You Will Die at Twenty

„You Will Die at Twenty“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Zuerst sind die Eltern überglücklich, als ihr Kind geboren wurde. Alles ging gut, Muzamil ist gesund. Doch dann eröffnet der weise Mann des sudanesischen Dorfes, dass der Junge mit 20 Jahren sterben wird, so will es die Prophezeiung. Das ist für alle ein Schock, der Vater sucht daraufhin sogar das Weite. Während Muzamil versucht, ein normales Leben zu führen, so ist es doch gezeichnet von der Weissagung, die wie ein Schatten über allem hängt. Nun ist Muzamil (Mustafa Shehata) 19 Jahre alt und muss sich die Frage stellen: Wie will er damit umgehen? Wird er die verbleibenden Monate noch genießen können, bevor das Unglück geschieht? Und was, wenn die Prophezeiung gar nicht eintritt?

Die Zeit der Aufklärung liegt mittlerweile ein paar Jahrhunderte zurück, und lässt man einmal Religion außen vor, gibt es heute keinen Grund mehr, an eine kosmische Vorherbestimmung zu glauben. Theoretisch. Und doch sind Horoskope nicht aus Zeitschriften wegzudenken, Glücksbringer werden nach wie vor verkauft, der eine oder andere pflegt vielleicht auch kleine abergläubische Rituale. Alles nur ein Spaß? Vielleicht. Andererseits, man weiß ja nie, schaden kann es nicht, sich für alle Fälle ein bisschen schlau zu machen oder auch darauf vorzubereiten. Egal wie unwahrscheinlich das Ganze auch ist.

Tödliches Schicksal?
Nun ist es eine Sache, das Versprechen auf die große Liebe oder unförmige Bleigießobjekte als Blödsinn abzutun. Dir zu sagen, dass du sterben wirst, das ist schon eine ganz andere Geschichte. Solche Prophezeiungen bieten sich eigentlich für Horrorfilme an, eventuell auch für schwarze Komödien. Regisseur und Co-Autor Amjad Abu Alala macht daraus in You Will Die at Twenty ein Drama mit starken Coming-of-Age-Elementen. Denn nur weil jemand dem Tod geweiht ist, hört er ja nicht gleich auf zu leben. Vor allem nicht, wenn es sich um einen jungen Menschen handelt, der noch gar nichts von der Welt gesehen hat und darauf drängt, diese kennenzulernen, trotz der düsteren Aussichten.

Der Film selbst stellt diese Prophezeiung gar nicht in Frage, was für ein westliches Publikum recht kurios wirkt. Doch die sudanische Co-Produktion – You Will Die at Twenty ist erst der achte Spielfilm des nordostafrikanischen Landes – ist so sehr Teil einer ganz eigenen, magisch angehauchten Welt, dass dies kein echter Störfaktor ist. Kontraste gibt es in dem Film dafür natürlich schon, sehr viele sogar. Der Kontrast zwischen dem Leben und Tod, zwischen der überfürsorglichen Mutter, die ihren Sohn von der Welt abschirmt, und dem jungen Mann, den es nach draußen dringt, der alles sehen will, alles wissen und erlernen.

Bilder einer fremden Welt
Dabei gibt es bei dem Drama, das bei den Filmfestspielen von Venedig 2019 Premiere feierte und dort als bester Debütfilm ausgezeichnet wurde, selbst jede Menge zu sehen. Amjad Abu Alala und sein Kameramann Sébastien Goepfert (As I Open My Eyes) haben wunderbare Aufnahmen auf die Leinwand geholt, voller Farben, voller Licht, voller Leben. Es liegt ein eigener Zauber auf den einfachen Häusern, denen die Zeit nichts anhaben kann. Auf dem glitzernden Wasser, durch das die kleinen Bötchen rudern, die Boten einer anderen Welt. Ein Zauber, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Inhaltlich ist das nicht immer ganz so zauberhaft. So gibt es einzelne Szenen, deren Sinn sich einem nicht wirklich erschließt – selbst wenn man die Prophezeiung als Szenario akzeptiert. Amjad Abu Alala macht auch nicht immer etwas aus den Themen, die er so anschneidet. Die Romanze zwischen Muzamil und Naima (Bunna Khalid) wird nie entwickelt, die religiöse Komponente bleibt ohne Folgen. Und auch die Frage, was das mit einem macht, wenn man um jemanden trauern muss, der überhaupt nicht tot ist, wird nicht wirklich befriedigend beantwortet. Und doch ist You Will Die at Twenty ein beeindruckendes Debüt, dem hoffentlich noch weitere Werke folgen werden, und sei es nur, um den Sudan kennenzulernen, das sich erst langsam wieder der Filmwelt öffnet.

You Will Die at Twenty
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You Will Die at Twenty
„You Will Die at Twenty“ nimmt uns mit in den Sudan, wo ein Junge einer Prophezeiung nach mit zwanzig sterben muss. Das wunderbar bebilderte Drama hinterfragt diese Prophezeiung nicht, sondern zeigt, wie ein Jugendlicher trotz allem raus und die Welt erkunden will. Das hinterlässt offene Fragen, ist aber ein sehenswerter Film mit einer leicht zauberhaften Atmosphäre.
7von 10

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