Toy Story 4

„A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ // Deutschland-Start: 15. August 2019 (Kino)

Viele Jahre waren sie beste Freunde, Andy und sein Spielzeug-Cowboy Woody. Doch alles hat einmal ein Ende: Als Andy aufs College ging, gab er all seine Figuren an die kleine Bonnie weiter. Nun steht bei ihr der erste Tag an der Vorschule an, und wie es sich für ein gutes Spielzeug gehört, will Woody ihr bei dieser schwierigen Erfahrung beistehen. Dabei hat er bald große Konkurrenz in Form einer Spielzeug-Gabel, die Bonnie bastelt und auf den Namen Forky taucht. Dumm nur, dass Forky überhaupt kein Spielzeug sein will und jede Gelegenheit nutzt, um sich selbst in den Mülleimer zu werfen. Als er während eines Ausflugs mal wieder ausbüxt, bleibt für Woody nichts anderes übrig, als dem Ausreißer zum Wohle von Bonnie nachzulaufen – und trifft dabei eine alte Bekannte wieder …

Dass Disney nicht unbedingt Skrupel dabei hat, alte Titel wieder und wieder und wieder aufzuwärmen, das verdeutlicht wohl kein Jahrgang besser als 2019. Neben den Fortsetzungen bei Marvel und Star Wars gibt es drei Live-Action-Remakes vergangener Zeichentrickhits, plus den Nachfolger von Die Eiskönigin – Völlig unverfroren. Neuentwicklungen? Sorry, sind nicht drin, vielleicht im nächsten Jahr wieder. Der Verdacht liegt daher nah, dass auch der vierte Teil der Pixar-Reihe Toy Story Symptom dieses Fortsetzungswahns ist. Denn eigentlich war die Geschichte seinerzeit ja schon in Toy Story 3 mit dem Abschied von Andy und seinem Spielzeug abgeschlossen.

Ein Spielzeug zwischen allen Stühlen
Zumindest in Deutschland schien man sich damit auch nicht ganz wohlzufühlen. Während daheim der neueste Teil den klassischen Fortsetzungstitel Toy Story 4 erhielt, wurde hierzulande das etwas sperrige A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando draus. Dass das hier ein Nachfolger der Trilogie ist, wird auf diese Weise nicht deutlich. Es klingt vielmehr nach den Spin-offs A Star Wars Story bzw. dem eigenen Kurzfilm Toy Story of Terror!. Und irgendwie ist das auch gar nicht so verkehrt, denn der neue Film um die sprechenden Spielzeugfiguren setzt einerseits die Geschichte fort und ist doch Nebenschauplatz, eine Mischung aus Abschluss und Neuanfang.

Die schlechte Nachricht vorweg: In A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando tauchen zwar viele Figuren aus den Vorgängern auf, deren Rollen sind aber recht klein gehalten. Buzz Lightyear beispielsweise wird zu einem uncharakteristisch unbedeutenden Nebendarsteller. Doch die gute Nachricht ist: Man hat einen mehr als würdigen Ersatz für die alte Truppe gefunden. Die beiden vorlauten Plüsch-Neuzugänge Ducky und Bunny durfte das Publikum schon ausgiebig durch die Trailer kennenlernen und erfreuen mit ihrem Hang zu den unsinnigsten Plänen. Während diese für den komischen Teil zuständig sind, kommen durch neue Gegenspieler*innen die Spannungsmomente hinzu – so viel Spannung, dass einige von ihnen auch in Horrorfilmen nicht fehl am Platz wären.

Ein großer Spaß für alle
Allgemein ist A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando erneut ein Wechselbad der Gefühle, im positiven Sinn. Kaum eine Reihe schafft es vergleichbar gut, eine derart große Zielgruppe anzusprechen, von den Kleinsten bis zu Erwachsenen, und dabei eine solche Mischung aus Stimmungen einzubauen. Mal ist der Film schreiend komisch, wenn sich die Spielzeuge für absurde Rettungsaktionen zusammenrotten, mal geht er direkt zu Herzen. Vor allem gegen Ende hin zeigt Regie-Neuling Josh Cooley, dass er seinen Vorgängern nicht nachsteht und aus an und für sich unbelebten Gegenständen so viel Leben und Wärme herauszuholen weiß, dass so mancher Live-Action-Kollege beschämt danebensteht.

Rein visuell zeigt sich A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando ohnehin makellos und setzt das ruhmreiche Erbe nahtlos fort. Wo das heute hoffnungslos veraltete Toy Story vor 24 Jahren noch Geschichte schrieb als erster abendfüllender CGI-Film, da ist der Enkel eine einzige Wonne und absolutes Referenzmaterial. Die Art und Weise, wie Pixar eine kleine Welt ganz groß werden lässt und selbst Unbedeutendes bis zum Rand mit Details vollstopft, untermauert einmal mehr den Ruf als Edelschmiede. Zu bemängeln gibt es an dem Film nur wenig: Einzelne Motive wirken schon etwas abgenutzt, der eine oder andere Witz beginnt sich zu wiederholen, ein bisschen tritt die Reihe auch auf der Stelle. Aber solang dennoch ein Animationswunder wie dieses dabei rausspringt, dürften sich nur die wenigsten ernsthaft daran stören.

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando
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A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando
„A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ setzt einerseits die Geschichte der Vorgänger fort, bewegt sich aber auch weg davon und tritt doch ein wenig auf der Stelle: Der Film ist eine eigenartige Mischung aus Abschied, Erinnerung und Neuaufbruch. Die Ausführung ist dabei jedoch erneut erstklassig: Das Abenteuer der sprechenden Spielzeuge kombiniert Humor, Herz und Spannung und ist visuell wie immer absolutes Referenzmaterial.
8von 10

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