Kursk

„Kursk“ // Deutschland-Start: 11. Juli 2019 (Kino)

Als das russische U-Boot K-141 Kursk im August 2000 ausläuft, konnte keiner ahnen, welche Katastrophe bevorstehen würde. Eine Explosion an Bord führt dazu, dass das U-Boot schwer beschädigt auf den Meeresboden sinkt. Gerade einmal 23 Männer der 118 Besatzungsmitglieder, darunter Kapitänleutnant Mikhail Kalekov (Matthias Schoenaerts), gelingt es, sich in einen sicheren Abschnitt zu retten, um dort auf Hilfe zu warten. Doch eben diese kommt nicht. Während Mikhails Frau Tanya (Léa Seydoux) und die anderen Angehörigen Aufklärung einfordern, schaltet die russische Regierung auf stur und verweigert jede Information oder auch Hilfe aus dem Ausland.

Das Unglück um die 118 Männer, die an Bord des untergegangenen russischen U-Bootes gefangen waren, war seinerzeit international in den Schlagzeilen – auch weil letztendlich keiner wusste, ob die Besatzung noch am Leben war und diese gerettet werden konnte. Fast zwanzig Jahre sind seither vergangen, zumindest außerhalb Russlands ist die Geschichte in Vergessenheit geraten – zu viele andere Unglücke geschehen täglich, als dass man sich daran erinnern könnte. Kursk soll nun genau das tun: Das Schicksal der Menschen in Erinnerung rufen, die aufgrund fehlerhafter Technik, aber auch menschlichen Fehlverhaltens ihr Leben verloren.

Das darf man doch nicht zeigen!
Dass Filme, die sich kritisch mit Russland oder der eigenen Geschichte auseinandersetzen, etwas heikel sein können, haben diverse andere Beispiele gezeigt. Ob nun Leviathan, das nur in einer zensierten Fassung gezeigt werden durfte, oder Mathilde – Liebe ändert alles, das aufgrund angeblich anti-russischer Tendenzen Ziel von Boykottaufrufen wurde, Filmemacher müssen immer wieder mit Gegenwind rechnen, wenn ihr Werk nicht dem positiven Bild entspricht, das konservative Kräfte dort propagieren. Es wundert daher auch nicht, dass entgegen früherer Zusagen Kursk nicht auf russischem Boden gefilmt werden durfte – man wollte wohl doch nicht, dass so genau hingeschaut wird, was damals geschehen ist.

Andererseits irritiert es auch, dass der Film eine durch und durch westliche Angelegenheit geworden ist. Regie führte der Däne Thomas Vinterberg (Das Fest, Die Jagd), die Vorlage liefert ein Buch des Briten Robert Moore, auch die Besetzung ist durch und durch westlich. Die Hauptrolle übernahm der Belgier Schoenarts, seine Frau wird von der Französin Seydoux gespielt, an Bord des U-Boots befinden sich eine Reihe deutscher Schauspieler – darunter Matthias Schweighöfer und Pit Bukowski –, Colin Firth ist als britischer Commodore mit dabei. Russische Darsteller und Darstellerinnen? Die gibt es in Kursk praktisch gar nicht, was zusammen mit dem nicht unbedingt differenziert ausgestalteten Porträt der russischen Regierung geradezu Kritik provoziert – selbst bei Nicht-Russen.

Zu viel auf einmal
Aber auch die filmische Umsetzung ist nicht ganz geglückt. Kursk, das auf dem Toronto International Film Festival 2018 Premiere hatte, teilt die Geschichte in drei Stränge auf. Der eine zeigt die Männer an Bord des U-Boots, die um ihr Überleben kämpfen, ein zweiter schwenkt zu den Frauen, die ebenso verzweifelt Antworten suchen. Und dann wäre da noch die politische Ebene, wenn hinter den Kulissen darum verhandelt wird, wie es denn nun weitergehen soll. Als Idee ist das durchaus plausibel, Spannung, Emotionen und der Frust über die zu langsamen Fortschritte miteinander verbinden zu wollen. In der Realität klappt das jedoch nicht so gut, wie es die Macher wohl gern gehabt hätten. Keine der Stränge entwickelt sich wirklich weiter, trotz einer Laufzeit von zwei Stunden geht hier nichts voran.

Einzelne Höhepunkte gibt es natürlich, darunter eine ausgedehnte Tauchsequenz, bei der einem auch als Zuschauer der Atem stockt. Allgemein sind die Szenen im U-Boot die spannenderen, auch wenn sie es nie mit denen reiner Katastrophenfilme aufnehmen können. Dafür wird auch zu wenig Zeit auf die Figuren verwendet: Abgesehen von Mikhail, der stellvertretend für die gesamte Besatzung steht, gewinnt man kein Gefühl für die Menschen, die damals ihr Leben verloren. Was eine Erinnerung an eine Tragödie sein sollte, wird so zu einem Historienfilm, in dem zwar ständig etwas los ist, aber nur wenig haften bleibt. Ein Film, der sehr viel weniger bewegt, als es die Nachricht seinerzeit getan hat.



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Kursk
3.7 (74%) 10 Artikel bewerten

Kursk
„Kursk“ erinnert an das Unglück im Jahr 2000, als ein russisches U-Boot mit 118 Männern an Bord versank. Der Film versucht, durch drei parallel verlaufende Handlungsstränge die Spannung hochzuhalten, verzettelt sich dabei jedoch und gewinnt nur hin und wieder die notwendige Intensität – auch weil zu viele Figuren schematisch bleiben.
6von 10

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