Ein verhaengnisvoller Plan

„Ein verhängnisvoller Plan“ // Deutschland-Start: 14. Oktober (TV)

Beruflich läuft es gerade bei Familie Brenner. Während Jan (Benjamin Sadler) bei der Polizei richtig Karriere macht, startet seine Frau Kathrin (Jördis Triebel) als Politikerin durch. Doch dann kommt alles anders. Dass die Affäre mit einer Journalistin keine besonders schlaue Idee ist, das weiß Jan selbst. Aber das viel größere Problem ist: Als er am nächsten Morgen aufwacht, liegt sie tot neben ihm, stranguliert mit seiner eigenen Krawatte. Als Polizist kennt er natürlich die Tricks, wie er die Spuren verwischen kann. Dachte er. Irgendjemand scheint ihm dabei aber ständig dazwischenfunken zu wollen. Und überhaupt, wer hätte ein Motiv, die Journalistin umzubringen und ihm die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen?

Ein ehrgeiziger Polizist mit fragwürdigem Charakter im Fernduell mit Mister X, das ist doch immer eine nette Konstellation, zumindest aus Sicht des Publikums. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit – vermeintlich – ungewissem Ausgang, das unterwegs viele Verstrickungen, Wendungen und brenzlige Situationen bietet. Letztere halten sich bei Ein verhängnisvoller Plan jedoch in Grenzen. Erst gegen Ende hin wird das Tempo mal ein bisschen angehoben und gezeigt, dass es auch um Lebensgefahr geht. Dafür stehen mehr das psychologische Duell und die vielen Fragen im Mittelpunkt, die eine solche Geschichte automatisch mit sich bringt.

Ist das euer Ernst?
Die Fragen werden sogar beantwortet, wenn auch nicht unbedingt immer auf die befriedigenste Weise. Einiges ist vom Ablauf her schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Wenn der Täter beispielsweise alles minutiös vorbereitet, dann aber Fingerabdrücke hinterlässt, als wäre er von seinem eigenen Auftritt überrascht, dann ist das schon etwas faule Drehbucharbeit. Und auch bei der Motivation wurde nicht alles komplett bis zum Ende gedacht, da ergibt einiges schlichtweg keinen Sinn, auf keiner von beiden Seiten. Anders gesagt: Der im Titel formulierte Plan ist überhaupt keiner. Das könnte Krimifans irritieren, die bei einem Film immer gern ein wenig miträtseln, hier jedoch ins Leere laufen.

Andererseits: Ein verhängnisvoller Plan gibt einem ohnehin nur wenig Stoff, über den man nachdenken kann. Was hinter dem Ganzen steckt, das wird relativ schnell klar, da die Geschichte nicht einmal versucht, parallele Stränge aufzumachen. Es gibt nur ein Thema, also muss es auch damit zu tun haben. Gleiches gilt für die Identität von X, die irgendwann dann enthüllt wird, ohne dass man zuvor irgendwelche Alternativen aufgezeigt bekommen hätte. Wer sich erhofft hat, der durch die Eberhofer-Filme (Sauerkrautkoma, Leberkäsjunkie) bekannt gewordene Regisseur Ed Herzog könnte hier mal richtige Krimikost anbieten, der wird erneut enttäuscht. Die Atmosphäre ist zwar deutlich düsterer, inhaltlich ist das aber ebenso dünn wie die bayerischen Mordspossen.

Und was passiert jetzt …?
Und doch bleibt man natürlich schon bis zum Ende, weil man irgendwie neugierig ist, wie das Ganze ausgeht und ob das Folgen hat für Jan. Außerdem muss man sich das erst einmal trauen: Anders als viele Genreverwandte, bei denen Unschuldige fälschlich verdächtigt werden und auf der Flucht sind, geht der Protagonist bei Ein verhängnisvoller Plan nicht unbedingt als großer Sympathieträger durch. Wobei das für nahezu jede Person gilt, die irgendwann einmal auftaucht, vom Kind bis zur Polizeichefin, von der Ehefrau bis zur Journalistin – man ist am Ende froh, sie alle wieder losgeworden zu sein. Sich selbst in irgendjemandem wiederfinden und mitfühlen? Das ist da kaum möglich.

Insgesamt ist Ein verhängnisvoller Plan, das auf dem Filmfest München 2019 Premiere feierte, daher auch nur ein durchwachsener Beitrag zur abendlichen Krimirunde. Man nimmt Benjamin Sadler (Ein Atem) zwar durchaus ab, dass er im Laufe der Vertuschungen und Ermittlungen zunehmend die Nerven verliert. Das überträgt sich jedoch nur zum Teil aufs Publikum, richtige Hochspannung will hier dann doch nicht auftreten, selbst wenn der Kommissar panisch durch die Gegend rennt. Wer sich nur irgendwie den Montagabend vertreiben will und eine Schwäche für solche Krimithriller hat, der schaut rein. Man verpasst aber auch nicht viel, sollte man es vergessen.



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Ein verhängnisvoller Plan
3.64 (72.78%) 36 Artikel bewerten

Ein verhängnisvoller Plan
Wenn in „Ein verhängnisvoller Plan“ ein Polizist auf der Flucht vor der Wahrheit ist und sich ein Fernduell mit Mister X liefert, der ihm etwas anhängen will, dann verspricht das spannende Kost. Der Krimithriller ist das aber nur zum Teil, schwächelt sowohl beim schlichten wie unsinnigen Drehbuchbuch und irritiert zudem durch die vielen unsympathischen Figuren.
5von 10

3 Responses

  1. Klaus D.

    Wer, himmelhilf, ist „Fred Markowski“ (oder so ähnlich), den man am Schluss auf einer Tonaufzeichnung hört und der die Morde gesteht?!? …und wieso wirft der Kommissar dies Gerät/diesen Beweis ins Wasser?

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    • natascha

      Der richtige Täter dürfte damals gestanden haben, aber Jan Brenner hat das unter den Tisch fallen lassen, um seine Karriere voranzutreiben. Er wirft das Handy mit der Aufnahme ins Wasser, damit auch sonst keiner davon Wind bekommt.

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