Supervized

„Supervized“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 2019 (Kino)

Auch der größte Superheld kommt einmal in die Jahre. Und wenn das geschieht, dann landen sie in einem speziellen Altersheim namens Dunmanor, in einer schön beschaulichen Gegend in Irland. Zumindest ging es dort lang beschaulich zu. Als jedoch einer der Bewohner stirbt, ist sich Ray (Tom Berenger) aka. „Maximum Justice“ sicher: Da geht etwas nicht mit rechten Dingen zu! Die anderen – Ted (Beau Bridges), Madera (Fionnula Flanagan), (Louis Gossett Jr.) und Brian (Elya Baskin) –, wollen mit der Sache zunächst nichts zu tun haben. Schließlich ist Ray dafür bekannt, dass er sich mit seinem Altersruhesitz nicht angefreundet hat und gerne mehr Aufregung hätte. Aber was, wenn er doch mit seiner Vermutung Recht hat?

An Superhelden mangelt es derzeit nun wirklich nicht, weder im Kino noch im Fernsehen. Ein Großteil der Aufmerksamkeit gilt dabei natürlich den Vertretern aus den Comic-Archiven von Marvel und DC, Captain Marvel, Spider-Man: Far From Home und Joker spielten dieses Jahr allesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar ein. Von Avengers: Endgame ganz zu schweigen, der seit einigen Wochen den Titel als erfolgreichster Film aller Zeiten tragen darf. Da ist es mehr als verständlich, wenn auch abseits der beiden Platzhirsche die Augen groß werden. Schließlich ist der Bedarf an Superheldengeschichten so groß wie nie. Andererseits bedeutet es auch, sich gegen eine übermächtige Konkurrenz zur Wehr setzen zu müssen: Wer in einem solchen Umfeld überstehen will, der sollte schon etwas anderes bieten können.

Man ist nie zu alt, um ein Held zu sein
Anders sind die Figuren in Supervized sicherlich. Irgendwie aber auch nicht. Tatsächlich macht sich der Film einen Spaß daraus, Superhelden von einer sehr menschlichen Seite aus zu zeigen, wenn sie wie alle anderen alt werden, ein bisschen klapprig, am Ende so gar nicht mehr heldenhaft sind. Daraus hätte man vermutlich ein Drama machen können, das die existenziellen Aspekte des Heldendaseins näher beleuchtet. Oder etwas zum Thema Alter beizutragen hat. Beides ist nicht der Fall. Allgemein wollte man keine Geschichte, die etwas Relevantes zu sagen hat. Stattdessen nutzt man dieses doch recht ungewöhnliche Szenario, um sich in erster Linie über all die Figuren lustig zu machen und dabei den Superhelden-Film als solchen zu persiflieren.

Der Humor ist dabei relativ schlicht gehalten. Die satirischen Elemente sind zahm, der Film mag es lieber recht albern. Das erinnert stärker an Komödien von anno dazumal, etwa eines Mel Brooks oder auch des Trios Zucker, Abrahams & Zucker, die allesamt gerne mal bestehende Genres durch den Kakao zogen. An die Klasse dieser Komikurgesteine kommt Supervized jedoch leider nicht heran. Vor allem die erste Hälfte tut sich unheimlich schwer damit, aus der Materie etwas auch nur ansatzweise Interessantes zu machen. Immerhin vier Männer haben an dem Drehbuch gearbeitet, in verschieden starker Ausprägung. Doch trotz des verstärkten Brainstormings, bis auf die üblichen Altherrenwitze – wortwörtlich – ist da niemandem was eingefallen.

Ein bewusst billiger Spaß
Erst in der zweiten Hälfte nimmt Supervized dann mal ein wenig Fahrt auf, wenn sich der Film doch noch auf die eigene Unsinnigkeit und Absurdität einlässt. Es hat dann sogar einen ganz speziellen Charme, wenn sich die Senioren und Seniorinnen in lächerliche Kostüme pressen, deren Anblick gefährlicher ist als die Spezialfähigkeiten der Heldentruppe. Bei Letzteren fehlte dann auch jegliches Budget, von dem Effektegewitter der Hollywood-Brocken ist diese irische Indie-Produktion weit entfernt. Und doch macht genau das Spaß, eben weil dieser Trash mit sehr viel Augenzwinkern und Selbstironie einhergeht, sich das Ensemble mit viel Freude zum Affen macht.

Teile dieses Ensembles sind dann auch sehr sehenswert. Vor allem Fionnula Flanagan (Trash Fire, Havenhurst) macht eine gute Figur als Grande Dame der Superhelden, die sich von so jungem Frischfleisch nichts vormachen lässt. Andere haben sich dagegen etwas von der komatösen Stimmung des Altersheims anstecken lassen oder wissen selbst nicht, was sie mit dem dünnen Drehbuch anfangen sollen. Das ist trotz allem irgendwie nett und sympathisch, Supervized ist gut geeignet für einen Videoabend mit Freunden, guter Laune und viel Bier. Für einen Besuch im Kino reicht das hingegen eher nicht, dafür wird dann doch nicht genug geboten, um die große Leinwand rechtfertigen zu können.



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Supervized
Was passiert mit ausrangierten Superhelden? Sie landen in einem Superhelden-Altersheim! Das hätte jede Menge Stoff geboten, sowohl für eine dramatische wie auch satirische Richtung. Am Ende ist „Supervized“ aber eine relativ harmlose Komödie, die erst in der zweiten Hälfte Fahrt aufnimmt, wenn die Lust am Trash tatsächlich witzige Szenen hervorbringt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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