Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 The Taking of Pelham One Two Three

„Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ // Deutschland-Start: 14. November 1974 (Kino) // 17. Oktober 2019 (Blu-ray)

Der Tag von Zachary Garber (Walter Matthau) fängt eigentlich ganz normal an. Während die New Yorker U-Bahn ihrer eigenen Routine folgt, übernimmt der Polizist gezwungenermaßen die Aufgabe einer Touristenführung durch das Nervenzentrum, die Schaltzentrale der U-Bahn, als plötzlich das Chaos ausbricht. Unbekannte Männer haben unter der Leitung eines Mannes, der sich nur als Mr. Blue (Robert Shaw) ausgibt, den Zug Pelham 123 entführt samt einiger Passagiere, die sie nun als Geiseln genommen haben. Falls sie nicht binnen einer Stunde von der Stadt eine Million Dollar erhalten, werden sie damit anfangen die Menschen zu erschießen. Während die ganze Stadt nach und nach in Schrecken und Aufregung versetzt wird durch das unvermeidliche Chaos in der U-Bahn, versucht Garber, der als Einziger mit Blue verhandelt, die Ruhe zu bewahren. Um ihn herum laufen die Gespräche mit der Polizei und der Stadtverwaltung, doch die Zeit wird knapp und die Geiselnehmer halten sich unerbittlich an ihren Zeitplan.

Der Terror in der Welt
Basierend auf der Romanvorlage John Godeys erzählt der in Deutschland unter dem dramatischen Titel bekannte Thriller Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 von einer U-Bahn-Entführung. Godey selbst war, nach eigener Angabe, ein Bewunderer der Technik, die unter anderem in Untergrundbahnen und bei deren Koordination benutzt wurde, was man deutlich an der Einführung des Charakters, den Walter Matthau im Film spielt, sieht. Dieser Authentizitätsanspruch, dem das Skript Peter Stones folgte, wurde von ersten Testzuschauern des Films gar als eine Art Handreichung interpretiert, wie man nun tatsächlich einen solchen Zug entführt und mit einer Geiselnahme Erfolg hat. Regisseur Joseph Sargent versuchte die Wogen zu glätten, indem er betonte, dass es sich immer noch um einen Film handele und dass er sowie sein Team sich ihrer Verantwortung bewusst seien.

Vor dem Hintergrund der immer wieder gern geführten Diskussion, dass Medien wie Filme oder Videospiele den Ursprung für Gewaltexzesse sein können, kann man über diese Bedenken vielleicht schmunzeln. Ein flüchtiger Blick alleine auf die ersten 15 Minuten des Filmes ergeben allerdings ein anderes Bild, denn gerade der Lärm eines Untergrundbahnhofs sowie die individuellen Charakteristiken der Passagiere ergibt ein glaubhaftes Szenario des Alltags, wie man ihn kennt. Unheilschwanger begleitet die dramatische Musik David Shires das Eintreffen der Geiselnehmer, die den Zug an unterschiedlichen Stationen betreten und man ahnt schon, dass dieses Bild des Alltags schon bald empfindlich gestört wird.

Das unnachgiebige Ticken der Uhr
Nebenher zeigt Sargents Film die Büros der New Yorker U-Bahn als jenes Nervenzentrum, das alles zusammenzuhalten versucht. Menschen wie Garber sind es, die hier ihrer an sich meistens langweiligen Routine nachgehen, zunächst gelassen und ruhig bleiben, jedoch von einer immensen, stetig wachsenden Anspannung definiert sind – man spürt, wenn dieser Mann aufgibt, ist alles verloren. Die blinkenden Lichter der Anzeigetafel, die schnellen Schnitte, wenn Polizei, Garber und Blue miteinander kommunizieren, deuten immer wieder auf die ablaufende Zeit hin, eine Währung, um die Garber versucht zu feilschen mit einem Mann, der stur bei seinem Ablauf verbleibt. Abermals ist die meisterhafte Musik David Shires, die wie ein Metronom die Sekunden zählt, die ablaufen für Garber, die lebenswichtig sind für die Menschen im Zug 123.



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Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123
„Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ ist ein spannender, mitreißender Thriller, der durch seine tolle Besetzung, die meisterhafte Musik David Shires und ein in wichtigen Punkten authentisches Szenario bis heute überzeugt. In der ansonsten eher unspektakulären Filmografie Joseph Sargents stellt der Film einen Höhepunkt dar, der sein Remake von 2009 in allen Belangen in die Schranken verweist.
9von 10

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