Outrage Beyond

„Outrage Beyond“ // Deutschland-Start: 27. Mai 2016 (DVD/Blu-ray)

Mächtig ist der von Kato (Tomokazu Miura) geführte Yakuza-Clan Sanno. Und er soll noch mächtiger werden, indem Verbindungen zu den höchsten Ebenen der Politik und Wirtschaft ausgebaut werden. Das wiederum stößt in anderen Kreisen auf Missfallen, die Sanno lieber eine Nummer kleiner sähen. Und so macht sich der korrupte Polizist Kataoka (Kohinata Fumiyo) an die Arbeit, die Zahl der Clan-Mitglieder zu reduzieren. Zum einen sät er Zwietracht zu konkurrierenden Yakuzas in der Hoffnung, dass diese sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Außerdem setzt er sich für eine Haftverkürzung des früheren Yakuzas Otomo (Takeshi Kitano) ein, der noch eine offene Rechnung mit Kato und dessen Männern hat.

Yakuzas werden ja hin und wieder mal gerne etwas romantisiert als ein Schlag Verbrecher, der viel Wert auf Ehre und anständiges Verhalten legt. Nicht von Takeshi Kitano. Sicher, auch Otomo und die anderen werden das Wort immer wieder in den Mund nehmen, davon reden, wie Menschen miteinander umzugehen haben und was sich gehört. Nur um sich gegenseitig im Anschluss das Lebenslicht auszupusten – unter oft wenig respektvollen oder wenigstens menschlichen Umständen.

Yakuza sind auch nur (böse) Menschen
Wer Outrage kennt, den wird das nicht sonderlich wundern. Schon im ersten Teil seiner Yakuza-Trilogie demontierte Takeshi Kitano den Mythos des noblen Verbrechers und machte daraus ein ausuferndes Schlachtfest. Ein Schlachtfest, das so böse ist, dass es einen frösteln lässt, gleichzeitig aber auch so überzogen, dass man es fast als Satire auffassen möchte. Das ist im zweiten Teil nicht wirklich anders. Zwar werden einige Morde ins Kameraaus befördert, Leichen gibt es aber nach wie vor genügend auf dem Weg zum Abspann.

Zumindest zwei Beispiele davon sind dann auch sehenswert, sofern man selbst eine kleine Ader für das Perfide hat. Denn nicht jeder Mord dient allein dazu, ein Leben zu beenden. Manchmal darf das auch mit richtig viel Schmerzen verbunden sein. Oder Demütigungen. Vielleicht auch beides. Und doch ist Outrage Beyond, das bei den Filmfestspielen von Venedig 2012 Premiere feierte, kein absurdes Yakuza-Gemetzel, wie es beispielsweise Sion Sono in Why Don’t You Play in Hell? veranstaltet hat. Gerade zu Beginn ist der Film auffallend ruhig, lässt sich auch sehr viel Zeit, um die Situation vorzustellen und die ganzen Figuren einzuführen.

Aus Verwirrung wird Mord
Von Letzteren gibt es dann auch jede Menge. Da heißt es, ein bisschen auffassen, um den diversen Handlungssträngen und zwischenverbrecherischen Verwicklungen folgen zu können – wer hier wen auf dem Kieker hat, das ist schon eine kleine Wissenschaft für sich. Von dem warum ganz zu schweigen. Tatsächliche Wendungen oder Überraschungen gibt es hingegen weniger. Stattdessen verfolgt Outrage Beyond recht konsequent das Ziel der Eskalation, indem kleine Konflikte immer größer werden, der Body Count ebenso. Denn wenn gleich mehrere Clans aufeinander losgehen, intrigiert durch die Polizei, das kann ja nur böse ausgehen.

Der Film ist dann auch eine bittere Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der jeder nur für sich kämpft, die Guten von den Schlechten praktisch nicht mehr zu unterscheiden sind. Das geht mit einem beträchtlichen Coolnessfaktor einher: Kitano, der hier unter seinem Schauspielernamen Beat Takeshi auftritt, inszeniert eine Mischung aus eisigem Albtraum und groteskem Guilty Pleasure. Das ist teilweise durchaus auch kreativ umgesetzt, selbst wenn die Geschichte an sich nichts Neues erzählt und dem Yakuza-Milieu keine übermäßig spannenden Erkenntnisse oder Figuren entlockt.

Outrage Beyond
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Outrage Beyond
Mit „Outrage Beyond“ setzt Takeshi Kitano seinen Yakuza-Feldzug fort, demontiert diesmal nicht nur die oft romantisierten japanischen Verbrecher, sondern auch die Polizei gleich mit. Das ist zunächst langsam erzählt, gleichzeitig simpel und verworren, steigert sich mit der Zeit aber zu einem brutalen Bandenkrieg, der vor nichts mehr zurückschreckt.
7von 10

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