„In Dubious Battle“, USA, 2016
Regie: James Franco; Drehbuch: Matt Rager; Vorlage: John Steinbeck; Musik: Volker Bertelmann
Darsteller: James Franco, Nat Wolff, Josh Hutcherson, Vincent D’Onofrio, Selena Gomez, Robert Duvall

Stuermische Ernte

„Stürmische Ernte – In Dubious Battle“ ist seit 8. Juni 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Die Kürzung ist bitter, mehr als bitter: Drei Dollar wurden den Arbeitern auf einer Apfelplantage versprochen. Jetzt soll es nur noch ein Dollar sein. Zu wenig für die harte Arbeit, zu wenig, um davon leben zu können. Der idealistische Aktivist Jim Nolan (Nat Wolff) soll deshalb einen Streik organisieren und erhält dabei Hilfe von dem erfahrenen Parteifreund Mac McLeod (James Franco). Doch so einfach wie gedacht ist das nicht. Erst einmal heißt es für die beiden, das Vertrauen der anderen Arbeiter zu gewinnen. Und natürlich wollen die Farmbesitzer nicht tatenlos zusehen, wenn die Leute ihren Aufstand planen: Um die Streikenden wieder auf Kurs zu bringen, ist ihnen jedes Mittel recht – einschließlich körperlicher Gewalt.

James Francos Filmografie ist ja gleich in zweierlei Hinsicht legendär. Sie ist nicht nur sehr umfangreich – er ist jährlich im Schnitt in 8-10 Filmen und Serien zu sehen –, sondern auch seltsam uneinheitlich. Als bloßer Schauspieler dreht er regelmäßig Filme, die einen möglichst breiten Massengeschmack ansprechen sollen, wie etwa Why Him?, ebenso obskure bis trashige Genreware (The Safe, Future World) fernab von Blockbustern. Ganz wild wird es aber, wenn er selbst Regie führt. Dass er große künstlerische Ambitionen hat, das ist in seinem experimentellen Werk zu sehen. Ebenso dass er genug Geld hat, sich hier völlig von der Idee eines Zielpublikums verabschieden zu können. Oder einem Publikum im allgemeinen.

Keine Experimente
Insofern ist Stürmische Ernte eine ziemliche Überraschung. Sicher, Franco hat schon vorher gezeigt, dass er sich gerne mal großer amerikanischer Literaten annimmt. Während er aber bei William Faulkners As I Lay Dying viel mit Kameraspielereien experimentierte und bei Cormac McCarthys Child of God die Grenzen des guten Geschmacks mit Exkrementen beschmierte, wortwörtlich, da ist Stürmische Ernte ungewohnt zahm. Normal. Und am Ende irgendwie auch so gar nicht erwähnenswert. Ein Film, den man vielleicht im Schulunterricht zeigen würde.

Dabei hat der zugrundeliegende Roman von John Steinbeck heutigen Lesern eigentlich eine ganze Menge zu sagen. Was geschehen kann, wenn die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen nicht wahrgenommen werden, das verrät schließlich der tägliche Blick in die USA. Denn deren Misere rächt sich nun auch für den gesamten Rest der Welt. Er funktioniert aber auch, um heutige schwierige Arbeitsverhältnisse anzuprangern. Dass Menschen von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, teils mehrere Jobs parallel haben müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen, das ist einer der erschreckendsten Aspekte einer sich weitenden Kluft zwischen arm und reich. Die Errungenschaften von Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten, immer weniger profitieren noch davon.

Moralisch überraschend ambivalent
Franco ist das natürlich auch bewusst. Hin und wieder drängt sich auch der Eindruck auf, Stürmische Ernte wäre mit eben diesem Sendungsanspruch gedreht worden. Dass der Film eben nicht allein die historische Bedeutung von Gewerkschaften hervorhebt, die in den 1930ern noch gewaltsam unterdrückt wurden. Interessant dabei ist, dass anders als man vielleicht erwarten könnte, die Vorstreiter für das Recht nur bedingt als Helden taugen. Besonders der von Franco selbst gespielte Mac ist eine überaus ambivalente Person, die sich gern hinter dem Kampf versteckt und eigentlich nur wenig für andere Menschen übrighat. Sie sind nur ein Mittel zum Zweck, so wie sie es eben auch für die Landbesitzer sind.

Diese spannenden Momente sind jedoch recht rar. Stürmische Ernte versucht so viel in seine rund 110 Minuten zu packen, verpasst es dabei aber, auch das Publikum zu packen. Es ist sicher lobenswert, wenn Franco sich billiger Tricks verweigert und das große Melodram vermeidet, das sich angesichts des Themas anbieten würde. Wenn der Gegenentwurf aber so öde ausfällt wie hier, dann ist das nicht unbedingt eine zu empfehlende Alternative. Für einen Film, der so viel von persönlichem Leid erzählen will, ist das zu blutleer, zu wenig mitreißend. Selbst wenn die meisten Zuschauer vom rein moralischen Empfinden her die Anliegen der vielen Figuren unterstützen würden, ein wirklicher Anlass, mit ihnen mitzufiebern, der will sich nicht so recht finden.

Stürmische Ernte – In Dubious Battle
4 (80%) 4 Artikel bewerten

Stürmische Ernte – In Dubious Battle
In „Stürmische Ernte – In Dubious Battle“ nimmt uns James Franco mit in die 1930er, wo Arbeiter auf einer Apfelplantage um mehr Geld und Rechte kämpfen. Das ist engagiert und auch für ein heutiges Publikum relevant. Wirklich mitreißend ist das Drama jedoch kaum. Abgesehen von dem überraschend ambivalenten Vorkämpfer ist der Film sogar eher langweilig.
5von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.