The Cakemaker

„The Cakemaker“ // Deutschland-Start: 1. November 2018 (Kino)

Aus einer zufälligen Begegnung werden mehrere, aus einem Kunden ein Liebhaber. Eines stört jedoch das junge Liebesglück von Bäcker Thomas (Tim Kalkhof) und dem Israeli Oren (Roy Miller): Oren ist verheiratet, hat Frau und Kind in der Heimat, zu der er regelmäßig zurückkehrt. Thomas hat sich mit der Situation abgefunden, bis zu jenem Tag, als Oren bei einem dieser Heimataufenthalte tödlich verunglückt. Voller Schmerz macht sich der Deutsche daraufhin auf den Weg nach Israel, um mehr über den Verstorbenen zu erfahren, und findet ausgerechnet in dem Café von Orens Frau Anat (Sarah Adler) eine Stelle. Dort muss er sich nicht nur mit den Vorurteilen Deutschen gegenüber und den religiösen Bestimmungen des Landes herumplagen, sondern auch mit seiner Lüge, die ihm zunehmend schwer auf dem Gewissen liegt.

Liebe geht durch den Magen, besagt ein altes Sprichwort. In The Cakemaker trifft das gleich doppelt zu. Erst schaffen es die Süßspeisen von Thomas, das Herz von Oren zu erweichen. Und auch später, wenn der Deutsche nach Israel gereist ist, wird seine Backkunst wesentlich dazu beitragen, dass er Orens Witwe Anat näherkommt. Denn die kennt keine vergleichbaren Kekse und Kuchen. Sie kennt auch nicht die Freude und die Sinnlichkeit des Essens, obwohl sie ein Café betreibt. Denn in ihrem Land hat Essen in erster Linie Symbolcharakter, muss strengen Regeln genügen – anders als bei Thomas, der sich mit Zucker, Mehl und Butter selbst verwirklicht.

Über Grenzen und Bedürfnisse
The Cakemaker ist damit mehr als nur ein Liebesfilm. Es ist mehr als nur ein Drama über Trauer und Verlust. Regisseur und Drehbuchautor Ofir Raul Graizer, der hier sein Spielfilmdebüt gibt, arbeitet hier selbst wie ein Bäcker, wenn er die unterschiedlichsten Themen zusammenrührt. Eine Romanze, die anerkennt, wie durchlässig Geschlechtergrenzen manchmal sind, dass Sex, Liebe und Nähe mehr bedeutet als reine Körperlichkeit. Ein Porträt über das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel, das noch immer spezielle ist, es vielleicht immer sein wird. Die Sinnlichkeit des Essens. Zudem gibt es hier das Spiel mit einem äußeren und inneren Leben, mit einem echten Glauben und dem bloßen Befolgen von Regeln.

Eine solch große Anzahl höchst unterschiedlicher Zutaten kann schnell dazu führen, dass am Ende ein fürchterlicher Mischmasch herauskommt. Glücklicherweise zeigt Graizer beim Verrühren jedoch eine recht sichere Hand mit genügend Instinkt auch für die richtige Balance. An manchen Stellen gibt er schon etwas zu viel hinein. Die Umstände für Orens Tod sind zum Beispiel ein schreckliches Klischee, so wie The Cakemaker allgemein oft gefährlich nahe an der Seifenoper hantiert. Eine Liebesdreieck mit lauter dunklen Geheimnissen, das schreit nach einem hohen Taschentuchverbrauch.

Reichhaltige Zurückhaltung
Das deutsch-israelische Drama hält sich dabei jedoch zurück. Große emotionale Ausbrüche gibt es hier kaum. Zum einen, weil Graizer eine Gesellschaft zeigt, in der über vieles nicht offen gesprochen wird. Aber auch weil Thomas die Verkörperung des leidenden, schweigenden Helden ist. Während er am Herd seiner Leidenschaft Ausdruck verleihen kann, fällt ihm das im zwischenmenschlichen Bereich sichtbar schwerer. Er ist einfach da, verschwindet im Hintergrund, verschwindet in seiner Innenwelt und überlässt es den Zuckerbomben, die Kommunikation mit der Außenwelt zu führen.

Der Ablauf dieses Austausches ist dabei recht konventionell, The Cakemaker hält sich bei den einzelnen Stationen der Annäherung an die bekannten Wegweiser bis zur obligatorischen Zuspitzung, wenn der Schwindel von Thomas auffliegt. So ungewöhnlich die einzelnen Themen sind, die Graizer miteinander vermischt, so gewöhnlich ist die Form, die er dafür wählt. Aber es ist ein schöner Film, der da gerade von Festival zu Festival weitergereicht wird, ein versöhnlicher, der leise dazu aufruft, Grenzen abzubauen und aufeinander zuzugehen. Und dafür ist es ja nie zu spät.

The Cakemaker
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The Cakemaker
Die Geschichte könnte aus einer Seifenoper stammen: Ein Bäcker beginnt, im Café der Witwe seines verstorbenen Liebhabers zu arbeiten. „The Cakemaker“ setzt jedoch nicht auf das große Drama, sondern ist ein leiser Film, der viele Themen miteinander verrührt und gleichzeitig für ein Miteinander über alle Grenzen hinweg wirbt.
7von 10

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