„Pix“, Deutschland, 2017
Regie: Sophie Linnenbaum; Drehbuch: Sophie Linnenbaum; Musik: Jürgen Heimüller

Kurzfilmtour 2018

„Pix“ tourt im Rahmen der Kurz.Film.Tour 2018 durch Deutschland

Die einen warten sehnsüchtig auf den Moment. Für andere ist er eine einzige Zumutung. Zeit für ein Foto fürs Familienalbum! Da wird noch schnell ein Lächeln aufgesetzt, die Kleidung zurechtgezupft. Ach ja, der Hintergrund muss natürlich auch stimmen, schließlich wird hier gerade Geschichte geschrieben. Dass diese Bilder letztendlich nur gestellt sind, das Familienalbum am Ende aus vielen geschönten Halbwahrheiten besteht – wenn interessiert’s? Hauptsache man hat eine vorzeigbare Erinnerung.

Sophie Linnenbaum nahm sich dieses Themas auf eine sehr eigene, humorvolle Weise an. Erzählt wird das komplette Leben eines Menschen, von dessen Geburt bis zu seinem Begräbnis, anhand solcher wichtigen Fotos. Geburtstage und Hochzeit dürfen nicht fehlen, der eine oder andere Schnappschuss zu besonderen Anlässen kommt hinzu. Das geht mit einem ganz schönen Tempo einher: Etwas mehr als sieben Minuten dauert Pix für die filmische Biografie des namenlosen Protagonisten. Da werden dann schon mal ein paar Lebensjahre übersprungen.

Ich inszeniere, also bin ich
Witzig ist aber auch, wie Linnenbaum die Wechsel von Bild zu Bild gestaltet. Immer wieder laufen Helfer durchs Bild, welche die Einrichtung entsprechend umbauen oder auswechseln, damit alles für die neue Situation passt. Worte braucht das nicht, nach der Anfangssequenz gibt es keinen einzigen Dialog mehr. Die Aussagekraft hält sich dann auch in Grenzen. Die witzige Grundidee wird nicht groß variiert, sondern konsequent bis zum Schluss durchgezogen. Spaß macht es aber trotzdem.

Neben dem leicht satirischen Hauch, der diese Selbstinszenierung umweht, unterhält vor allem der Kontrast. Der Kontrast zwischen den Porträtierten, die auf Kameraknopfdruck von missmutig zu hoch erfreut wechseln. Der Kontrast aber auch zwischen den völlig teilnahmslosen Helfern, für die diese ereignisreichen Momente nicht mehr als ein Job sind. Das ist witzig und sympathisch, gegen die Auszeichnung mit dem Deutschen Kurzfilmpreis für Spielfilme bis 10 Minuten ist daher nichts auszusetzen. Wer den Film bislang auf einem der diversen Filmfeste verpasst hat, wo er bislang zu sehen war, hat übrigens bald die Möglichkeit, das im Rahmen der Kurz.Film.Tour. nachzuholen.

Pix
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Pix
Das Leben als eine Abfolge von Familienbuchmomenten? „Pix“ nimmt den Drang, besondere Anlässe auf Foto festzuhalten auf unterhaltsame Weise aufs Korn. Das hat über die Idee hinaus zwar nicht viel zu sagen, macht aber Spaß.
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