Kritik

The Kill Team

„The Kill Team“ // Deutschland-Start: 3. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Im Leben des noch jungen Andrew Briggman (Nat Wollf) zählt die Einberufung in die US-Armee als eine Auszeichnung, vor allem da er nun in die Fußstapfen seines Vaters treten kann. So wird er nach der Grundausbildung nach Afghanistan versetzt, wo ihm die Realität des Krieges jeden Tag vor Augen geführt wird. Besonders die in seinen Augen geheuchelten Annäherungsversuche an die heimische Bevölkerung, einem Volk, was ihm in erster Linie als Feind begegnet, scheinen Briggman eher als Schikane. Sein Misstrauen wird bestätigt, als ihr Teamleiter bei einem Außeneinsatz einem versteckten Sprengsatz zum Opfer fällt. Doch als Sergeant Deeks (Alexander Skarsgård) als Nachfolger bestimmt wird, herrscht ein anderer Ton innerhalb der Einheit. Mit strenger autoritärer Hand verlangt Deeks Disziplin von seinen Männern wie auch Härte gegen die Zivilisten, die in seinen Augen potenzielle Attentäter sind. Zudem belobigt Deeks seine Männer, wenn diese mit einer solch konsequenten Einstellung gegen Menschen vorgehen, was mit zunehmender Dauer Briggman ernsthafte Sorgen bereitet. Schließlich kommt es unter Deeks Leitung zu einem folgenschweren Vergehen gegen Zivilisten, welches die Männer vertuschen wollen, aber mit dem Briggman nicht länger leben will. Als er versucht, die Militärpolizei auf das Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, bringt er sich in große Gefahr, denn Deeks ahnt bereits, dass einer seiner Männer ihn hinterfragt.

Krieg und Moral
Mit The Kill Team lernt der US-amerikanische Regisseur und Kameramann Dan Krauss seinen ersten Spielfilm vor, der auf seiner Recherche zu der von ihm gedrehten Dokumentation von 2014 mit dem gleichen Titel basiert. Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher ist Krauss zudem Journalist, was man dem investigativen Anspruch seiner Dokumentationen wie Inequality for All (2013) und O.J.: Made in America (2016) auch anmerkt, die von einem Einzelfall ausgehend ein gesellschaftlich-politisches Gesamtproblem behandeln. Im Falle von The Kill Team war für Krauss die Geschichte, welche die gleichnamige Dokumentation beleuchtet hat, noch nicht zu Ende erzählt, bot noch Perspektiven, die es zu erforschen galt, was ihn zu dem Entschluss brachte, noch einen Spielfilm zu der gleichen Thematik zu drehen.

Inwiefern die Legitimation eines Filmes wie The Kill Team, wie sie der Regisseur beschreibt, dessen Existenz zu begründen, sei dem Zuschauer überlassen. Leider hat der Verleih von einer Veröffentlichung der Dokumentation bislang abgesehen, obwohl diese bestimmt einen sinnvollen Zusatz zum Spielfilm bildet. So bleibt dem Zuschauer nur die persönlich-emotionale Perspektive, die vor allem von dem Nat Wolff gespielten Soldaten ausgeht. Dessen Glaube an Werte wie Gerechtigkeit wird innerhalb des Afghanistan-Einsatzes, aber ganz besonders unter der Leitung von dem von Alexander Skarsgård gespielten Deeks mehrfach auf die Probe gestellt und an den Rand des Zerbrechens gebracht.

Im Rahmen des von Dan Krauss geschriebenen Skriptes erforscht dieser die Dynamik einer Einheit von Soldaten, erforscht Werte wie Kameradschaft unter ihnen und wie sich die Männer unter einem entsprechenden Führungsstil ändern. Dies erinnert bisweilen an das berüchtigte Stanford-Prison-Experiment unter der Leitung des Psychologen Philip Zimbardo aus dem Jahre 1971, welches unter anderem die Auswirkungen von Macht und Kontrolle auf Menschen, auf Wärter und Gefangene untersuchte. In der Folge wird der Zuschauer Beobachter einer immer schrecklicher werdenden Transformation dieser jungen Männer, die durch die konsequente Ausübung ihrer Machtposition zu Monstern werden, unempfindlich für jegliche moralischen Fragen.

Was machen wir hier eigentlich?
Anders als eine Dokumentation, welche den größeren Kontext eines Vorkommnisses betrachten kann, bleibt The Kill Team innerhalb des Mikrokosmos der Einheit. Wie schon viele Kriegsfilme vor ihm, stellt auch Krauss‘ Film die Frage, wie man dem Krieg begegnet, wie man einer Kultur begegnet, welche in einem selbst nichts weiter sieht als einen weiteren Eroberer, der sich lieber hinter den tiefschwarzen Gläsern der eigenen Sonnenbrille versteckt hält. Der Ruf der Männer, einen Unterschied machen zu wollen, wie es im Film heißt, bleibt ungehört in der Wüste, sorgt für sich aufstauenden Frust und letztlich eine Wut, die sich irgendwann entladen wird und muss.

Konsequenterweise fängt die Kamera Stéphane Fontaine eben diese Tristesse des Alltags der Soldaten ein, das monotone Einerlei der Wüste, die in ihrer Weite eher beengend wirkt und zum einen das erdrückende Leben auf dem Militärstützpunkt, in dem man irgendwie versucht eine Art „Schein-Normalität“ zu leben.

Credits

OT: „The Kill Team“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Dan Krauss
Drehbuch: Dan Krauss
Musik: Zacarias M. De la Riva
Kamera: Stéphane Fontaine
Besetzung: Nat Wolff, Alexander Skarsgård, Adam Long, Jonathan Whitesell, Brian Marc

Bilder

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The Kill Team
„The Kill Team“ ist ein Drama darüber, wie der Krieg Menschen korrumpieren kann, zu Bestien machen kann. Regisseur Dan Krauss erforscht die Dynamik einer Militäreinheit, das Entstehen eines unaussprechlichen Verbrechens und dessen Folgen.
8von 10

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