Killerman

„Killerman“ // Deutschland-Start: 8. August 2019 (Kino) // 13. Dezember 2019 (DVD/Blu-ray)

So ganz legal ist das ja nicht, was Moe Diamond (Liam Hemsworth) da tut. Aber es bringt gut Geld: Als Geldwäscher für den berüchtigten Drogen-Paten Perico (Zlatko Buric) ist er Teil eines eingespielten Teams. Bis er auf Skunk (Emory Cohen) hört, den Neffen Pericos. Denn der würde gern noch ein bisschen mehr verdienen und investiert daher das Geld seines Onkels in Drogengeschäfte. Dummerweise stoßen sie dabei aber ausgerechnet auf zwei überaus korrupte Cops, die etwas ganz anderes mit den Drogen vorhatten und nun hinter den beiden her sind. Einen verheerenden Autounfall überleben sie dabei zwar, doch seither leidet Moe an Gedächtnisschwund, was die Situation noch weiter verkompliziert.

Die Polizei ist dafür da, die Einhaltung der Gesetze sicherzustellen. Eigentlich. Dass sie manchmal dabei eine etwas andere Vorstellung davon hat, was Recht und Ordnung bedeutet, das wissen wir nicht nur aus erschütternden Beispielen US-amerikanischer Polizeigewalt. Wir wissen das auch aus Filmen. Meistens gibt es in Letzteren dann aber jemanden, der sich in irgendeiner Form dagegenstellt – Kampf gegen die Korruption! – oder die zumindest als klares Opfer das Mitleid des Publikums bekommen. So oder so: Wenn Polizisten die Bösen sind, braucht es als Ausgleich jemand Gutes, so will es das Filmgesetz.

Auf der Suche nach Helden
Was aber, wenn die fehlen? Das ist eine von mehreren Fragen, die einem beim Abschauen von Killerman durch den Kopf schwirren. Sicher, Regisseur und Drehbuchautor Malik Bader hat es schon darauf angelegt, dass Moe und Skunk die Identifikationsfiguren sind. Schließlich wurde ja Liam Hemsworth (Die Tribute von Panem – The Hunger Games) dafür gecastet. Und wer aussieht wie er, der muss automatisch der Held sein. Andererseits, Verbrecher anzufeuern, ist schon eine kleine Zumutung, umso mehr, wenn es Drogenhändler sind oder sie zumindest ihren Anteil daran haben. Will ich wirklich, dass sie davonkommen, nur weil sie das kleinere Übel sind?

Das wäre eine interessante moralische Frage. Wirkliches Interesse an ihr hat Bader jedoch nicht. Stattdessen hat er einen an und für sich recht konventionellen Action-Thriller gedreht, in der ständig irgendwer irgendwen bedroht, wenn nicht gleich tötet, oder sie sich zumindest gegenseitig verfolgen. Eine Geschichte dafür braucht es meistens nicht wirklich. Sie interessiert hier auch nicht besonders. Das Thema der Amnesie ist beispielsweise über weite Strecken irrelevant in Killerman, wird nur dann und wann wieder angesprochen, wenn es gerade in den Kram passt. Dabei wäre es durchaus spannend gewesen, wie ein Mensch damit umgeht, wenn er erfährt: Verdammt, ich bin ein Krimineller! Aber nichts da.

Moment, wie, was war das gerade?
Dafür hat Killerman andere Qualitäten. Der körnige Look zum Beispiel, der den Eindruck erweckt, als hätte der Film schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Dazu passt dann auch der Inhalt, der sehr viele Klischees aufwärmt und Frauen nur die Rolle der Freundin übrig lässt. Progressiv ist der Action-Thriller sicher nicht, will es auch gar nicht sein. Und doch wird die geradlinige Geschichte immer wieder durch kleine unvorhergesehene Momente gestört. Beispielsweise wird der Film sehr viel brutaler, als man es erwarten durfte, und lässt einen zumindest an einer Stelle ungläubig auf die Leinwand starren – sofern man den Anblick überhaupt erträgt.

Doch die größte Bombe wirft Bader zum Schluss. Es ist ein Schluss, an dem sich sicher auch die Geister scheiden werden. Von dem man gar nicht sagen kann: Ist das mutig? Ist das clever? Oder einfach nur Trash? Immerhin bleiben einem diese Störfeuer über die Credits hinaus, was bei dieser Art Film nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Gut ist Killerman deswegen nicht, bestenfalls Mittelmaß. Allerdings ist der Weg in diese Gesamt-Mittelmäßigkeit auf seine Weise so irritierend, dass man allein deswegen reinschauen kann. Interessanter als die vielen Rache-Thriller, die überall im B-Movie-Segment aufploppen, ist dieses Chaos hier zumindest schon.



(Anzeige)

Killerman
3.6 (72%) 5 Artikel bewerten

Killerman
Ein Geldwäscher leidet nach einem Unfall an Gedächtnisverlust, während andere Verbrecher und korrupte Polizisten hinter ihm her sind, das ist ein nicht ganz alltägliches Szenario für einen Actionfilm. „Killerman“ hat auch noch andere irgendwie interessante Irritationen auf Lager, die für die krumme Geschichte entschädigen, auch wenn der Film das nie konsequent verfolgt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.