A Private War

„A Private War“ // Deutschland-Start: 22. März 2019 (DVD/Blu-ray)

Marie Colvin (Rosamund Pike) will die Geschichten derer erzählen, die im Krieg am meisten leiden und nur hilflos zusehen können, was um sie herum geschieht. Und so reist die Kriegsjournalistin seit Jahren in die gefährlichsten Gebiete, um für die Sunday Times vom Ort des Geschehens zu berichten. Während ihres Aufenthalts in Sri Lanka gerät sie unter Beschuss und verliert dadurch ein Auge. Aber auch diese Erfahrung ändert nichts an ihrer Entschlossenheit, weiter über die Schicksale zu berichten, die ohne sie weiter im Verborgenen blieben. Mit ihrem neu gewonnen Markenzeichen, einer Augenklappe, und ihrem Fotografen Paul Conroy (Jamie Dornan) macht sie sich auf den Weg nach Homs, wo der arabische Frühling gerade unter Bomben begraben wird. Die Reise dorthin sollte dem Fotografen Paul nicht nur aufgrund der bemerkenswerten Arbeit von Marie in Erinnerung bleiben.

A Private War basiert auf dem Leben der preisgekrönten Journalistin Marie Colvin, die 2012 in Syrien während eines Angriffs auf Homs ums Leben kam. Der Film arbeitet ihr Leben im halbdokumentarischen Stil auf und bringt dem Zuschauer damit zugleich auch eindrucksvoll die schwierige Arbeit des Kriegsjournalismus näher, die in heutigen Zeiten wichtiger denn je ist.

Doppelt informativ
Zeitgleich zur Veröffentlichung von A Private War erscheint die Dokumentation Under the Wire, die auf Paul Conrays Buch basiert, mit seinen Originalaufahmen arbeitet und dieselbe Geschichte erzählt. Unweigerlich mit dem Film verknüpft, bietet die Dokumentation mehr Hintergrundinformationen und auch einen noch ausführlicheren Einblick in die Situationen in der sich Marie und Paul später befinden werden. Allerdings ist zu sagen, dass der Spielfilm auch problemlos als eigenständiges Werk angesehen werden kann und Under the Wire an dieser Stelle nur ein empfohlener Zusatzbeitrag ist.

Die Regie für A Private War übernahm Matthew Heinemann, selbst geschätzter Dokumentarfilmer (Cartel Land), der hier sein Spielfilmdebüt feiert. Sein Können in dem Bereich erweist sich für diesen Film als großer Vorteil. Und ganz nach der Überzeugung Maries, sich auf die Geschichten der betroffenen Menschen zu konzentrieren, nimmt er sich ebenfalls die Zeit, um den Zuschauern genau das näherzubringen. Szenen die Marie und Paul beispielsweise bei der Arbeit zeigen, werden vergleichsweise ausgedehnt, um auch auf trauernden oder wütenden Angehörigen der Kriegsopfer eingehen zu können. Diese Situationen fängt Heinemann mit subtiler Musik und dezenten, aber beeindruckenden Bildern ein.

Das Gefühl von Authentizität
Und tatsächlich sind viele der Komparsen Flüchtlinge aus Syrien. Sie verhelfen dem Film damit sogar zu noch mehr Authentizität. Viele Gefühle, die im Film zu sehen sind, spiegeln ähnliche Erlebnisse der Menschen wider. Dieser Umstand hatte auch Auswirkungen auf das Schauspiel von Rosemund Pike (Gone Girl – Das perfekte Opfer), die Marie Colvin verkörpert. Sie selbst sagte, dass es für sie stellenweise schwierig war, die entsprechenden Gefühle sofort abzurufen zu können. Und wenn dann Szenen auf sie zukamen, in denen die Nebendarsteller ihre Erinnerungen durchmachten, war sie sich nicht sicher, ob sie dem überhaupt gerecht werden und genauso echt wirken kann.

In diesem Zuge ist es im Vergleich mit der Dokumentation aber schön zu sehen, dass es Rosemund Pike schafft, Marie die nötigen Facetten zu geben, damit der Zuschauer auch mit ihr mitfühlen kann, sie als Menschen näher kennenlernen kann und nicht nur ihre entschlossene, starke Seite sieht. Ihr ist das Porträt der Journalistin hier sehr gelungen. Auch bemerkenswert an dieser Stelle zu erwähnen ist Jamie Dornan (Fifty Shades of Grey) als Paul Conroy. Beide harmonieren sehr gut und absolut glaubwürdig zusammen.

A Private War
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A Private War
"A Privat War" besticht letztendlich durch seine Authentizität, die spannende, emotionale Erzählweise und eine hervorragende Regie sowie Kameraarbeit. Er schafft es das Leben der Kriegsreporterin Marie Colvin beeindruckend darzustellen, ohne es aber dabei zu glorifizieren. Zusammen mit der enthaltenen Dokumentation entsteht ein respektvolles, detailliertes und bemerkenswertes Porträt einer Frau, die kein Risiko scheute, um der Welt vom Schicksal derer zu erzählen, die im Krieg stillschweigend am tapfersten waren und heute noch sind.
8von 10

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