menschen aufs Korn nimmt. Auch der Aufwand, der betrieben wird, um zwei im Grunde völlig harmlose Nobodys einzufangen, lässt einen vermuten, dass Spielberg vielleicht doch lieber eine Komödie gedreht hätte.

Dabei geht es zum Ende hin sogar richtig zur Sache. Da gibt es Verfolgungsjagden, es wird geschossen, so als wären wir hier mit Bonnie und Clyde unterwegs. Unterhaltsam ist das schon, aber irgendwie nicht zielführend. Denn so richtig fiebert man doch nicht mit den beiden mit, was sich negativ auf die Spannungskurve auswirkt. Sugarland Express ist als Spektakel ausgelegt. Als solches funktioniert der Film, wenn man sich mit der Optik der damaligen Zeit anfreunden kann. Wer jedoch angesichts der Thematik einen Thriller erwartet, der geht leer aus. Da wäre es doch besser gewesen, mehr Zeit in die Figuren zu investieren. Bis zum Schluss bleiben sie schematisch, obwohl wir fast zwei Stunden mit ihnen verbracht haben. Am schönsten sind noch die leiseren Momente, wenn die Geisel und ihre Entführer sich annähern und man für einen kurzen Augenblick glaubt, dass das hier wirklich Menschen sind.

Credits

OT: „The Sugarland Express“
Land: USA
Jahr: 1974
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Hal Barwood, Matthew Robbins
Musik: John Williams
Kamera: Vilmos Zsigmond
Besetzung: Goldie Hawn, William Atherton, Michael Sacks, Ben Johnson

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Sugarland Express
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Sugarland Express
„Sugarland Express“ ist ein heute nur noch wenig beachtetes Frühwerk von Steven Spielberg über ein Verbrecherpaar, das durchs Land fährt und Geiseln nimmt, um den eigenen Sohn zurückzubekommen. Der Film bleibt in erster Linie durch eine hysterisch auftretende Goldie Hawn und die Actionszenen gegen Ende in Erinnerung. Sonderlich spannend ist das Werk jedoch nicht, zumal einem die Figuren fremd bleiben.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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