Jumanji The Next Level

„Jumanji: The Next Level“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 2019 (Kino)

Weihnachten heißt es für Spencer (Alex Wolff) wieder heim zur Familie! So richtig glücklich ist er darüber aber nicht. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er sich das Zimmer mit seinem mürrischen Großvater Eddie (Danny DeVito) teilen muss, der sich gerade von einer Hüftoperation erholt. Er tut sich auch schwer damit, wie sehr er sich von seinen Freunden entfremdet hat, mit denen er Jahre zuvor im Videospiel Jumanji ein großes Abenteuer überstehen musste. Als er sich nachts wieder in diese virtuelle Welt flüchtet, beschließen die anderen drei, nicht tatenlos zuzusehen und ihm hinterher zu reisen – wohl wissend, dass sie vielleicht nie wieder nach Hause kommen. Und schon finden sie sich in den vertrauten Körpern der Spielefiguren wieder. Aber etwas ist dieses Mal anders …

Als vor zwei Jahren Jumanji: Willkommen im Dschungel in den Kinos startete, war man sich sicher: Das wird nix! Eine Fortsetzung der Komödie Jumanji aus dem Jahr 1995? Ohne Robin Williams? Wer hielt das bitteschön für eine gute Idee? Aus diesem Grund wusste man 2017 auch gar nicht, was die größere Überraschung war. Nicht nur, dass der Film weit über 900 Millionen Dollar einspielte, obwohl in unmittelbarer Konkurrenz zu Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi angelaufen, womit er um ein Vielfaches erfolgreicher war als der Vorfahr. Nein, die Geschichte um vier Jugendliche, die in eine Videospielewelt hineingezogen wurden, und nun gemeinsam ein Abenteuer überstehen mussten, war tatsächlich sehr unterhaltsam. Ein Grund dafür war, dass die Teenager in völlig andere Körper schlüpften: Wenn eine Cheerleaderin plötzlich ein dicklicher Mann ist oder der Nerd zum Muskelprotz mutiert, dann war das eine Steilvorlage für jede Menge Situationskomik, ergänzt um eine schön absurde Videospielkomik mit leichtem Nostalgiefaktor.

Aus Fremden wurden Freunde
Das ist prinzipiell in dem direkten Nachfolger Jumanji: The Next Level ähnlich. Vieles wurde ziemlich direkt aus dem Überraschungshit übernommen, setzt auch ein bisschen Vorkenntnis voraus. Das funktioniert beim zweiten Anlauf dann natürlich wieder, wenngleich mit weniger Wirkung. Schließlich wissen sowohl die Protagonisten wie auch das Publikum bereits, was sie erwartet. Viele Pointen sind bereits bekannt, noch bevor man sie erzählt hat. Hinzu kommt: Mussten beim letzten Mal vier Jugendliche ohne viel Gemeinsamkeiten zusammenarbeiten, was automatisch zu diversen Reibungen führt, sind dieses Mal Freunde unterwegs – was spürbare Auswirkungen auf die Gruppendynamik hat. Harmonie ist meistens dann doch weniger witzig.

Jake Kasdan, der erneut Regie führte und auch am Drehbuch mitwirkte, war sich dessen jedoch glücklicherweise bewusst, und sorgte deshalb anderweitig für ein bisschen Abwechslung. Dass zusätzlich zu dem bekannten Quartett noch andere Figuren auftauchen, ist dabei die weniger spannende Neuerung, hat mehr etwas von einer Zusatzmission. Interessanter ist da, wie stark der Film dieses Mal auf eine emotionale Komponente setzt. Spencer, der sich zunehmend allein fühlt, die gescheiterte Beziehung zu Martha. Aber auch sein Großvater Eddie und dessen früherer Geschäftspartner und Freund Milo (Danny Glover) verändern die Konstellation stark.

Ein Ensemble mit Spaßgarantie
Überhaupt sind die Neuzugänge Gold wert, allen voran Danny DeVito. Wenn der Schauspielveteran mit abschätziger Miene und dahingerotzten Kommentaren klar macht, wie wenig er vom Alter, dem Leben und überhaupt allem hält, dann ist das für sich schon komisch genug. Wenn dann aber andere aus dem Ensemble eben diese Manierismen nachahmen, wenn die Figuren kreuz und quer mal andere Rollen übernehmen, dann gehört das zu den Höhepunkten des Films. An der Besetzung ist ohnehin nichts auszusetzen: Sowohl die Abenteuer-Avatare des letzten Mals – Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan und Nick Jonas – wie auch Neuzugang Awkwafina (The Farewell) gehen mit so viel Spielfreude zur Sache, dass es fast schon egal ist, wo sie sich aufhalten und was genau sie da tun.

Der zweite große Pluspunkt des Films: Heutzutage sind klassische Abenteuer nahezu völlig ausgestorben, weshalb Jumanji: The Next Level eine Lücke füllt, die sonst von Hollywood oft missachtet wird. Sicher, wenn hier alles in eine Videospiellogik gepresst wird und die Bilder alle fürchterlich künstlich aussehen, dann ist das nicht mehr ganz so klassisch. Trotzdem: Wie oft sieht man noch Helden, die über Hängebrücken balancieren, Hindernisse überwinden und sich tödlichen Fallen stellen müssen? Dass man von vornherein weiß, dass keiner der Figuren wirklich etwas passieren wird, mindert da nur geringfügig die Spannung. Insgesamt reicht das nicht ganz, um es mit dem Vorgänger aufzunehmen, es braucht auch schon eine Weile, bis das hier mal in Fahrt kommt. Film und Figuren sind aber sympathisch genug, dass auch ein dritter Teil nicht verkehrt wäre.



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Jumanji: The Next Level
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Jumanji: The Next Level
„Jumanji: The Next Level“ wiederholt im Prinzip noch einmal das, was den Vorgänger zu einem Überraschungshit machte. Das funktioniert beim zweiten Mal erneut, wenn auch weniger gut, da vieles bereits zu bekannt ist. Für Abwechslung sorgen dabei die neuen Figuren und eine veränderte Gruppendynamik, die mehr aufs Herz abzielt als beim Erstling.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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