Kritik

Es war ein so schönes Essen in dem Restaurant! Oder zumindest hätte es das sein sollen. Aber irgendwie schaffen es Walter (Michael Pink) und Ute Schreiber (Christina Große) nicht, ihrer Tochter (Emmi Büter) Manieren beizubringen. Will die doch tatsächlich nicht den Hummer essen, obwohl sie es versprochen hat. Wie kann man nur so undankbar sein? Der richtige Ärger kommt jedoch erst zum Dessert, als das Familienoberhaupt ein Exempel statuieren will, was dann aber komplett nach hinten losgeht …

Erst witzig, später böse
Man trifft sie immer wieder, die etwas eingebildeten Leute in den Restaurants, die sich selbst für wahnsinnig clever und kultiviert halten und damit den Rest in den Wahnsinn treiben. In Das Mensch dauert es dann auch nicht lange, bis man eine ungeheure Abneigung gegen Walter entwickelt, umgekehrt Mitleid für die Tochter, die sich das tagtäglich anhören muss. Da gibt es schon mal kleinere Spitzen, die sich vor allem gegen die Eltern richten, und gegen das, wofür die beiden stehen. Das ist witzig, keine Frage, auch wenn man sich fragt, was genau nun die Pointe sein soll.

Die hebt sich Regisseurin und Drehbuchautorin Sophie Linnenbaum (Pix) noch ein wenig auf. Dafür kommt sie später umso gewaltiger. Genüsslich nimmt die junge Filmemacherin in ihrem Kurzfilm die Frage nach Moral und Anstand auseinander, spitzt die Situation zu, überdreht bis ins Absurde hinein. Das wird dann teilweise schön böse, auch wenn gegen Ende des 16-minütigen Kurzfilms etwas die Puste ausgeht. Doch wer satirisch-groteske Stoffe mag und die Gelegenheit hat, sollte sich Das Mensch nicht entgehen lassen.

Credits

OT: „Das Mensch“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Sophie Linnenbaum
Drehbuch: Sophie Linnenbaum
Kamera: Valentin Selmke
Besetzung: Emmi Büter, Michael Pink, Christina Große, Hans Heinrich Hardt



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Das Mensch
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Das Mensch
„Das Mensch“ fängt wie ein typischer Restaurantbesuch an, verwandelt sich dann aber in eine genüsslich überzogene Satire auf die selbstverliebte Oberschicht, die sich überlegen fühlt und plötzlich mit den eigenen Waffen geschlagen wird. Zum Ende geht etwas die Luft aus, der Kurzfilm macht ansonsten aber viel Spaß.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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