Heavy Trip

„Heavy Trip“ // Deutschland-Start // nicht angekündigt

Träume hat Turo (Johannes Holopainen) genug. Ein großer Heavy-Metal-Star zu werden, zum Beispiel. Oder mal mit der hübschen Blumenverkäuferin Miia (Minka Kuustonen) einen Kaffee trinken zu gehen. Der Alltag sieht aber ganz anders aus, was auch daran liegt, dass er viel zu schüchtern ist, um seine Ziele in Angriff zu nehmen. Also arbeitet er in einem Altersheim, muss sich regelmäßig Spott wegen seiner langen Haare anhören und vertreibt sich seine Zeit mit den anderen Jugendlichen, die in dem finnischen Kaff Heavy Metal hören. Was nicht sehr viele sind. Als seine Gruppe per Zufall auf einen völlig neuen Sound stößt, sehen die vier ihre Chance gekommen, es der Welt einmal zu zeigen. Und tatsächlich scheint ein berühmtes Metal-Festival in Norwegen Interesse an ihnen zu haben. Doch dafür heißt es, diverse Probleme erst einmal aus dem Weg zu räumen.

Anders sein, das ist nie besonders einfach. Vor allem nicht, wenn man jung ist und noch schwer damit beschäftigt, einen Platz für sich in der Welt zu finden. Nun sollte man eigentlich meinen, dass wenn es ein Land gibt, in der man als Metal-Fan nicht auffällt, dann ja wohl Finnland – das einzige Land, in dem die Metal-Abteilung eines Plattenladens größer ist als die der Popmusik. Heavy Trip schafft es aber ganz schön, Turo in seiner eigenen Heimat zu einem Fremdkörper zu machen, der mal neugierig begafft, meistens feindselig angegriffen wird. Von anderen Jugendlichen. Vor älteren Mitbürgern, die das mit der Andersartigkeit gar nicht so gerne sehen.

Auch Ernst kann Spaß machen
Doch trotz der ähnlichen Ausgangslage, der Film ist nur zum Teil mit Metalhead zu vergleichen, der von einer einsamen isländischen Jugendlichen erzählt, die sich in lauter Musik ausdrückt und darin Halt findet. Dafür ist der sanfte Turo dann doch nicht leidend genug, nicht allein genug. Stattdessen ist der Ton heiter, Heavy Trip hat mit der Situation und ihren Figuren jede Menge Spaß. Wenn Vergleiche anstehen, dann eher mit Blues Brothers, des Roadtrips wegen, auf den die jeweiligen Protagonisten sich begeben, der zunehmenden Absurdität wegen, die das Unterfangen nach sich zieht.

Sympathisch ist das auf jeden Fall, auch weil das Quartett mit viel Liebe zu ihrer Musik an die Arbeit geht. Außenseiter, die sich finden und dem Druck der Masse trotzend ihren Weg finden, das ist doch immer was fürs Herz. Es ist auch immer wieder mal amüsant: Heavy Trip macht sich ganz gerne über die Menschen lustig. Ob es die bescheuerten Namen sind, mit denen die Band den Durchbruch schaffen will, die diversen finnischen Klischees, die genüsslich abgearbeitet werden, die Diskrepanz zwischen der pechschwarzen, harten Fassade und dem Inneren der Rocker oder kleine Nadelstiche gegen einen Ruhm, der völlig losgelöst von der eigentlichen Kunst entsteht – da sind schon viele nette Ideen in dem Film.

Witze in Schrittgeschwindkeit
Und doch, so richtig in Fahrt kommt die Komödie, die unter anderem auf dem SXSW Filmfestival und dem Fantasy Filmfest zu Gast war, lange Zeit nicht. Das liegt zum Teil natürlich an der doch eher phlegmatischen Natur der Jungs, an denen das Leben gerne mal vorbeizieht, ohne dass sie es bemerken. Es liegt aber auch an dem Drehbuchteam, dem trotz einer stattlichen Mitgliederzahl – immerhin vier Leute haben hier mitgeschrieben – zwischendrin nur wenig einfällt, um die Geschichte voranzutreiben.

Diverse Gags werden zu lang gezogen oder zu oft wiederholt, die an und für sich knappe Laufzeit von anderthalb Stunden kommt einem irgendwie länger vor. Da hatte beispielsweise das neuseeländische Deathgasm mehr Stoff zum Lachen zu bieten, selbst vor den dämonischen Entwicklungen. Aber es ist doch ein netter Titel, den die Finnen hier abgeliefert haben und der sein Publikum finden sollte, selbst außerhalb der Metal-Szene. Und zumindest beim Ende, wenn der Film plötzlich ein paar Gänge hoch schaltet, wird jede Menge geballter Blödsinn aufgebahrt, welcher die Reise rechtfertigt.

Heavy Trip
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Heavy Trip
Vier finnische Jugendliche träumen von der großen Metal-Karriere und bekommen durch Zufall eines Tages wirklich die Chance: Die Außenseiterkomödie „Heavy Metal“ ist sympathisch, spielt gern mit Klischees und wird zum Ende hin richtig abgedreht. Sie braucht aber sehr lange dafür, vorher geht es doch recht schleppend voran.
5von 10

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